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BEZIRK BRAUNAU. Bis zum 15. Juli ist noch Brut- und Setzzeit der Wildtiere. In der freien Natur ist also vermehrt Vorsicht geboten, um die Tiere nicht in Gefahr zu bringen, wobei immer mehr auf technische Hilfsmittel gesetzt wird, um beispielsweise junge Rehe vor dem Mähtod zu retten.

Bianca Ermer entdeckt Rehkitze in einer Wiese, die gemäht werden sollte. (Foto: Privat)
  1 / 2   Bianca Ermer entdeckt Rehkitze in einer Wiese, die gemäht werden sollte. (Foto: Privat)

„Junge Wildtiere sollten auf gar keinen Fall berührt werden“, betont Franz Reinthaler, der PR-Referent des Bezirksjagdausschusses Braunau. „Wer in der freien Wildbahn ein Wildtier sieht, sollte es am besten einfach in Ruhe lassen. In den allerwenigsten Fällen brauchen die Tiere tatsächlich Hilfe.“

Kleine Rehe oder Hasen verbringen die meiste Zeit des Tages alleine, Hasen werden nur einmal täglich gesäugt, somit ist es ganz normal, dass man sie alleine auffindet. Selbst wenn Jungvögel aus dem Nest fallen, werden sie auch am Boden weiterhin von ihren Eltern versorgt, erklärt der Jäger. „Werden die Jungtiere allerdings angefasst, werden sie von ihrer Mutter nicht mehr angenommen.“

Rücksicht nehmen

Generell ist auch beim Betreten von Wald und Wiese Vorsicht geboten. „Im Wald sollte der Weg nicht verlassen werden, ansonsten verursacht man Stress für die Tiere. Auch das Reiten und Fahren im Wald ist nach dem Forstgesetz 1975 verboten“, sagt Reinthaler. „Einfach durch Wiesen zu laufen ist ebenfalls nicht ratsam, da dadurch Bodenbrüter gefährdet werden.“

Hunde an die Leine

Auch Bianca Ermer aus dem Bezirk Braunau setzt sich für den Schutz von Tieren ein und zog selbst bereits ein kleines Rehkitz, dessen Mutter bei einem Autounfall ums Leben gekommen war, auf. Sie wünscht sich ebenfalls von der Bevölkerung gerade im Frühsommer größere Vorsicht. „Es ist ganz wichtig, dass Hundehalter ihre Hunde in der Brut- und Setzzeit an der Leine haben. Sogar wenn die Hunde kleine Rehe nur mit der Schnauze berühren und abschlecken, kann es vorkommen, dass sie von ihrer Mutter verstoßen werden“, sagt Ermer.

Sie hört leider fallweise davon, dass Rehkitze aus Unwissen nach Hause mitgenommen werden und warnt genauso wie Reinthaler eindringlich vor solchen Aktionen. „Nicht nur wird dadurch das Kitz von seiner Mutter getrennt, auch für das erwachsene Tier ist so etwas gefährlich, denn die Mutter kann dadurch einen Milchstau bekommen.“ Die Aufzucht durch den Menschen sollte nur der letzte Ausweg sein, sind sich Ermer und Reinthaler einig. „Eine Aufzucht ist auch extrem aufwendig und teuer. Wenn Rehe in der Natur aufwachsen können, ist das viel besser“, so Ermer.

Rettung vor dem Mähtod

Mäharbeiten können für Jungtiere ebenfalls eine hohe Gefahr darstellen. Jedes Jahr fallen nicht nur unzählige Rehkitze den Mähklingen zum Opfer, auch viele andere Tiere, wie Bodenbrüter, sind bei Mäharbeiten gefährdet. In ganz Österreich sterben etwa 25.000 Rehkitze pro Jahr durch Mähunfälle.

Um das zu verhindern gibt es zum einen die Möglichkeit, die Flächen abzusuchen. Landwirte können sich hier an Jäger wenden, die das Absuchen übernehmen.

Zudem können Landwirte den Jungtieren helfen, indem sie auf die richtige Mähtechnik setzen. Empfehlenswert ist das „Anmähen“ einer Mähbreite rund um das Wiesenstück am Vorabend der Mahd, rät Reinthaler. Außerdem sollte von innen nach außen gemäht werden, beginnend entlang von Straßen und in Richtung des Waldes. Das Wild hat somit die Möglichkeit zur Flucht.

In Sicherheit bringen

Wird ein Rehkitz in der Wiese gefunden, muss es entweder mit speziellen Handschuhen oder viel Gras genommen werden. Während dem Mähen kann es neben der Wiese in einem abgesicherten Korb liegen, später sollte es wieder an die Ursprungsstelle gelegt werden. „Wer also ein Rehkitz neben einer Wiese findet, das zum Beispiel unter einem Wäschekorb liegt, sollte es keinesfalls aus der vermeintlich misslichen Lage befreien“, betont Ermer.

106 Rehkitze mit Drohne gefunden

Inzwischen gibt es auch mehrere Hilfsmittel, die Jungtiere im Gras aufspüren können. Zum Einsatz kommen können beispielsweise Drohnen. Zu beachten: Drohnen mit Wärmebildkameras sollten wegen des Temperaturunterschiedes in den frühen Morgenstunden eingesetzt werden. Christoph Kanz aus Hochburg-Ach konnte mit seiner Drohne in diesem Frühjahr bereits 106 Rehkitze im Bezirk Braunau finden.

Sensorbasierte Assistenz

Mittlerweile gibt es auch sensorbasierte Assistenzsysteme. „Das Unternehmen Pöttinger entwickelte beispielsweise das Assistenzsystem Sensosafe, wobei der Sensorbalken direkt am Frontmähwerk oder auf einem Zwischenrahmen an der Traktorhydraulik montiert werden kann“, berichtet Reinthaler.

Im Gegensatz zum Einsatz von Wärmebildkameras kann der Sensor unabhängig von Tageszeit und Licht verwendet werden. Er sendet Infrarotstrahlen aus und erkennt so Fell, genauso wie Federn. „Ein erster Praxistest verlief sehr erfolgreich. Wir konnten mehrere Kitze und sogar zehn Fasanenküken, die nicht älter als vier Tage waren, finden“, freut sich der Jäger.


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