Wirtesprecher: „Die Spaltung der Gesellschaft spüren wir sehr“
BEZIRK BRAUNAU. Die steigenden Covid-Infektionszahlen führten in vielen Bereichen zu verstärkten Einschränkungen. Seit Montag, 15. November, gilt ein Lockdown für jene, die keinen 2G-Nachweis erbringen können. Auch im Bezirk Braunau führt das in vielen Bereichen zu einer großen Umstellung.

Der Lockdown betrifft alle, die kein gültiges Impfzertifikat haben oder nicht nachweisen können, dass sie in den letzten 180 Tagen genesen sind. Ausgenommen sind Kinder unter zwölf Jahren. Erstgeimpfte können sich mit einem PCR-Test „freitesten“.
Die neuen Regelungen sehen außerdem unter anderem vor, dass in der Gastronomie Speisen und Getränke nur noch im Sitzen konsumiert werden. Auch im Freien müssen Besucher eine FFP2-Maske tragen. Zusammenkünfte sind nur noch bis 25 Personen erlaubt. Diskotheken und Tanzlokale werden bis 5. Dezember geschlossen. Offen bleiben im Kulturbereich nur Spielstätten, die ganzjährig und regelmäßig betrieben werden sowie feste Sitzreihen haben. Museen können geöffnet bleiben (Stand 15. November).
Hohe Inzidenz
Die hohen Infektionszahlen haben auch im Bezirk Braunau große Auswirkungen. Die Krankenhausmitarbeiter machten bereits mit einer Protestaktion auf ihre große Belastung und die hohe Belegung der Intensivbetten aufmerksam. 35 Covid-Erkrankte waren am Montag, 15. November, im Krankenhaus Braunau, davon sieben auf der Intensivstation. Die 7-Tage-Inzidenz lag im Bezirk Braunau zu diesem Zeitpunkt bei 1.941 – und war somit die dritthöchste in ganz Oberösterreich.
Seit der Einführung der 2G-Regelung stieg die Impfquote leicht an. Außerdem gab es auch im Bezirk lange Warteschlangen mit teils stundenlangen Wartezeiten. In den öffentlichen Teststraßen des Bezirks Braunau wurden laut Bezirkshauptmann Gerald Kronberger am 7. November über 2.000 Tests abgenommen.
Flächendeckendes Testangebot notwendig
Die Wirtschaftskammer Braunau hat aufgrund der aktuellen Entwicklung der Infektionszahlen absolutes Verständnis für die Maßnahmen. „Es sollte aber sichergestellt werden, dass es zu keinem totalen Lockdown kommt“, betont WKO-Obmann Klemens Steidl. Für die Unternehmen seien die Kontrollen ein zusätzlicher Mehraufwand, aber in Anbetracht der Quarantänefälle in den Firmen die bessere Wahl. Zudem sei ein flächendeckendes Testangebot notwendig. „Dass es zu Wartezeiten kommen wird, die der Arbeitnehmer selbst in Kauf nehmen muss, erklärt sich auch wohl selbst, das hat aber jeder Einzelne selbst in der Hand.“
Eine große Herausforderung sei die Menge und Logistik der Tests. „Viele beachten dabei nicht, dass der Genesungsstatus nur sechs Monate Gültigkeit hat und nicht mehr verlängert werden kann, wie es in anderen Ländern immer schon so war. Sorgen macht uns in Einzelfällen, dass es Testverweigerer gibt, die sich daran nicht halten oder in den Krankenstand gehen und andere Arbeitnehmer müssen deren Aufgaben übernehmen“, erklärt Steidl. „Vonseiten der Gesundheitskassen wurde bereits angekündigt, dass man hier sehr genau schauen und gegebenenfalls die Leute vorladen wird.“ In einigen Branchen werden die neuen Regelungen zu Umsatzeinbußen führen. „Hierfür fordert die WKO rasche und schnell umsetzbare Unterstützungen.“
Hoher Personalaufwand
Für die Gastronomie beispielsweise stellt die 2G-Reglung eine deutliche Erhöhung des Arbeitsaufwands dar. Während die Gäste durch die neuen Regelungen weniger wurden, stieg das Arbeitspensum. „Für das bisschen Geschäft, das wir jetzt haben, müssten wir noch mehr Personal einstellen, da die Kontrolle sehr zeitaufwändig ist“, sagt Braunaus Bezirkswirtesprecher Herbert Karer. Dass die Gastronomie für die Kontrolle zuständig ist, während sich bisher andere Sparten davon distanzieren konnten, empfindet er als ungerecht. „Wir kontrollieren gerne, da wir die Sicherheit unserer Gäste gewährleisten wollen. Wir wurden aber gegenüber den anderen Sparten extrem benachteiligt.“ Die bisherigen Infektionsherde seien nicht in der Gastronomie entstanden.
Hilfestellung erforderlich
Von den Weihnachtsfeiern erwarten sich die Wirte kein Geschäft. „Im Grunde hat jede Gruppe über zehn Personen abgesagt.“ Die Gäste seien außerdem sehr zwiegespalten, was die Regelungen betrifft, berichtet Karer. „Die Spaltung der Gesellschaft spüren wir sehr.“ Zudem wächst der Druck auf die Personalsituation. „Wir müssen sehen, wie wir die Leute behalten können.“
Von der Regierung brauche es jetzt klare Ansagen, Hilfestellungen und eine Gleichstellung mit anderen Branchen. „Wir wissen noch nicht, wie es mit Kurzarbeit aussieht. Und wir bekommen auch noch keine Unterstützung. Viele Kollegen sagen: Es wird schwierig“, berichtete der Wirtesprecher.
Zusätzliches Impfangebot
Zusätzlich zur Erweiterung der Testmöglichkeiten wurden auch die Impfmöglichkeiten im Bezirk ausgeweitet. Das Krankenhaus St. Josef bietet beispielsweise in der Bezirkssporthalle Braunau ein zusätzliches Impfangebot. Die Ärzte des Krankenhauses impfen dort jeweils am Montag von 8 bis 14 Uhr sowie am Dienstag von 8 bis 13 Uhr und von 16 bis 19 Uhr. Für die Impfung ist keine Anmeldung erforderlich. Weitere Impfmöglichkeiten gibt es unter www.ooe-impft.at zu finden. Alle Testangebote in Oberösterreich sind unter land-oberoesterreich.gv.at/corona-test ersichtlich.


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