Immer mehr Online-Betrugsfälle auch im Bezirk Braunau gemeldet
BRAUNAU. Seit Beginn der Corona-Pandemie erfahren Cyber-Kriminalität und Online-Betrug einen starken Anstieg. Zuletzt verlor Anfang August ein 65-jähriger Pensionist aus dem Bezirk Braunau hunderttausende Euro an einen Anlagebetrüger. Ein Experte aus dem Bezirk warnt vor den typischen aktuellen Betrugsmaschen und wie man sich am besten davor schützen kann.

Die Polizei Braunau berichtete Anfang August von einem erneuten Online-Betrugsfall: Ein 65-Jähriger aus dem Bezirk Braunau wollte in Bitcoin investieren und überwies hunderttausende Euro an einen Anlagebetrüger. Im Frühling hatte der Pensionist im Internet Investitionsmöglichkeiten in die Kryptowährung Bitcoin entdeckt. Daraufhin kontaktierten diverse angebliche Finanzexperten den Mann. Einem von ihnen vertraute der 65-Jährige und eröffnete unter dessen Anleitung ein Paysafe-Konto in Luxemburg. Dorthin überwies er seine Ersparnisse im fünfstelligen Euro-Bereich. Auch danach blieb der Unbekannte über einen Nachrichtendienst mit dem 65-Jährigen in Kontakt. So erfuhr der angebliche Finanzexperte, dass der Pensionist einen größeren Verkauf getätigt hatte. Daraufhin verleitete er den Braunauer erneut zu mehreren Überweisungen. Insgesamt überwies der 65-Jährige einen sechsstelligen Euro-Betrag auf das Konto in Luxemburg.
Raffinierte Betrugsmaschen
Wie auch IT-Experte Dominik Veresuk weiß, ist die Basis bei allen Betrugsfällen die gleiche und zwar: Vertrauen zu schaffen. Dennoch erfinden die Betrüger immer wieder neue Maschen, mit denen sie Geld von den Opfern fordern können. Eine Täuschung, die Veresuk auch im Bezirk Braunau schon häufig erlebt hat, sind Anrufe der Kriminellen, die sich als eine namhafte Sicherheitsfirma ausgeben und die Geräte auf Sicherheitsrisiken überprüfen wollen. „Es wurde erzählt, man sei von einer bekannten, namhaften Firma und möchte aufgrund der immensen Sicherheitsrisiken im Internet für seine Kunden etwas Gutes tun. Da man nicht allen Kunden diesen speziellen Service anbieten kann, entscheidet eben der Zufallsgenerator, welcher Kunde angerufen wird. Nach dieser Social-Engineering-Phase – es wird Vertrauen geschaffen – gewährten die betroffenen Personen den Anrufern Zugriff auf ihren PC oder Laptop und das Unglück nahm seinen Lauf“, erzählt der IT-Experte.
Betrug kaum mehr als solcher identifizierbar
Das wirklich Beeindruckende bei diesen Fällen sei die Perfektion, mit der die Täter vorangehen. Es wurde in perfektem, einwandfreiem Deutsch die Problematik genau angesprochen und gefälschte Belege für die Echtheit der Anrufer geliefert. Die Täter nehmen sich viel Zeit für die Betroffenen und telefonieren oft bis zu 1,5 Stunden mit ihren Opfern. „Es wurde sogar miteinander der Zugriff auf alle Accounts, Bank, Amazon, PayPal, ebay überprüft und ein starkes Passwort erstellt und aufgeschrieben. Was das Opfer nicht wusste, war, dass diese Daten abgegriffen wurden. Während man also ein neues Passwort erstellt und sogar die 2-Faktor-Authentifizierung aktiviert hat, wurde im Hintergrund mit diesen Daten Geld gestohlen. Bei Fällen mit Geldbeträgen wurde dem Geschädigten glaubhaft versichert, es seien Testtransaktionen“, erklärt Veresuk.
Die „Enkel-Trick-Masche“
Eine weitere häufige Betrugsmasche, bei der bevorzugt Senioren angeschrieben werden, ist die sogenannte „Enkel-Trick-Masche“. Dabei geben sich die Erpresser als die Enkelkinder aus und geben vor, selbst auf einen Betrüger reingefallen zu sein, sich deshalb in großer Geldnot zu befinden und dringend Geld von den Großeltern zu benötigen. „Auch hier wird zu extremen Maßnahmen gegriffen, beispielsweise sei eine Kaution zu bezahlen, sonst müsse man ins Gefängnis oder die eigene Handynummer sei gestohlen worden, deswegen schreibe man von einer neuen Nummer, am besten solle die angerufene Person die alte Nummer blockieren. Hier kennen die Dreistigkeiten leider kein Ende und die Gutmütigkeit und Hilfsbereitschaft von Eltern beziehungsweise Großeltern wird gnadenlos ausgenutzt“, sagt Veresuk.
Anstieg durch Corona
Aufgrund der Ausgangsbeschränkungen und von Homeoffice ist es seit Beginn der Corona-Pandemie nicht mehr lukrativ, in ein Haus einzubrechen, viel eher plant man bequem von der Couch aus seine Raubzüge. „Man kann im Darknet Hacker anheuern, um einen Virus zu entwickeln oder Aufträge verteilen. Die Hacker arbeiten dann auf Provisionsbasis“, weiß Veresuk.
Tipps und Prävention
„Man muss ehrlich zu sich selbst sein: Kann es wirklich sein, dass etwas kostenlos angeboten wird, was normalerweise kostenpflichtig wäre? Sollte man in Zukunft einen Anruf erhalten, der ungewöhnlich ist, sollte man sich in Erinnerung rufen, was beispielsweise in Zeitungen stand. Wenn man eine Mail von der Bank erhält und sich nicht sicher ist, ob die Mail echt ist, dann sollte man lieber vorher bei der Bank anrufen oder bei dem IT-Experten seines Vertrauens nachfragen“, rät der Spezialist abschließend.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden