Neues Angebot in Mattighofen: mit dem Pedibus sicher zur Schule
MATTIGHOFEN. Der Pedibus ist eine begleitete Geh-Gemeinschaft und bringt die Volksschüler jeden Tag sicher und gesund zur Schule und auch wieder nach Hause. Der Pedibus hat feste Fahrpläne, Haltestellen und Los-Geh-Zeiten, wodurch die Kinder Schritt für Schritt selbständiger und verkehrssicherer werden. Das Angebot startete am Freitag, 16. September, mit 25 Kindern.

Die Bezeichnung Pedibus leitet sich vom lateinischen Wort pes für Fuß ab. Es geht also um eine Art „Autobus auf Füßen“, eine Geh-Gemeinschaft, bei der die Volksschüler, die „Fahrgäste“, in Gruppen gemeinsam mit einer geschulten erwachsenen Begleitperson, dem „Busfahrer“, zu Fuß zur Schule und auch sicher wieder nach Hause gehen. Die Kinder gehen entlang genau festgelegter Routen, den „Linien“, und zu fixen Zeiten, dem „Fahrplan“. An ausgeschilderten „Haltestellen“ treffen sie sich, um den weiteren Weg gemeinsam zurückzulegen. Also alles wie bei einem richtigen Schulbus – nur eben auf Füßen statt auf Rädern.
Ursprung des Pedibusses
Die Idee für das Projekt entstand, als die Tochter der heutigen Pedibus-Koordinatorin Gertrud Bachleitner vor zwei Jahren in die Volksschule kam: Ihre Familie musste einige negative Erfahrungen beziehungsweise Beobachtungen machen. Zum einen sind die Schulkinder in Mattighofen einer für sie sehr unsicheren Verkehrssituation ausgesetzt, denn auf ihrem Schulweg gibt es stellenweise keine Gehsteige, zahlreiche uneinsehbare Straßenabschnitte und viel (Schwer-)Verkehr. Zum anderen gibt es eine Vielzahl an Verkehrsteilnehmern, die mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs sind.
Ein zwei Kilometer langer Schulweg sei den Kindern zumutbar
Schulkinder, die nicht mehr als zwei Kilometer von der Schule entfernt wohnen, dürfen aber laut einer Regelung des Landes Oberösterreich den vom Land OÖ zur Verfügung gestellten Schulbus gar nicht benutzen und die Stadtgemeinde selbst stellt keinen zur Verfügung. Ein zwei Kilometer langer Schulweg sei den Volksschülern zumutbar, heißt es. Da die Stadt aber in jede Richtung einen Durchmesser von nicht ganz zwei Kilometern Luftlinie misst, sind fast alle Volksschüler von dieser Regelung betroffen. Daraus resultierte, dass Bachleitners Tochter täglich morgens und mittags zu Fuß den Schulweg gehen musste und die schwierige Verkehrssituation vor beziehungsweise in der Umgebung der Volksschule aufgrund der vielen „Elterntaxis“ in Kombination mit der ohnehin schwierigen Verkehrssituation in Mattighofen alleine bewältigen musste. Vor allem in den dunklen Wintermonaten ist der Schulweg zu gefährlich, weshalb Bachleitner ihre Tochter nur mehr mittags zu Fuß nach Hause gehen ließ. Daran wollte sie etwas ändern.
Seit Herbst 2021 in Arbeit
Deshalb kam Bachleitner die Idee, eine Fahrgemeinschaft mit den Eltern der Nachbarskinder zu gründen: „In unserer unmittelbaren Nachbarschaft leben fünf Familien mit in Summe sieben Kindern, die die Volksschule oder den angrenzenden Kindergarten besuchen. Unser Ziel, Fahrgemeinschaften mit den Eltern zu organisieren, scheiterte an den Arbeitszeiten der Eltern und an den für den Transport der Kinder notwendigen Kindersitzen“, sagt Bachleitner. „So kam mir dann die Idee, in der Nachbarschaft eine Geh-Gemeinschaft zu initiieren – sprich: Die Kinder der Nachbarschaft gehen morgens gemeinsam als Gruppe in Begleitung eines Erwachsenen zu Fuß zur Schule. Bei meiner Recherche entdeckte ich: Diese Idee gibt es schon und nennt sich Pedibus.“ Im Herbst 2021 brachte Bachleitner diese Idee als Ersatz-Gemeinderatsmitglied der Fraktion Bfm, Bewegung für Mattighofen, ein und erhielt sofort regen Zuspruch. Seit Anfang 2022 arbeitet sie nun mit einem fünfköpfigen Organisationsteam an der Umsetzung. Auch von Volksschuldirektorin Sandra Auer, Bürgermeister Daniel Lang (ÖVP) und dem Bildungsausschuss kamen zahlreiche positive Rückmeldungen, wodurch der Pedibus nun zum Schulstart als Gemeindeprojekt ins Leben gerufen werden kann.
Die Vorzüge des Pedibusses
Die Vorteile des Pedibusses sind, dass die Kinder selbständiger und sicherer im Verkehrsgeschehen werden. Zudem bewegen sie sich an der frischen Luft, dadurch gibt es auch weniger „Elterntaxis“ in der Umgebung der Volksschule. Auch die Umwelt wird geschont und der Verkehr in der Stadtgemeinde entlastet.
Fahrpläne und Haltestellen
Der Pedibus bewegt sich auf den vier Linien Nord, Ost, Süd und West. Die Fahrpläne mit den Haltestellen und den Los-Geh-Zeiten findet man unter pedibusmattighofen.wordpress.com. „Was uns stolz macht: Aufgrund der Nachfrage und der Anzahl an freiwilligen Begleitpersonen können wir bereits von Beginn an alle vier geplanten Linien betreiben. Eine Linie wurde auf Wunsch von Eltern sogar um eine weitere Station verlängert“, betont die Koordinatorin. Die Umsetzung erfolgt in zwei Phasen: Phase 1 ist von Freitag, 16. September bis Freitag, 14. Oktober, wo der Pedibus morgens und mittags angeboten wird. Wenn nach dieser Phase noch genügend Begleitpersonen mitmachen, folgt ab Montag, 17. Oktober, Phase 2 in den dunklen Wintermonaten, wo die Kinder morgens auf den gewohnten Routen bis zu den Schullotsen begleitet werden.
Freiwillige Begleitpersonen
Mit Schulbeginn sind 16 freiwillige Begleitpersonen ehrenamtlich beim Pedibus tätig. Sie teilen sich die insgesamt 40 Begleitdienste pro Woche, die in den ersten vier Betriebswochen anfallen, untereinander auf. Vor allem für die Begleitdienste mittags ist unbedingt noch Bedarf an weiteren Ehrenamtlichen gegeben. Je mehr sich an dem Projekt beteiligen, desto leichter können die Begleitdienste untereinander aufgeteilt werden und umso geringer ist der Aufwand für jede Begleitperson. Daher ruft die Pedibus-Koordinatorin auch Eltern, Großeltern oder sonstige Freiwillige dazu auf, sich unbedingt für diese ehrenamtliche Tätigkeit bereit zu erklären. Denn so kann auch für die Zukunft und die geplante Phase 2 ein reibungsloser Ablauf garantiert werden.


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