Abenteuer und Entwicklungszusammenarbeit - Mit dem Segelboot rund um Afrika
HELPFAU-UTTENDORF. Mit seinem kleinen Segelboot umrundete der Uttendorfer Michael Puttinger den Kontinent Afrika. Während seiner Reise sammelte der Elektrotechniker, der sich vor allem mit erneuerbaren Energien beschäftigt, zahlreiche Erfahrungen - sowohl beruflich als auch privat.

Im Jahr 2019 kaufte sich der Uttendorfer Michael Puttinger ein elf Meter langes Segelboot, die „Webik“. Der 32-Jährige machte das gebrauchte Schiff hochseetauglich und brach vom kroatischen Pula aus auf Richtung Afrika. Sein Ziel: den Kontinent zu umrunden und dabei neue Erkenntnisse im Bereich erneuerbare Energien zu gewinnen.
Der Absolvent der HTL Braunau interessierte sich schon früh für dieses zukunftsträchtige Thema und führte bereits während seines Studiums der Elektrotechnik in Graz verschiedene Projekte in Afrika, vor allem in Ägypten, durch. Durch seine beruflichen Erfahrungen in Nordafrika entstand schließlich auch die Idee, für sein Segelabenteuer.
Als Kitesurfer und Segler, aber auch als Techniker im Bereich der Windenergie, ist der Wahl-Grazer mit dem Element Wind ohnehin bestens vertraut. „Die Idee von Segeln ist uralt aber funktioniert noch immer gleich, bei Windmühlen und Windräder ist es ähnlich. Der eigentliche Nutzen und Vorteil darin, zum Beispiel emissionsfreier Transport oder erneuerbare Energieerzeugung, ist aber aktueller denn je“, erklärt er seine Leidenschaft.
Zahlreiche Begegnungen
Seine Reise bewältige er alleine oder etappenweise auch in Begleitung. Die Reihe an Erfahrungen, die er dabei sammeln konnte, ist natürlich lang. Vor allem die Begegnungen seien es, die ihm ewig Freude machen werden, erklärt er: „In Djibouti zum Beispiel besuchten uns Walhaie am einsamen Ankerplatz, in Mozambique lernte ich eine Einfachheit, aber auch Dankbarkeit von Menschen kennen, die mir bis dahin noch unbekannt war.“ Auch das Ankommen nach langen Seeetappen sei immer wieder ein Erlebnis gewesen: „Es ist einfach unbeschreiblich, wenn nach 23 Tage allein im unendlichen Blau plötzlich wieder Land in Sicht kommt.“ Auch Corona war für ihn eine Herausforderung, brachte aber immer wieder neue Möglichkeiten und Einsätze hervor. „Dass ich dann an den schönsten Orten zum Arbeiten anstatt auf Urlaub bin, ist eine Gewöhnungssache, derer man sich besonders in Zeiten von Quarantäne und Homeoffice leicht hingeben kann“, sagt Puttinger.
Abenteuer und Beruf
Puttinger selbst sieht sich übrigens weder als Aussteiger noch als Weltumsegler. Sein Abenteuer sei eher eine „Fortsetzung des Ausbildungswegs als auch Weiterführung und Schärfung der beruflichen Laufbahn“. Dieses sei von beruflichen und teils ehrenamtlichen Projekten, es waren insgesamt 13, geprägt und bereichert worden. So arbeitete er etwa bei einer schwimmenden Photovoltaik-Insel auf den Malediven mit. „Gute, nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit ist nicht einfach und ist von sehr vielen Faktoren abhängig. Es braucht neben einem wirtschaftlichen, ökologischen oder gesellschaftlichen Nutzen den Willen der lokalen Gemeinschaft, viel Hintergrund- und Insiderwissen und jede Menge gegenseitiger, vertrauensvoller Beziehungen. Diese Bausteine haben bei jedem Projekt und an jedem Ort verschiedene Formen und ein sicheres Erfolgsrezept, wie sie vermengt werden sollen, gibt es leider nicht. So stolperte ich auch mehr oder weniger in manche Projekte hinein, denen nur der letzte Funke fehlte zur Umsetzung. Ein Solar- Ausbildungsprojekt in Mosambik sowie die Elektrifizierung einer kleinen Dorfgemeinschaft in Gambia konnten so umgesetzt werden und sind dabei auch zu persönlichen Anliegen und Souvenirs geworden“, erklärt er Puttinger seine Motivation.
Dass er den Beruf mit einpacke, anstatt ihn an den Nagel zu hängen, sei für ihn beim Wegfahren schon klar gewesen, auch wenn er selbst nicht geglaubt hätte, dass er einmal beruflich einen Ozean überqueren würde, um erneuerbare Energieanlagen vom Segelboot aus zu warten und zu verbessern oder er am Segelboot neuestes satellitengestütztes Messequipment zur besseren Bestimmung von erneuerbaren Energiepotentialen an abgelegensten Inseln einsetze. „Das alles hat mich persönlich, aber auch beruflich, ein ganzes Stück weiter wandern lassen.“
Landverbundenere Zukunft
Am Freitag beendete er am Hafen Pula, dort wo alles begann, sein Abenteuer. Und wie geht es jetzt weiter? „Nach der Zeit mit schwimmendem Lebensmittelpunkt freue ich mich eigentlich schon wieder auf einen etwas weniger schaukeligen Schreibtisch und Arbeitsplatz. Beruflich bin ich aber nach wie vor für Projekte mit erneuerbare Energie, Schwerpunkt in und um Afrika, im Einsatz. Und auch wenn die kürzlich erfolgreiche Verlobung unter Wasser stattfand, wünschen meine Partnerin und ich uns eine vorerst eher landverbundenere Zukunft“, scherzt Puttinger.


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