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BRAUNAU. Mit ihrem Workshop „Verschnaufpausen im (Arbeits-)Alltag“ und Einzelberatungen wollen die beiden Betriebsseelsorger Susanne Lew und Karl-Heinz Hellinger Menschen, die überlastet sind, unterstützen. Sie sind davon überzeugt: Die Sensibilisierung zum Thema Burnout ist gerade jetzt wichtig.

Karl-Heinz Hellinger (Foto: Privat)
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Zuerst Coronakrise, jetzt Teuerungen und Ukrainekonflikt. Vielen Menschen raubt die aktuelle Situation Kraft. Dem wollen die Betriebsseelsorger Susanne Lew und Karl-Heinz Hellinger vom Treffpunkt mensch & arbeit Braunau entgegenwirken.

Einen signifikanten Anstieg an Überlastungen und Burnout angesichts der aktuellen Krisen sehen die beiden noch nicht. Die Fälle könnten aber mit der Zeit steigen. „Überlastung ist ein anhaltendes Thema“, sagt Hellinger. „In der Wirtschaft ist ein großer Druck. Viele Betriebe suchen Personal. Die vorhandene Arbeit muss von den bereits angestellten Arbeitern übernommen werden. Die Grundtendenz der Überforderung gibt es aber schon lange. Im Grunde ist es ein Menschheitsthema.“

„Die Belastungen im Zuge von Corona, Teuerungen und Co. bewirken, dass für Menschen, die vorher schon zu viele Herausforderungen hatten, das Fass nun übergeht. Diese Auswirkung sehen wir aber zeitverzögert“, berichtet Lew. „Die Menschen werden immer weniger belastbar. Sie schieben die Tatsache, dass es zu viel ist, von sich weg und verdrängen Signale des Körpers und der Psyche. Fehlende Wertschätzung verschärft die Situation. Und dann kommt der Moment, an dem es zu viel ist. Daher ist es wichtig, eine Sensibilität und ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, wann es notwendig ist, sich Hilfe zu holen.“

Schlaf- und kraftlos

Zeichen für eine Überforderung gibt es viele. „Der Schlaf ist oft beeinträchtigt. Man stellt gewisse Dinge zurück, die einem eigentlich wichtig sind. So geht es los“, sagt Lew. Körperliche Beschwerden können auftauchen, wie vermehrtes Kopfweh. „Es dreht sich alles nur noch darum: Wie schaffe ich es? Das Leben verengt sich auf eine Säule: die Arbeit. Betroffene treffen sich in ihrer wenigen Freizeit nicht mehr mit anderen, sind völlig erschöpft und können sich nicht mehr freuen“, erklärt Hellinger. Burnout könne auch in eine Depression und Entfremdung vom eigenen Körper münden.

„Symptome wie Tinnitus oder kreisrunder Haarausfall zeigen: So kann es nicht weitergehen. Es gibt den Spruch: Burnout ist nicht das Problem, sondern die Lösung“, erklärt der Experte. „Es geht nicht darum: Was kann man gegen ein Burnout tun, sondern: Was kann man für sich tun? Und wenn man daran arbeitet, wird es auch wieder – das ist auch wichtig zu betonen.“

Laut dem Betriebsseelsorger liegen die Gründe eines Burnouts oft in Mustern. „Beispielsweise, wenn Leute es jedem recht machen wollen und nicht ,Neinsagen können. Betroffene können Gedanken haben wie: Ich genüge nicht. Oft liegt die Wurzel dazu in der Kindheit.“ Auch das Thema Selbstoptimierung spiele eine Rolle. „Wir sind Menschen und keine Maschinen und somit fehlbar. Das darf auch so sein. Wenn man das anerkennen kann, dann ist schon viel geschafft.“

Gemeinsam verschnaufen

Bei ihrer achtteiligen Workshopreihe laden Lew und Hellinger Betroffene zum gemeinsamen Reflektieren und Verschnaufen ein. Im Fokus stehen die eigenen Bedürfnisse und Kraftquellen. Die einzelnen Treffen bauen aufeinander auf. Da bei dem Angebot die Gruppe eine wichtige Rolle spielt, ist die Reihe ein Gesamtpaket. „Wir wollen zeigen: Man ist nicht alleine“, betont Hellinger. Außerdem sei es bei der Erholung bei einem Burnout wichtig, dranzubleiben. „Es braucht Zeit.“

Gestartet wurde mit dem Angebot bereits vor zwölf Jahren. In der damaligen wirtschaftlichen Krisenzeit wollten die Betriebsseelsorger für Arbeitnehmer ein Unterstützungsangebot kreieren. Dieses wurde dann auch sehr gut angenommen. „Wir haben das Gefühl, dass das Angebot Gutes bewirkt“, berichtet der Therapeut. Zusätzlich zu dem Workshop gibt es auch die Möglichkeit, in einem Einzelsetting von den Betriebsseelsorgern begleitet zu werden.

Perspektive gewinnen

Die 90 Minuten dauernden und vertraulichen Workshops sollen kein Ersatz für eine Therapie sein, sondern Werkzeug zur Unterstützung mitgeben und dabei helfen, Zugang zu Ressourcen zu gewinnen. Bei den einzelnen Terminen kommen verschiedenste Herangehensweisen zum Einsatz. Pro Treffen wird ein bestimmtes Thema behandelt. Beim ersten Termin geht es beispielsweise um das Ankommen, Abladen und Verschnaufen – und um die Frage: Mit welchem Gepäck reist man durch das Leben? Beim zweiten Treffen stellt sich die Frage: Welche Weichen muss ich stellen? Dann heißt es: Sich aufmachen.

Bei den weiteren Treffen stehen etwa eine Nachtwanderung, ein gemeinsames Essen und Erzählen und die Frage nach Kraftquellen oder Stolpersteinen auf dem Programm. Beim letzten gemeinsamen Treffen werden Perspektiven für ein Leben in Fülle erarbeitet. Die Workshops starten am 17. November um 19 Uhr. Eine Anmeldung ist telefonisch und per Mail möglich.

Treffpunkt mensch & arbeit Braunau

Anmeldung und Einzelbegleitung:

07722 65632

mensch-arbeit.braunau@dioezese-linz.at


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