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INNVIERTEL/ERING. Wer denkt, im Winter gibt es am Inn wenig zu sehen, irrt sich. Aufmerksame Besucher können in der kalten Jahreszeit in den Innauen nicht nur gefiederte Wintergäste entdecken, sondern auch Besonderheiten wie das „Haareis“ oder die Balzflüge der Seeadler.

Im Winter sind unter anderem Graugänse am Inn zu Gast. (Foto: Isolde Ulbig)
  1 / 3   Im Winter sind unter anderem Graugänse am Inn zu Gast. (Foto: Isolde Ulbig)

Wenn das Wetter kälter wird, rüsten sich die Tiere mit verschiedensten Strategien gegen die Minusgrade. Für die Zugvögel heißt es: ab in den Süden. Fische ziehen sich in die tieferen Gewässerbereiche zurück. Manche Tiere bekommen ein flauschiges Winterfell, wie das Hermelin, das auch noch seine Farbe wechselt. Andere suchen sich ein lauschiges Plätzchen, um Winterschlaf oder Winterruhe zu halten. Auf eine Besonderheit kann der Zitronenfalter zurückgreifen: Er hat ein Frostschutzmittel, das ihm die Überwinterung in unseren Breiten ermöglicht.

Bei den Wasservögeln ändert sich die Artenzusammensetzung. Wenn der Winter naht, halten die Wintergäste Einzug. Das sind beispielsweise die Vogelarten Spießente, Schellente, Kormoran und Silberreiher. Die Spießenten, erkennbar durch ihre wie ein Spieß abstehenden Schwanzfedern, reisen aus den nördlichen Steppen-Gebieten zu uns. Kormorane können im Gegensatz zum Sommer im Winter das klarere Wasser des Inns nutzen, um ihrer Beute unter Wasser nachzujagen. „Um dabei nicht wie Korken an die Wasseroberfläche zu ploppen, saugt sich das schwarze Gefieder des Vogels mit Wasser voll. Deshalb sieht man die Kormorane oft mit ausgebreiteten Flügeln zum Trocknen auf den Bäumen sitzen“, erzählt Andrea Bruckmeier, Gebietsbetreuerin für den Unteren Inn.

Der Silberreiher reist aus Osteuropa an. Der weiße Vogel braucht störungsfreie Flachgewässer, in denen er im Wasser watend auf seine Beute Jagd macht. Im Winter kann man die Vogelart in größeren Gruppen beobachten. Dabei gehen die Reiher auch teilweise auf Feldern auf Mäusejagd.

Im Winter halten sich im Europareservat außerdem viele Entenarten auf. Die Männchen tragen jetzt ihr Prachtkleid und sind vielfältig gefärbt. Gut zu beobachten sind sie beim Stausee Ering. „Hier versammeln sich nicht selten bis zu zehn verschiedene Enten-Arten“, verrät Bruckmeier. Neben Spieß- und Schellenten sind dort etwa auch Krick- oder Brandenten zu sehen.

Besondere Balz

Sehr eindrucksvoll zu beobachten ist das Balzverhalten der Schellente. Die Vogelart brütet im hohen Norden und kommt zum Inn, um hier zu balzen. Vor allem die Männchen erkennt man an ihrem eleganten schwarz-weißen Gefieder. Ihre weißen Backen und gelben Augen machen sie unverwechselbar. Die Balz erfolgt durch Kopfnicken und -schütteln.

Eine weitere besondere Balz findet am Ende des Winters statt. Mit etwas Glück können die Seeadler bei ihren Balzflügen beobachtet werden.

Haareis

Bei einem Spaziergang in den Inn-Wäldern lohnt es sich auch, nach dem Naturphänomen „Haareis“ Ausschau zu halten. Dabei handelt es sich um Totholz, das so aussieht, als ob es einen Bart hätte. Während man auf den ersten Blick meinen könnte, der Bart sei der Fruchtkörper eines Pilzes, sieht man bei genauerer Betrachtung: Es ist eine Art Wolle aus feinstem Eis. Dieses Phänomen ist sehr selten und kommt nur unter bestimmten Bedingungen zustande. In den Auwäldern am Unteren Inn ist das Haareis aber fast jeden Winter zu finden. „Diesen Winter gab es schon den ein oder anderen Morgen mit geeigneten Bedingungen“, berichtet die Expertin.

Auch weitere Vorteile hat der Winter für Naturbeobachter: Durch das fehlende Laub bietet sich im Auwald ein freier Blick in die Baumkronen. Dadurch können etwa Spechte besser beobachtet werden. Bei Raureif bieten die Blütenstände verschiedener Pflanzen eine Fülle an bizarren Formen. Liegt Schnee, kann man sich auf Fährtensuche begeben und dem tierischen Treiben der vergangenen Nacht auf den Grund gehen.

Bei den Naturbeobachtungen sollte man allerdings vorsichtig sein und keine Tiere stören. Denn besonders im Winter kann jeder unnötige Energie-Verbrauch für Tiere lebensbedrohlich werden. „Deshalb sollte man bei Aufenthalten in der Natur unbedingt Abstand zu den beobachteten Tieren halten, sich ruhig verhalten und Hunde unbedingt anleinen. Lieber ein Fernglas mitnehmen“, rät Bruckmeier.

Winter-Führungen

Wer die Natur am Inn mit einem Experten entdecken möchte, kann das beispielsweise bei den Sonntagsführungen im Naturium machen. Ab Februar erzählt die Biologin Beate Brunninger mehr über den Winter im Europareservat. Termine sind jeden Sonntag um 10 Uhr, Treffpunkt ist beim Naturium in Ering. Um eine vorherige Anmeldung unter +49 85731360 oder naturium@rottal-inn.de wird gebeten. Weitere Winterführungen und -veranstaltungen werden unter www.naturium-am-inn.eu bekanntgegeben.


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