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BRAUNAU. Der Medikamentenmangel ist auch in Braunau akut. Tagtäglich sind die Apotheken damit konfrontiert. Mehrere Stunden pro Tag verbringen Apotheker damit, Austauschpräparate zu suchen.

Astrid Kaulbach ist die Apothekenleiterin des Krankenhauses Braunau. (Foto: Krankenhaus Braunau)
Astrid Kaulbach ist die Apothekenleiterin des Krankenhauses Braunau. (Foto: Krankenhaus Braunau)

Der Medikamentenmangel ist kein neues Problem. „Mit ‚Medikamentenengpässen‘ habe ich seit 2014 im Krankenhaus zu tun“, berichtet Astrid Kaulbach, die Apothekenleiterin des Krankenhauses Braunau. Während die Engpässe anfangs nur sporadisch waren, erhalten die Ärzte seit 2016 von den Krankenhausapothekern in circa zweiwöchigem Abstand Lieferausfallmeldungen. Inzwischen können Patienten in der öffentlichen Apotheke immer öfter ihre gewohnten Arzneimittel nicht mehr erhalten.

Auch in anderen Braunauer Apotheken fehlen die Medikamente. „Wir müssen bei jedem zweiten oder dritten Kunden schaun, dass wir alternative Medikamente finden“, sagt Susanne Diemath-Hopfer, die Leiterin der Löwen Apotheke in Braunau. Ihre bayerischen Kollegen berichten ebenfalls von fehlenden Medikamenten. „Es ist ein europaweites Problem.“

Antibiotika und Schmerzmittel fehlen

In Braunau fehlen derzeit vor allem bestimmte Antibiotika für die intravenöse Anwendung, stark wirksame Schmerzmittel, Mittel zu Blutstillung oder Kinderarzneimittel gegen Erbrechen. Zur Grippe-Hochsaison waren auch Halsschmerztabletten, abschwellende Nasentropfen und -sprays sowie hustenschleimlösende Mittel Mangelware. Fiebersenkende Mittel sind ebenfalls rar. Dass die Patienten dennoch in den meisten Fällen keinen großen Nachteil haben, liegt daran, dass die Apotheken fleißig damit beschäftigt sind, nach Alternativen zu suchen. „Wir kaufen andere Präparate mit dem gleichen Wirkstoff, besorgen andere Packungsgrößen, importieren Alternativen weltweit und haben unser eigenes Lager in den letzten Jahren weit über die gesetzlich vorgeschriebenen 14 Tage erhöht“, erklärt Kaulbach. Außerdem werden Präparate wieder vermehrt selbst hergestellt.

Die Mitarbeiter der Löwen Apotheke sind täglich zwei bis drei Stunden damit beschäftigt, alternative Medikamente und Wirkstoffe zu finden. „Über 500 Präparate sind nicht lieferbar“, berichtet Diemath-Hopfer.

Notfalllisten erstellt

Ärzte entwickeln Konzepte für eine Umstellung. Auch Notfalllisten werden erstellt. „Beispielsweise, welches Alternativ-Cortison gegeben werden kann. Aufgrund der guten Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern konnten wir bisher immer eine Lösung finden“, so Kaulbach.

Problematisch für die Apotheken ist vor allem die Schnelllebigkeit: „Kaum haben wir eine Alternative entwickelt, ist das eigentliche Arzneimittel doch wieder lieferbar.“ Das verlangt ständiges Umdenken und Umändern.

Auslagerung der Produktion

Die Ursachen der fehlenden Medikamente liegen laut der Apothekenleiterin unter anderem in einer sukzessiven Auslagerung der Produktion von Wirkstoffen und fertigen Arzneimitteln aus Kostengründen nach China und Indien. „Dazu kommt eine sich rasant ändernde Welt.“

So gebe es in Deutschland zwar einen Hersteller von Actilyse zur Behandlung von Schlaganfällen, der Europa viele Jahre lang versorgte. „Dass er jetzt den ‚weltweiten‘ Bedarf, wie die Firma schreibt, nicht mehr decken kann, liegt daran, dass der inzwischen zahlungskräftige weltweite Markt diese Arzneimittel aus Europa möchte und selbst noch keine Produktion aufgebaut hat. Mit anderen Worten, die Märkte sind weltweit so voneinander abhängig, dass kleinste Änderungen, zum Beispiel eine Ausfuhrbeschränkung aus China, Folgen bis nach Europa haben.“

Kaulbach denkt nicht, dass sich die Situation bald verbessert: „Eher glaube ich, dass dieser Zustand bleibt, da sich an den Ursachen nichts ändert.“ Auch Diemath-Hopfer ist wenig zuversichtlich. „Es lässt sich schwer voraussagen. Ich hoffe aber, dass es besser wird.“

Europäische Regelung gewünscht

Für eine verbesserte Situation müsste laut den Apothekenleiterinnen die Grundversorgung mit Arzneimitteln national und europäisch geregelt werden – beispielsweise mit nationalen Arzneimittellagern. „Die Politik muss die Rahmenbedingungen schaffen, die Pharmafirmen in die Pflicht zu nehmen, ihren Versorgungsauftrag zu erfüllen“, so Kaulbach. Politisch werde auch diskutiert, die Produktion von Wirkstoffen nach Europa zu verlagern.

„Ich wünsche mir, dass die Pharmafirmen sich wieder als Hersteller von ethisch wertvollem Gemeingut verstehen würden, so wie es ihre Firmengründer taten. Und nicht als Beschaffer eines hohen Aktienkurses“, sagt Kaulbach. Dennoch betont sie: „Trotz dieser Mangellage haben wir in Österreich die beste Gesundheitsversorgung, die man sich nur wünschen kann. Wir konnten noch nie in der Menschheitsgeschichte so gut Patienten behandeln.“

Medikamente vorrätig halten

Kaulbach rät Patienten, ihre Dauermedikamente für mindestens sechs bis acht Wochen vorrätig zu halten. Außerdem sollten sie sich rechtzeitig ein neues Rezept besorgen, um den öffentlichen Apotheken etwas Zeit zu verschaffen. „Familien mit kleinen Kindern rate ich, einen unangebrochenen Fiebersaft, Elektrolytpulver zur Behandlung von Durchfallerkrankungen und Erkältungsmittel wie Nasenspray und einen schleimlösenden Saft bereit zu halten.“


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