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Bis zu 15 Prozent vermeidbare Lebensmittelabfälle landen im Bezirk Braunau im Restabfall

Theresa Senzenberger, 10.10.2023 08:00

BEZIRK BRAUNAU. Mit Oktober startet die Meldepflicht weggeworfener Lebensmittel im Einzelhandel. Denn fast eine Million Tonnen Lebensmittel landen in Österreich jährlich im Müll. Die Hälfte davon wird in privaten Haushalten weggeworfen. Noch immer sind in Restabfalltonnen bis zu 15 Prozent vermeidbare Lebensmittelabfälle zu finden, berichtet Petra Höllbacher vom Bezirksabfallverband (BAV) Braunau.

Die Restmüllanlanyse zeigt: Oft werden Großpackungen weggeworfen. (Foto: Petra Höllbacher)
Die Restmüllanlanyse zeigt: Oft werden Großpackungen weggeworfen. (Foto: Petra Höllbacher)

„Geht man bei einem Mehrparteienhaus von einem durchschnittlichen Restabfallvolumen von rund 20 Litern pro Bewohner und Woche aus, dann kommen im Jahr etwa 1.000 Liter an Lebensmittelabfällen zusammen“, sagt die Umweltberaterin. „Da kommt es schon mal vor, dass ein originalverpacktes Leberkässemmerl, ein halbes Kilo Schnittkäse oder ein halbvolles Toastbrotpackerl im Mistkübel auftauchen.“

Dass sich die Situation verbessert, beispielsweise wegen der höheren Lebensmittelpreise, kann der Bezirksabfallverband, was die weggeworfenen Mengen betrifft, derzeit nicht sagen. „Untersuchungen dazu haben wir keine“, so Höllbacher.

In Mehrparteienhäusern wird laut der Abfallberaterin weniger getrennt als in Einfamilienhäusern. Während in Mehrparteienhäusern statistisch gesehen jede Person pro Woche 15 bis 25 Liter Restabfall entsorgt, sind es in Einfamilienhäusern laut BAV im gleichen Zeitraum nur zehn Liter.

Mangelnde Mülltrennung

„Das Problem ist hier die Trennung von Abfällen. Dass mal Lebensmittel schlecht werden, verdorben sind und damit ungenießbar sind, passiert. Dann wäre es aber wichtig, dass die Lebensmittel ausgepackt werden und im Biomüll landen – ohne Verpackung“, erklärt Höllbacher. „Verpackte Lebensmittel im Biomüll kommen leider auch sehr häufig vor und sind ein großes Problem für die Kompostierer.“ Bei Restmüllanalysen war auffällig, dass häufig Großpackungen, die verdorben sind, im Abfall landen.

Die teils mangelnde Trennmoral in Mehrparteienhäusern zieht sich der Beraterin zufolge durch alle Abfallfraktionen: „In Restmüllcontainern finden wir Altpapier, Kunststoff und Grünschnitt. Für all diese Fraktionen würden Sammelbehältnisse zur Verfügung stehen.“

Das muss unbedingt in den Müll

Unbedingt in den Müll müssen verdorbene und schimmlige Lebensmittel. „Dann aber bitte in den Biomüll“, betont Höllbacher. Fleisch und Knochen hingegen dürfen nur in geringen Mengen in den Bioabfall. Große Mengen können in der Tierkörperverwertung entsorgt werden. Entsprechende Behälter findet man in fast jedem Altstoffsammelzentrum im Bezirk Braunau. Aber: „Ein Joghurt, dessen Mindesthaltbarkeit überschritten ist, ist nicht gleich tödlich“, schmunzelt Höllbacher. „Hör auf deine Sinne – ganz nach dem Motto: ‚schaut guat aus, riecht guat, schmeckt guat, is nu guat.“

Um die vielen vermeidbaren Abfälle zu verringern, setzt der BAV Braunau unter anderem auf aktive Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit. Informiert wird auch direkt vor Ort, beispielsweise in Wohnhausanlagen. „Wir gehen aktiv in die Schulen im Bezirk und sprechen mit den Kids über Lebensmittelverschwendung und Mindesthaltbarkeit. In Wohnhausanlagen gibt es immer wieder Projekte, in denen wir über die korrekte Abfalltrennung aufklären und hier auch speziell auf die Lebensmittel im Abfall eingehen“, erzählt Höllbacher. „Zusätzlich sind wir in den Sozialen Medien sehr aktiv und posten hier regelmäßig zu diesen Themen.“

Meldepflicht für Unternehmen

Auch Unternehmen setzen teilweise Schritte gegen die vielen weggeworfenen Lebensmittel. Bei der Initiative „Lebensmittel sind kostbar“, einer freiwilligen Vereinbarung zwischen Supermärkten und dem Klimaschutzministerium, werden Lebensmittel an soziale Organisationen wie die Tafeln weitergegeben. In Österreich werden damit rund 20.000 Tonnen Lebensmittel vor der Tonne gerettet. Dennoch gehen Schätzungen von 70.834 Tonnen an vermeidbaren Lebensmittelabfällen vom Handel aus. Deswegen startet jetzt die Meldepflicht. Unternehmen im Lebensmitteleinzelhandel müssen nun sowohl die Menge an Lebensmitteln, die kostenlos an soziale Einrichtungen weitergegeben wird, als auch jene, die als Abfall entsorgt wird, melden.

Lebensmittel retten

Wer selbst Lebensmittel retten möchte, kann beispielsweise die App „Too Good To Go“ verwenden. Überschüssige Lebensmittel werden hier von Läden und Restaurants in Überraschungssackerln zu vergünstigten Preisen angeboten. Laut dem BAV machen immer mehr Betriebe mit.

„Is nu guat“

Rezepte fürs Restlkochen sowie Tipps für Einkauf, Lagerung und zur Entsorgung gibt es zudem unter isnuguat.at. Ziel der Kampagne „Is nu guat“ ist es, Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Im Fokus steht die Entsorgung von Lebensmitteln, die wegen einer Fehlinterpretation des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) unnötigerweise weggeworfen werden. Denn auch wenn dieses überschritten ist, bedeutet es nicht, dass Lebensmittel tatsächlich ungenießbar sind. „Oftmals sind die Produkte, deren Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist, noch völlig in Ordnung“, betont Höllbacher.

Infos und Tipps zum Thema Lebensmittelverschwendung und Abfalltrennung gibt es auf:umweltprofis.at/braunau

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