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BEZIRK BRAUNAU. Gemeinschaft, Zusammenhalt und Gutes tun: Das waren Gründe für die Quereinsteiger Hassan Mohammad Samir sowie Simone und Thomas Himmler, zur Feuerwehr zu gehen. Seither setzten sie sich mit großem Engagement für die Menschen im Bezirk Braunau ein.

Hassan Mohammad Samir ist unter anderem Atemschutzträger. (Foto: FF Braunau)
  1 / 4   Hassan Mohammad Samir ist unter anderem Atemschutzträger. (Foto: FF Braunau)

Ob in luftigen Höhen oder mit einem schweren Atemschutz: Hassan ist bei fast allen Einsätzen in Braunau dabei. Der 30-jährige Schweißer kommt aus Palästina, lebt seit 2015 in Österreich und seit zwei Jahren in Braunau.

Ein Alarmpager eines Kollegen machte ihn auf die Feuerwehr aufmerksam. Sein Interesse wurde geweckt, er informierte sich im Internet über die nächste Feuerwehr, nahm Kontakt auf und war gleich bei einer Übung dabei. „Ich wurde vom Land unterstützt – und wollte etwas zurückgeben.“

Zwar war der Anfang vor allem wegen der Sprachbarriere nicht ganz leicht. Diese ist aber inzwischen überwunden und Hassan kann sich problemlos mit seinen Kameraden verständigen. „Jeder Anfang ist schwer und ich bin froh, dass ich den Schritt gemacht habe.“

Viele Ausbildungen

Wie sehr er sich für die Feuerwehr einsetzt, zeigen seine vielen Ausbildungen. Obwohl er erst seit eineinhalb Jahre dabei ist, machte er schon fünf Ausbildungen und ist beispielsweise nicht nur Atemschutzträger, sondern auch Höhenretter. In dieser Spezialeinheit, die sehr viel Mut erfordert, sind im ganzen Bezirk aktuell nur rund zehn Feuerwehrleute.

Hassan wohnt in einer der sieben Dienstwohnungen der Braunauer Feuerwehr und gehört somit zu den Kameraden an vorderster Front. Eine Besonderheit der Organisation für ihn: „Wenn ein Einsatz ist, ist es egal, ob man Araber, Österreicher oder Türke ist – es wird nie gefragt, woher jemand kommt oder welche Hautfarbe jemand hat. Unser Spruch lautet: Wir gehen zusammen rein und gehen wieder zusammen raus.“

Auf Augenhöhe

Auch Thomas Himmler lobt den Zusammenhalt bei der Feuerwehr: „Es ist egal, welchen Beruf jemand hat. Man ist auf Augenhöhe.“ Himmler zog mit seiner Frau Simone aus Mittelfranken nach Hochburg-Ach. Zuerst ging Sohn Moritz zur Feuerwehr, später traten zuerst Simone, dann Thomas Himmler in die Organisation ein. „Moritz hat immer viel Interessantes berichtet und da ich eher technisch interessiert bin, wollte ich mir das ansehen“, sagt Simone Himmler, die bei Wacker Betriebsleiterin ist.

Die Vielseitigkeit der Feuerwehr sprach sie an. Denn bei der Freiwilligen Feuerwehr (FF) Ach gibt es beispielsweise mit dem Wasserwehrstützpunkt auch einen Katastrophenhilfsdienst.

„In der Grundausbildung gab es zwar viel zu lernen“, sagt Thomas. „Es macht aber Spaß und die Kameradschaft ist ein hohes Gut.“

Das Paar machte ebenfalls Zusatzausbildungen, ist beim Wasserdienst dabei und fährt mit der Zille. „Das mit meiner Frau gemeinsam machen zu können ist super“, so Himmler.

Mit 60 zur Feuerwehr

Quereinsteiger bei der Feuerwehr sind nicht selten. Im Bezirk gibt es circa 6.300 aktive Feuerwehrleute. Rund ein Drittel von ihnen entschied sich erst später für das ehrenamtliche Engagement. Viele Quereinsteiger sind Frauen. „In Braunau gab es letzte Woche beispielsweise fünf Quereinsteiger, davon vier Frauen, die unabhängig voneinander bei der Feuerwehr anfangen wollen“, berichtet Klaus Litzlbauer, der Kommandant der FF Braunau.

Im Schnitt sind Quereinsteiger zwischen 20 und 40 Jahre alt. Es gibt im Bezirk aber auch 60-jährige Quereinsteiger. So entschied sich das Ehepaar Ingrid und Josef Scheipl im 60. Lebensjahr, zur Feuerwehr Friedburg zu gehen. Ein weiterer Spätberufener ist Johann Brudl aus Lochen, der sich nach einem Bauernhofbrand bei der Feuerwehr einsetzen wollte.

So vielfältig wie die Quereinsteiger sind, so vielfältig ist auch das Aufgabenspektrum der Feuerwehr. „Für jeden gibt es eine Aufgabe. Wir schauen, was sind die Stärken, wo fühlen sich die Leute wohl, und versuchen, so den besten Platz für sie zu finden“, betont der Braunauer Kommandant.

Wer an einem Beitritt einer Feuerwehr interessiert ist, kann sich bei seiner örtlichen Feuerwehr melden und sich bei einer Übung einen ersten Eindruck verschaffen. In einem Gespräch werden Fragen beantwortet. Wer sich für die Feuerwehr entscheidet, absolviert dann eine Grundausbildung, die von April bis Oktober dauert. Ein- bis zweimal in der Woche sind die Treffen und Übungen dazu.

Sinnvolle Beschäftigung

Gründe für einen Einstieg bei der Feuerwehr gibt es viele. Manche entscheiden sich nach einem Wohnortwechsel für die Feuerwehr – oder weil sie einen Einsatz im näheren Umfeld miterlebt haben.

„Sehr häufig suchen Quereinsteiger eine sinnvolle Beschäftigung oder Gemeinschaft. Es gibt auch Leute, die technikbegeistert sind und beispielsweise mit einem Lkw fahren wollen“, erklärt Litzlbauer. „Politische Gesinnung oder Religion hat keinen Platz bei der Feuerwehr. Am besten gelingt ein Einstieg, wenn sowohl die Organisation als auch die Person offen ist. Quereinsteiger werden von der Feuerwehr jedenfalls mit offenen Armen aufgenommen.“

Weitere Infos:
br.ooelfv.at

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