Soldatin aus Überackern macht Karriere beim Heer
ÜBERACKERN. Panzer, Waffen und strenge Hierarchien: In dieser Welt befindet sich Julia Huber aus Überackern. Die 28-Jährige ist Soldatin beim Rieder Panzergrenadierbataillon 13.

Als Julia ihrem Umfeld erzählte, dass sie Soldatin werden möchte, waren viele zuerst überrascht. Doch dann hieß es: „Ist eigentlich logisch.“ Zwar arbeitete sie im Büro, in ihrer Freizeit waren aber andere Themen angesagt. „Ich bin bei der Feuerwehr, bin Jägerin und beim Kameradschaftsbund“, erzählt sie.
Nach vier Jahren im Büro war klar: Es muss eine Veränderung her. „Mir ist etwas abgegangen. Das habe ich in meiner Freizeit ausgeglichen. Ich war viel draußen und habe Sport gemacht. Dadurch blieb aber fast keine Zeit mehr für anderes“, erzählt die Soldatin. Auch in der Arbeit viel Zeit draußen und mit Leuten verbringen sowie klare Hierarchien – das waren Julias Wünsche. Sie recherchierte und hatte die Erkenntnis: „Das Bundesheer ist das Richtige.“
Viel Vorbereitung auf die Prüfung
Für die Aufnahmeprüfung musste sie zuerst sportlich noch fitter werden. „Es war mein Ziel, dass ich die Prüfung beim ersten Mal schaffe. Ich bin beim Laufen immer wieder an meine eigenen Grenzen gegangen. Ich habe so viele Liegestützen gemacht, bis ich dorthin gekommen bin, wo ich sein wollte.“ Für die Marschvorbereitung ging Julia viel wandern. „Das ist der Punkt, den ich am meisten unterschätzt habe. Wenn man mit anderen marschiert, ist das etwas ganz anderes.“
Harter Umstieg
In der Ausbildung war der Umstieg vom Büro zum Heer zuerst hart. „Ich wollte aber auch eine 180-Grad-Wendung“, sagt Julia. „Anfangs muss man mit dem Umgangston umgehen lernen.“ Auch bei den Gesprächen unter den Kameraden benötige man manchmal eine dicke Haut. Man könne Differenzen aber mit den anderen klären.
Inzwischen trägt Julia den Titel Wachtmeister, ist Fernmeldeunteroffizier und Kommandantin eines Datenfunktrupps. Zudem beginnt sie eine Ausbildung in der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT). Auch eine Aufnahmeprüfung für die Stabsunteroffiziersausbildung steht an.
Gruppenkommando
Aktuell führt sie das Gruppenkommando bei der Ausbildung von Grundwehrdienern. Dass die jungen Soldaten eine Frau als Vorgesetzte haben, nehmen sie „überraschend gut“ auf. „Ich habe im März 14 Burschen ausgebildet und im Februar mit 14 neuen begonnen. Ich habe den Eindruck, dass sie relativ offen sind. Egal, wer ausbildet, wird gleichbehandelt.“
Am besten gefällt Julia bei ihrer Arbeit: „Die Kombination aus Hierarchie und dem trotzdem familiären Umgang, der in Ried herrscht. Es gibt zudem viel Abwechslung. Es ist kein einziger Tag langweilig.“ Auch die vielen Weiterbildungsmöglichkeiten sind für sie ein Pluspunkt.
Fünf Soldatinnen in Ried
In Ried ist sie eine von fünf Soldatinnen. Sie alle sind ihr zufolge mit vollem Einsatz dabei. „Man kennt es eindeutig, wenn eine Frau nach einem halben Jahr noch topmotiviert ist, dann bleibt sie das auch.“ Zwei weitere Frauen werden bald das Bataillon verstärken.
Auf Fähigkeiten vertrauen
Als Frau könne man beim Heer auf die eigenen Fähigkeiten vertrauen. „Man muss nicht so tun, als wäre man ein Mann. Man darf ruhig seine eigenen Stärken ehrlich einsetzen.“ Alle Karrieremöglichkeiten stehen ihr zufolge auch Frauen offen. Zur Unterstützung gibt es den Frauenförderungsplan.
Anderen Frauen, die auch an einer Karriere beim Heer interessiert sind, empfiehlt sie eine gute körperliche Vorbereitung. „Man muss darauf hinarbeiten und es auch wirklich wollen. Wenn man sich nur eine Sekunde unsicher ist, sinken die Chancen, dass man es auch wirklich aushält und durchsteht.“
Herausfordernder Beruf
Nicht nur körperlich ist der Beruf anstrengend: „Man muss auch im Kopf viel aushalten. Alles ernst und trotzdem locker nehmen, ist meine Devise.“ Das gelte vor allem während der Ausbildung. „Wenn man die ersten zehn Wochen übersteht, dann weiß man, ob man den Rest auch schafft.“ Ein Motivationsgrund ist für sie jedenfalls: „Dass man das Vaterland verteidigt. Man ist als Frau dem nicht verpflichtet. Es trotzdem zu machen, macht einen stolz.“


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