Der Wilde Mann wacht über Eferding
EFERDING. Seit Hunderten von Jahren beschützt er schon die Stadt in der Gemüseregion, der Wilde Mann von Eferding. Nun wurde er zum neuen Testimonial auserkoren.

Eferding, die Stadt mit der reichen Geschichte, hat auch im Bereich der Sagen etwas ganz Besonderes zu bieten: nämlich die Sage vom Wilden Mann. Zur Urlaubszeit haben Bürgermeister Severin Mair und die Tourismusvorsitzende Christa Klinger den Wilden Mann als neues Testimonial der Stadtgemeinde Eferding vorgestellt.
Entstanden ist der Wilde Mann in liebevoller Handarbeit in der Siebdruck-Werkstatt im Institut Hartheim in Alkoven. Seine Schöpferin heißt Sabine Kerbler. „Die Inklusion und Teilhabe von beeinträchtigen Menschen in die Gesellschaft ist für das Institut Hartheim zu einer Lebensaufgabe geworden. Daher ist die Schaffung eines modernen Wilden Mannes ein besonders gelungenes Projekt der Teilhabe und Einbindung von beeinträchtigen Menschen“, ist Direktor Josef Leitner überzeugt.
Stadträtin Christa Klinger, die Initiatorin des Projektes, hält fest, dass dies erst der Beginn der Zusammenarbeit ist. Im Hinblick auf die Landesausstellung 2022 und auf die 800-Jahr-Feier der Stadtgemeinde Eferding in selben Jahr sind einige weitere Projekte und Produkte geplant. Soviel darf schon verraten werden: „Als moderne Stadt legen wir Wert auf Gender Mainstreaming – übersetzt bedeutet das, dass der wilde Mann bald auch eine wilde Frau bekommen soll. Gemeinsam erleben sie die Stadt Eferding von ihrer schönsten Seite!“
Die Sage vom Wilden Mann von Eferding
Vor langer Zeit belagerte umherziehendes Kriegsvolk die Stadt Eferding. Langsam gingen die Lebensmittel in der Stadt zu Ende, die Not wurde von Tag zu Tag größer. Bis die Stadtväter beschlossen, dem Feind die Tore zu öffnen.
In Eferding lebte damals ein Schneider, der wegen seiner Klugheit und vor allem wegen seiner lustigen Späße weitum bekannt war. Dieser trat vor den Stadtrat und sprach: „Wartet noch einen Tag! Ich will versuchen, die Feinde mit List zu verjagen.“ Die Stadtväter waren einverstanden.
Der Schneider ließ lange Stangen und einen Haufen Stroh bringen und fertigte daraus mit seinen Gesellen eine riesige Puppe. Mit Fellen bekleidet erhielt sie ein Furcht erregendes Aussehen. Wie ein ungeheurer Riese lag die Strohpuppe da! Lange, verfilzte Haare hingen wild über die Stirn, und am dem Haupt saßen zwei mächtige Hörner. Beim Schaunbergertrot hat man inzwischen eine Vorrichtung zum Aufziehen der Puppe aufgestellt.
Es dämmerte schon, als man den Wilden Mann zur Stadtmauer brachte. Die ganze Stadt war auf den Beinen, um bei diesem letzten Rettungsversuch dabei zu sein. Mit mitgebrachten Trommeln, Blechkübeln, eisernen Töpfen, Blasinstrumenten und Schlägeln aller Art erzeugte man auf Kommando des Schneiders einen ungeheuren Lärm.
Als nun die Dämmerung die schreckliche Gestalt, der Wilde Mann, über die Stadtmauer gehalten wurde, glaubten die Feinde ihre letzte Stunde habe geschlagen. Hals über Kopf verließen sie ihr Lager und ließen alles zurück, was sie geraubt hatten. Großer Jubel brach aus, als kein Feind mehr zu sehen war. Die ausgehungerte Volksmenge strömte aus den Toren. Endlich konnten sie sich wieder alle satt essen.
Der Wilde Mann selbst trägt heute noch das Wappen der Stadt Eferding in seinen Händen.
...aus „Geschichten aus den Gemeinden Eferdings“ herausgegeben vom Kulturverein Heimatbund Eferding


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