„Es ist eine einmalige Chance, die ich wirklich jedem empfehlen kann“
PRAMBACHKIRCHEN. „Ich wollte nach der Matura immer schon etwas von der Welt sehen und gleichzeitig mit Menschen arbeiten“, erzählt Lena Prohaska. Mit dem Europäischen Freiwilligendienst (EFD) konnte die junge Prambachkirchnerin beide Wünsche in sich vereinen: In Norwegen arbeitete sie elf Monate in einer sogenannten folkehøgskole.

Eine Stunde entfernt von Trondheim, abgeschieden an einem See liegt die Peder Morset folkehøgskole, eine spezielle Schulform, die es nur in Skandinavien gibt. „Folkehøgskolen sind Ein-Jahres-Internatsschulen für Jugendliche, die die Schulpflicht bereits abgeschlossen haben. Ich würde sie in gewisser Weise mit einem Sommerferienlager vergleichen. Es gibt eine Vielzahl verschiedener Kurse, wie Schwimmen, Kunst und Handwerk oder Theater, die es den Schülern ermöglichen, einfach für ein Jahr ihren Interessen nachzugehen, Neues auszuprobieren, ihre Richtung zu finden und Freundschaften zu schließen. Für viele von den Schülern ist es überhaupt das erste Mal, dass sie weg von zuhause sind und in einer eigenen Wohnung leben. Das Motto der Schule lautet „Werde wer du bist“, ich glaube das beschreibt es sehr gut“, erklärt die 26-Jährige.
Das besondere an der Peder Morset folkehøgskole ist, dass 80 Prozent der Schüler körperlich oder geistig beeinträchtigt sind. Lena Prohaska war als Unterstützerin vor Ort. Bei fünf Themenzweigen war sie für die Pferdelinie zuständig. Neben dem Reiten ging es dabei viel um den Umgang mit Tieren. Die Prambachkirchnerin hat aber auch gemeinsam mit den Schülern den wöchentlichen Discoabend geplant, am Wochenende Ganztagesprojekte mit den Lehrern durchgeführt, die Schüler beim Aufräumen angeleitet und geholfen den Zusammenhalt in den Wohngemeinschaften zu fördern. Sie selbst hat mit vier weiteren Freiwilligen aus ganz Europa in einem eigenen Haus gewohnt, alles aber auf einem Campus gelegen.
An die Zeit vor ihrer Abreise nach Norwegen kann sich die Prambachkirchnerin, die mittlerweile den Master in Sozialpädagogik hat, noch gut erinnern: „In einem Katalog kannst du dir europaweite Organisationen heraussuchen, die zu dir passen würden. Ich hatte meine Auswahl schon getroffen, als ein Mail aus Norwegen kam, dass sie dringend jemanden suchen und drei Wochen später war ich auf dem Weg.“ Ihr Vertrauen, dass alles gut klappen würde, wurde belohnt. „Ich kann den Europäischen Freiwilligendienst nur jedem empfehlen. Es ist alles toll organisiert. Man bekommt ein Taschengeld und für Unterkunft, Verpflegung und Versicherung ist gesorgt. Vor Ort hat man eine Ansprechperson, an die man sich wenden kann, man kann aber auch immer die Regionalstelle in Linz kontaktieren, sollte man sich nicht wohl fühlen.“
Leider sei der EFD nur einmal für jeden durchführbar, sonst hätte sie es öfter genutzt. Denn was ihr die Zeit in Norwegen gebracht hat, kann ihr niemand mehr nehmen. „Man verdient zwar kein Geld aber man lernt in dieser Zeit so viel fürs Leben, das kann kein Monatsgehalt aufwiegen. Ich habe zum Beispiel erfahren dürfen, dass Norweger sehr bodenständige, sorgenfreie Menschen sind. Sie haben ein gewisses Grundvertrauen, das sich auch im Schulalltag bemerkbar macht. Stress gibt es selten und auch Probleme sind nie unlösbar. Man macht sich einfach gemeinsam daran sie in Ruhe zu lösen. Es war einfach eine einmalige Chance für mich einen Einblick in das Skandinavische Schulsystem zu bekommen, das ja weithin gelobt wird. Die Zeit verändert einen aber auch selbst. Seitdem ich diesen Schritt gewagt habe alleine ins Ausland zu gehen, traue ich mir selber viel mehr zu.“ So war sie Anfang dieses Jahres zwei Monate in Peru, um Englisch in einer Schule zu unterrichten, danach reiste sie noch vier Monate durch den Rest von Südamerika.
Ihre nächsten Ziele sind nach Wien zu übersiedeln und einen Job im Sozialbereich zu finden. Das nächste Fernweh kommt aber bestimmt und dann „starte ich einfach wieder los“.
Allgemeine Infos
Seit 20 Jahren kann man sich mit dem Europäischen Freiwilligendienst in Europa in gemeinnützigen Organisationen engagieren:
- Möglich für alle Jugendlichen zwischen 17 bis 30 Jahren, egal welche Ausbildung man mitbringt.
- Dauer: zwei bis zwölf Monate
- Es gibt: freie Unterkunft, Verpflegung, Taschengeld, Familienbeihilfe, Sprachkurs, Versicherung, Seminare und einen Reisekostenbeitrag
Ein EFD ab zehn Monaten wird auch als Zivildienst anerkannt.
Infos zu Bewerbung und Ablauf: www.jugendinaktion.at
„Jugendliche lernen sich und eine andere Kultur durch den Europäischen Freiwilligendienst auf eine neue Art kennen und leisten zusätzlich wichtige Arbeit für die Gemeinschaft“ betont LH-STv. Thomas Stelzer


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