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HAIBACH/DONAU. Die Natur zeigt sich gerade von ihrer schönsten Seite – auch wenn sich vieles im Verborgenen abspielt: Die Kinderstube erwacht. 

  1 / 2   Gut eingepackt in Gras bringt Jäger Willi Rathmayr das Rehkitz in eine sichere Umgebung. Die Geiß folgt einfach den Fieplauten.

Gut geschützt im hohen Gras warten Rehkitze auf ihre Mütter. In den ersten 14 Tagen sind sie zu langsam, um zu fliehen, und zeigen deshalb das sogenannte Drückverhalten. „Sobald sie etwas hören, verstecken sie sich ganz flach im Gras, statt wegzulaufen“, erklärt Jäger Willi Rathmayr.

Jäger durchsuchen Wiesen

Zwar werden sie so für das bloße Auge unsichtbar, doch das Verhalten bringt nicht nur Vorteile mit sich. Denn in der Landwirtschaft steht die erste Mahd an. Um die Rehkitze vor dem sicheren Mähtod zu bewahren, streifen Jäger mit ausgebildeten Hunden durch die Wiesen. Finden sie ein Rehkitz, tragen sie es gut eingepackt in Gras, um  keine menschliche Witterung zu hinterlassen, in ein Getreidefeld oder in eine Wiese, die bereits gemäht wurde. „Der Schutz der Kitze vor dem Mähtod ist momentan meine Hauptaufgabe, das verstehe ich unter Naturschutz“, betont der Haibacher Jäger. Er selbst hat eine vorbildliche Absprache mit den Bauern in seinem Revier. „Keiner von ihnen mäht, ohne mir vorher Bescheid zu geben. Wir arbeiten hier Hand in Hand“, so Rathmayr, auch im Sinne der Bauern. Immerhin seien Leichenteile in Heu oder Silage auch für das Vieh tödlich.

Erfahrung und Glück

Das Rehkitz in der oft einen Meter hohen Wiese zu finden, ist ein Zusammenspiel aus Erfahrung und Glück. Zwar sind die Jäger mit ausgebildeten Hunden unterwegs, doch haben die Kitze in den ersten fünf Tagen zum Schutz vor Feinden keine Witterung. Um doch so viele Kitze wie möglich zu retten, arbeiten die Jäger mit allen möglichen Tricks, wie etwa einem Wolfsspray, der die Geiß dazu veranlasst, mit dem Kitz weiterzuziehen. Eine Woche Urlaub benötigt Rathmayr jedes Jahr, um die Grünflächen in seinem Revier zu durchkämmen.

Hunde an die Leine

Der Mähbalken ist aber nicht der einzige Feind des Rehkitz. „Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Kitz von einem Hund gerissen wird. Ich bitte Spaziergänger deshalb wirklich ihre Hunde an die Leine zu nehmen. Der Wald gehört immer noch dem Wild und das braucht gerade jetzt Schutz, denn neben den Rehkitzen steht auch bei den Hasen, Fasanen, Rebhühnern und sämtlichen Bodenbrütern der Nachwuchs an“, so Rathmayr.

Und noch einen Hinweis hat der Jäger: „Bitte greifen Sie ein Rehkitz niemals an, auch wenn es jammert. Die Geiß kommt zurück, sobald die Gefahr vorüber ist. Wer das Kitz angreift, riskiert seinen Tod, da es die Geiß dann zurücklässt.“


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