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NATURPARK OBST-HÜGEL-LAND. Der Kiebitz befindet sich europaweit im Sinkflug. In den letzten 30 Jahren haben die Bestände um mehr als 50 Prozent abgenommen. Doch gezielte Vogelschutzprogramme lassen einen sanften Hoffnungsschimmer zu: Seit 2016 untersucht BirdLife im Naturpark Obst-Hügel-Land, welche Maßnahmen sich positiv auf die Kiebitzbestände auswirken. Wir haben den Experten Hans Uhl zum Gespräch gebeten.

  1 / 3   Als Feldvögel errichten Kiebitze ihre Nester in der offenen Agrarlandschaft, was ihnen zur Zeit der intensiven Landwirtschaft zum Verhängnis wird: Durch die häufige Bewirtschaftung werden die gut getarnten Nester zerstört und die flugunfähigen Jungvögel getötet. Foto: Hans Uhl

Tips:Welches Ziel verfolgt das Artenschutzprojekt im Naturpark?

Uhl: Ziel ist es, für die bislang völlig ungeschützten großen Kiebitz-Populationen in Oberösterreichs Äckern – in etwa 2.000 Paare – erstmals praxistaugliche Maßnahmen gemeinsam mit Landwirten zu entwickeln. Es handelt sich um ein Pilotprojekt, das auf kleiner Fläche erproben will, was später auf großen Flächen umgesetzt werden soll. 

Tips: Wie viele Brutpaare konnten heuer bereits im Naturpark gezählt werden?

Uhl: In Eben kamen in den letzten Jahren zwischen 18 und 24 Paaren vor, heuer sind es bislang 19 Paare. In Leppersdorf waren es meist acht bis 15, heuer nur mehr etwa sechs Paare.

Tips:Also ist das Projekt kein Erfolg?

Uhl: Wir messen den Erfolg hauptsächlich am Bruterfolg und weniger an der Bestandsentwicklung. Grund ist, dass Kiebitze ihre Nistplätze immer wieder, auch über viele Kilometer verlagern, wenn wo günstigere Flächen entstehen. Das reine Paarzählen kann somit ein verfälschtes Bild geben.

Tips:Das heißt?

Uhl: Aus internationalen Projekten wissen wir, dass Kiebitz-Populationen sich selbst erhalten, wenn im mehrjährigen Schnitt 0,8 Jungvögel/Paar flügge werden. Wir liegen derzeit bei mindestens 0,65 Jungvögeln/Paar und konnten den Bruterfolg durch die Schutzmaßnahmen deutlich erhöhen.

Auf unseren Vertragsäckern, auf denen die Landwirte den Mais um mehrere Wochen später ansäen (ab 10. Mai), haben wir sogar einen Bruterfolg von 1,1 Jungvögeln. Auf 38 ha Vertragsflächen konnten so mindestens 38 Erstgelege geschützt und mindestens 37 Küken erwachsen werden. Weitere 33 Nester konnten durch Markieren und kleinräumiges Schonen durch die Landwirte geschützt werden.

Tips:Könnten Sie ein konkretes Beispiel nennen?  

Uhl: Auf einem Vertragsfeld der Familie Schöberl in Eben brüteten Ende März vier Paare. Vier weitere Paare, die im herkömmlich bewirtschafteten Umfeld Anfang April ihr Gelege verloren hatten, zogen zu. Von acht Erstgelegen waren sieben erfolgreich. Alleine in diesem 4,5 ha großen Feld konnten so 18 flügge Jungvögel erwachsen werden – ein echt toller, kleinräumiger Erfolg.

Tips:Wie viele Landwirte sind an Bord?

Uhl: Bislang haben sich sechs Betriebe an den Schutzmaßnahmen beteiligt. Wir haben gemeinsam mit diesen Landwirten gezeigt, wie wir den Kiebitz-Schutz so auf größere Feldflächen bringen, dass die Landwirte mitmachen können. In diesem Sinn ist diesen Landwirten großer Dank auszusprechen.

Man sieht deutlich, dass in Leppersdorf, wo sich weniger Landwirte beteiligen und weniger Jungvögel hochkommen, die Bestände zurück gehen. In Eben bleiben die Bestände hingegen seit 2016 gleich.

Tips:Sind Sie generell mit dem Verlauf zufrieden?

Uhl: Wir sind dank der sich bislang beteiligenden Landwirte auf einem guten Weg und konnten den Bruterfolg dieser bedrohten Vogelart schon fast auf den angestrebten Zielwert heben.

Eines ist aber klar: Es bräuchte noch einige Landwirte mehr, um das Überleben der Kiebitze dauerhaft in der Region absichern zu können. Neueinsteiger sind deshalb herzlich willkommen.


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