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"Menschen sollen wieder aufeinander schauen": Zukunftsraum Eferding wird zur Caring Community

Nora Heindl, 21.05.2019 12:05

EFERDING. Eine Caring Community ist eine sorgende Gemeinschaft, in der jeder Mensch Verantwortung übernimmt, um anderen, die soziale Teilhabe, zu ermöglichen. Der Zukunftsraum Eferding wurde als eine von österreichweit zwei Modellregionen auserwählt, um eine solche Caring Community zu werden. 

V. l.: design. Bezirksgeschäftsführer Philipp Wiatschka, Projektleiterin Eva Wurzinger, Bezirksstellenleiterin Michaela Schwinghammer-Hausleithner, Projektunterstützer Bgm.a.D. Johann Stadelmayer und Bezirksgeschäftsführer Franz Puttinger. Foto: Heindl

Große Familien, die sich umeinander kümmern, werden weniger, der Trend geht in Richtung gesellschaftlicher Vereinzelung. „Das Alleine sein, ist nicht das Problem. Viele brauchen es mal alleine zu sein. Kommt jedoch die Einsamkeit dazu, dann wird es ungesund“, warnt Projektleiterin Eva Wurzinger vom Roten Kreuz Eferding. „Es gibt Zahlen darüber, wie viele ältere Menschen regelmäßig zum Arzt gehen, aber nicht, weil sie krank sind, sondern weil sie reden wollen“, betont Projektunterstützer und OÖGKK Eferding-Leiter Bgm.a.D. Johann Stadelmayer. Nicht zu vergessen Alleinerzieher oder pflegende Angehörige, die schlichtweg keine Zeit haben, an der Gesellschaft teilzunehmen, aber auch Mitmenschen, die in versteckter Armut leben oder in Obdachlosigkeit.

Der demografische Wandel und die Ausdünnung der sozialen Infrastruktur stellen den Zukunftsraum mit Eferding, Fraham, Hinzenbach und Pupping vor neue Herausforderungen. „Die Nachbarschaftshilfe wird immer weniger, während unsere  Gesellschaft immer anonymer wird“, bemerkt Bezirksstellenleiterin Michaela Schwinghammer-Hausleithner. Als drastisches Beispiel nennt sie in Großstädten das Verschwinden von älteren Menschen in ihren Wohnungen, ohne dass es jemandem auffällt. „Wir wollen, dass die Menschen wieder ein Auge aufeinander haben.“ 

Sorge-Kultur aufbauen

Grundidee der Caring Community ist es, wieder eine gelebte Sorge-Kultur aufzubauen. „Wir müssen lernen, uns wieder miteinander umeinander zu kümmern. In Krisensituationen funktioniert das meist sehr gut. Da hilft jeder jedem, sofort und ohne nachzufragen. Im normalen Alltag sieht das aber leider anders aus“, macht Wurzinger aufmerksam.

„Gerade bei uns im Bezirk gibt es viele Sorgenetze, freiwillige Vereine wie auch professionelle Unterstützer – und trotzdem wissen die Menschen oft nicht, an wen sie sich wenden sollen, wenn sie Hilfe brauchen“, so Stadelmayer. Das soll sich ändern. Ziele werden sein, Gutes und Bestehendes zu vernetzen und bekannt zu machen, Fehlendes zu erkennen, Neues zu ermöglichen.

Koordinationsstelle ist das Rote Kreuz Eferding, wo Eva Wurzinger als Nahtstelle die Fäden zieht. Nicht nur Caritas, Volkshilfe oder Hilfswerk sollen eingebunden werden, sondern auch Initiativen wie Selbsthilfegruppen, Pfarren, Bildungseinrichtungen, Behörden und so weiter. 

Auftaktveranstaltung im Eferdinger Bräuhaus

Los geht“s am Dienstag, 11. Juni, mit einer öffentlichen Auftaktveranstaltung. Das Rote Kreuz lädt alle Interessierten aus dem Zukunftsraum ab 16 Uhr ins Bräuhaus ein. Geschichten von Bürgern helfen in das Thema einzutauchen, um dann das Projekt gemeinsam voranzutreiben. „Alle Bürgermeister haben uns bereits ihr Kommen zugesagt, aber was wir wirklich brauchen, sind möglichst viele Bürger, die kommen“, erklärt Michaela Schwinghammer-Hausleithner.

Das Pilotprojekt, das parallel noch in Groß-Enzersdorf/NÖ ins Leben gerufen wurde, wird von der Universität Graz wissenschaftlich begleitet und vom Fonds Gesundes Österreich gefördert.

Auftaktveranstaltung

Dienstag, 11. Juni, ab 16 Uhr

Kulturzentrum Bräuhaus, Eferding

Alle Interessierten sind herzlich willkommen!


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