Ingrid Gumplmaier-Grandl: „Fairer Handel ist nicht Wohltätigkeit“
EFERDING. Ingrid Gumplmaier-Grandl und Heinz Grandl betrieben 16 Jahre lang den Eferdinger Weltladen. Parallel dazu haben sie eine faire Modemarke gegründet, auf die sie sich mittlerweile konzentrieren.

Produziert werden die fairen Kleidungsstücke in Nepal, zur Schneiderei haben sich in den vergangenen Jahren auch eine Filzerei und eine Druckerei gesellt, die mit dem Eferdinger Unternehmen zusammenarbeiten. Die Stoffe werden aus fair-produzierter Baumwolle gewebt und aus Indien importiert, um in Nepal weiterverarbeitet zu werden. Die fertige Kleidung wird nach Österreich geliefert und dort über den Online-Shop, auf Messen oder in Weltläden verkauft. Auch der Schauraum in der Schlossergasse öffnet einmal im Monat zum Verkauf. Zweimal im Jahr reist Gumplmaier-Grandl nach Nepal, um mit den Nähern die nächste Kollektion zu besprechen.
Zusammenarbeit in Nepal
Vor Ort gestaltet sich die Situation jedes Mal anders „Wir sind es gewöhnt, Probleme zu lösen, erzählt die Designerin. Das beginnt von der Photovoltaik-Anlage am Dach der Schneiderei, um die Stromversorgung zu sichern bis hin zur ersten bezahlten Karenz einer Filzerin. Das verheerende Erdbeben in Nepal 2015 traf auch die Fairytale-Produktionsstätten. Obwohl die Unternehmen größtenteils unbeschädigt blieben, konnte über mehrere Wochen nicht gearbeitet werden. „Wir haben damals einen Spendenfond ins Leben gerufen, um unsere Angestellten zu unterstützen. So konnten wir ihnen weiterhin einen kleinen Lohn zahlen, ohne dass sie in die Schneiderei zurückmussten und ihr Leben gefährden“, erzählt Gumplmaier-Grandl. Auch für die Bewältigung der Corona-Situation in Nepal geht das Unternehmen einen ähnlichen Weg. „Die Polizei versucht die Leute mit Gewalt in den Häusern zu halten. Viele wollen arbeiten gehen, da sie sonst kein Geld haben. Wenn man nicht lesen kann, kann man auch globale Geschehnisse nicht einordnen“, berichtet die Eferdingerin, die in engem Kontakt mit ihren Kollegen vor Ort steht. Fairytale hat einen Hilfsfonds eingerichtet, mit dem Kauf von Buttons können die Näher unterstützt werden.
Lage in Österreich
Doch auch die österreichische Seite der Kooperation ist von der Corona-Situation stark betroffen. Die Weltläden und Boutiquen mussten einige Wochen geschlossen bleiben. Um auch sie zu unterstützen, hat Fairytale die Möglichkeit entwickelt, online einen bestimmten Laden am Einkauf zu beteiligen.
Ganzheitliches Konzept
„Ich möchte keine Entscheidungen treffen müssen, bei denen ich kein gutes Bauchgefühl habe“, sagt Gumplmaier-Grandl. Dieses Konzept spiegelt sich in vielen Facetten. Die Models für Kataloge sucht sich die Designerin in ihrer Umgebung. Und achtet bewusst auf Vielfältigkeit, was Alter, Figur und Aussehen angeht. Die Modenschauen ihrer Kollektionen werden in kleinen Gemeinden und mit Models vor aus der Region gestaltet. In der Produktion ist es Gumplmaier-Grandl ein Anliegen, ihre Mitarbeiter fair zu bezahlen, ohne sie zu beschenken. „Fairer Handel ist nicht Wohltätigkeit“, ist die Unternehmerin überzeugt. Geld für eine Leistung zu erhalten ermöglicht es Menschen, selbstbewusster Entscheidungen zu treffen.“ Jeder könne selbst entscheiden, welche Projekte, Ideen und Unternehmen er unterstützen wolle. „Konsum steuert nicht nur unser Leben, sondern auch das anderer Menschen. Bewusster Konsum kann andere Menschen mehr helfen als Spenden“, meint sie.


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