Eferdinger Kandidaten für die Landwirtschaftskammerwahl präsentiert
EFERDING. Kandidaten aus fünf verschiedenen Fraktionen treten zur Landwirtschaftskammerwahl 2021 an. Thomas Kraxberger aus Hartkirchen geht für den Bauernbund ins Rennen, die SPÖ Bauern vertritt Gottfried Gahleitner aus Haibach. Rudolf Eder aus St. Marienkirchen tritt als Mitglied der Freiheitlichen Bauernschaft an, für die Grünen Bäuerinnen und Bauern steht Martina Vollner aus Haibach zur Wahl. Klaus Wimmesberger vom unabhängigen Bauernverband ist auch für den Bezirk Eferding wählbar.

Tips hat sie nach ihren Forderungen für die nächste Wahlperiode befragt, aber auch zu den Besonderheiten der Eferdinger Landwirtschaft und wie sie sich die Zukunft der Landwirtschaft vorstellen. Die Landwirtschaftskammerwahl findet am 24. Jänner 2021 statt. Gewählt werden kann persönlich in fast jeder Gemeinde oder per Briefwahl.
Thomas Kraxberger
Bauernbund
Tips: Was sind Ihre wichtigsten Forderungen für die neue Periode der Landwirtschaftskammerwahl?
Kraxberger: Rahmenbedingungen, die unsere im EU-Vergleich kleinen Familienbetriebe fördern und schützen. Viele Bäuerinnen und Bauern wünschen sich eine bessere Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit gegenüber der Gesellschaft zum Beispiel bei Klima- und Umweltschutzfragen.
Tips: Wie stellen Sie sich die Landwirtschaft in zehn Jahren vor?
Kraxberger: Wenn es in zehn Jahren gleich viele Bauern gibt wie heute, und wenn zum Produktsortiment Neues dazukommt wie Bananen oder Orangen (erste Versuche laufen), wäre ich zufrieden. Wenn die Lebensmittel mit kurzen Transportwegen und Mehrwegverpackung zum Verzehr gelangen, wäre ich glücklich.
Tips: Was ist das Besondere am Bezirk Eferding?
Kraxberger: Das Besondere an der Landwirtschaft in Eferding ist die Vielfalt unserer Betriebe. Aufgrund unserer Böden und dem ausgezeichneten Kleinklima hat der Gemüseanbau eine lange Tradition. Unsere Bäuerinnen & Bauern vermarkten vielfach ihre Produkte selbst, wodurch auch viele Hofläden entstanden sind.
Tips: Wie soll man die verpflichtende Herkunftskennzeichnung für Lebensmittel umsetzen?
Kraxberger: Bei allen verarbeiteten Produkten wie Wurst, Fertiggerichten oder Konserven muss die Herkunft aller Zutaten ersichtlich sein. Auf irreführende Herkunftsangaben soll verzichtet werden. Der Konsument soll entscheiden können, ob er Fleisch aus Österreich oder aus Polen bestellen möchte.
Gottfried Gahleitner
SPÖ Bauern
Tips: Was sind Ihre wichtigsten Forderungen für die neue Periode der Landwirtschaftskammerwahl?
Gahleitner: Lebensmittel-Herkunftskennzeichnung auch in der Gastronomie verpflichtend einführen. Ein bäuerlicher Familienbetrieb mit 20 Milchkühen muss mit dem erzielten Einkommen ein Auskommen haben. Faire Preise, damit unsere bäuerlichen Familienbetriebe gut leben können. Die Landschaftspflege muss gefördert werden.
Tips: Wie stellen Sie sich die Landwirtschaft in zehn Jahren vor?
Gahleitner: Wenn die aktuellen Entwicklungen so weitergehen, wird es in zehn Jahren nur noch wenige Bauern geben. Die, die noch existieren, werden sehr große Betriebe führen müssen. Die kleinstrukturierten Landwirtschaften werden wegsterben.
Tips: Was ist das Besondere am Bezirk Eferding?
Gahleitner: Viele der Bauern in Eferding fühlen sich nicht ordentlich repräsentiert durch die Bauernvertreter.
Tips: Wie soll man die verpflichtende Herkunftskennzeichnung für Lebensmittel umsetzen?
Gahleitner: Die Gütesiegel verfälschen österreichische Qualität, weil sie zu einfach vergeben werden können. Die Kontrollen in den Schlachthöfen müssen verbessert werden. Nur so kann die Glaubwürdigkeit von gewissen Gütesiegeln wiederhergestellt werden.
Rudolf Eder
Freiheitliche Bauernschaft
Tips: Was sind Ihre wichtigsten Forderungen für die neue Periode der Landwirtschaftskammerwahl?
Eder: Die Kleinstrukturiertheit der Landwirtschaft muss aufrechterhalten werden, für die Förderungen sollten Obergrenzen eingeführt werden, um die kleinen Bauern zu bevorzugen, eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung ist einzuführen. Zudem sollten die Förderungen an den SVB-Beitrag angeglichen werden.
Tips: Wie stellen Sie sich die Landwirtschaft in zehn Jahren vor?
Eder: Wenn die aktuellen Bedingungen so weiterbestehen bleiben, werden sich in den nächsten zehn Jahren noch mehr Stalltüren schließen. Es sollte deswegen im Fokus stehen, die kleineren Landwirtschaften zu bevorzugen und zu erhalten.
Tips: Was ist das Besondere am Bezirk Eferding?
Eder: Das Besondere im Bezirk Eferding ist, dass wir hier so ziemlich alle Dinge selbst produzieren können. Von Ackerbau über Obstbau bis hin zur Viehzucht gibt es in Eferding vor allem kleine Betriebe, die sehr gute Waren produzieren.
Tips: Wie soll man die verpflichtende Herkunftskennzeichnung für Lebensmittel umsetzen?
Eder: In Gasthäusern muss die Kennzeichnung verpflichtend eingeführt werden. Wenn das mit den Allergenen funktioniert, ist es auch mit der Herkunft möglich. Es wäre gut für die Landwirte, wenn der Konsument selbst entscheiden kann, ob er Billigfleisch aus dem Osten möchte oder nicht.
Martina Vollner
Grüne Bäuerinnen/Bauern
Tips: Was sind Ihre wichtigsten Forderungen für die neue Periode der Landwirtschaftskammerwahl?
Vollner: Wir brauchen dringend mehr Bodenschutz. Die fortschreitende Verbauung nimmt uns täglich wertvollen Boden für unsere Lebensmittel weg. Aber auch die soziale Absicherung der Bäuerinnen und Bauern selbst muss sichergestellt werden. Es braucht leistbare Sozialversicherungsbeiträge
Tips: Wie stellen Sie sich die Landwirtschaft in zehn Jahren vor?
Vollner: Wie selten zuvor stehen wir vor der Entscheidung. Wollen wir eine bäuerliche oder eine weltmarktorientierte Landwirtschaft? Ich würde es begrüßen, wenn sich die Gesellschaft für Ersteres entscheidet: für eine bäuerliche Landwirtschaft mit regionalen Kreisläufen und einer Wertschätzung zu unseren Lebensmitteln.
Tips: Was ist das Besondere am Bezirk Eferding?
Vollner: Wir haben eine vielfältige Landwirtschaft, von Gemüse und Obst über Ackerbau und Grünland mit Tierhaltung bis zum Wald, sogar Weinanbau gibt es bei uns im Bezirk. Bewirtschaftet werden ebene Flächen genauso wie steile Lagen. Wir sind im Bezirk gut und vielfältig aufgestellt.
Tips: Wie soll man die verpflichtende Herkunftskennzeichnung für Lebensmittel umsetzen?
Vollner: Mehr als 50% der Lebensmittel werden außer Haus verzehrt. Aber auch zuhause ernährt man sich von immer mehr Fertiggerichten.Überall dort lässt sich billiges Fleisch, billige Eier oder billige Milch verstecken! Darum muss in all diesen Bereichen die Herkunft der Primärzutaten ausgelobt werden.


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