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GALLSPACH/ PICHL. Benjamin Kermendi ist gelernter Restaurantfachmann. Die Corona-Zeit nutzte er, um sich gleich dreimal in der Lebensmittelbranche selbstständig zu machen.

Benjamin Kermendi stellt in Österreich produzierte Ramennudeln her (Foto: LHackl)
  1 / 2   Benjamin Kermendi stellt in Österreich produzierte Ramennudeln her (Foto: LHackl)

Benjamin Kermendi will eine Revolution. Sein Unternehmen „Regional ist Legal“ soll nichts Geringeres, als den Zugang zu Lebensmitteln für alle zu verändern. Regionalität ist dabei sein treibender Gedanke. „Die Leute müssen begreifen, dass der Weg zum nächsten Nahversorger oft genauso weit ist wie in den Supermarkt“, erklärt er. Zwischen seinem Heimatort Gallspach und dem Gasthof Seidenthalerhof in Pichl bei Wels (Bezirk Wels-Land) hat sich der 32-Jährige ein Netzwerk aufgebaut, das ihn mit regionalen Lebensmitteln versorgt. Fleisch und Gemüse werden über regionale Anbieter eingekauft, auch Gewürze können aus der unmittelbaren Umgebung erstanden werden. Daraus produziert Kermendi Hausmannskost wie Gulasch oder Beuschel, die er in Gläsern verkauft. Unter dem Motto „Deiner Mutter gefällt das“ will Kermendi auf traditionelle Zubereitung und Lebensmitteleinkauf aufmerksam machen. Am wichtigsten sei dabei Transparenz. Das Sortiment ändert sich alle paar Monate: „Weil in Österreich nichts das ganze Jahr Saison hat.“ Sein Spezialgebiet sind Ramen, eine japanische Nudelsorte, die Kermendi aus regionalen Produkten erzeugt. Die Teigmasse stellt er selbst her, die Nudeln werden in Natternbach produziert. Gemeinsam mit regionalem Gemüse und Fleisch bereitet Kermendi eine spezielle Nudelsuppe zu, die vor allem aus japanischen Comics und Filmen bekannt ist. Auch der gebürtige Gallspacher selbst wurde über Medien auf das Gericht aufmerksam und begann es unter dem Begriff „Regioramen“ zu vertreiben.

Drei Gründungen 2020

Im Jahr 2020 plante Kermendi, sich gemeinsam mit seiner Frau mit Caterings selbstständig zu machen. Der erste Lockdown verhinderte die weitere Arbeit des Paares. Kurzfristig schwenkten sie daher auf einen Wagen um, mit dem sie Gerichte mit regionalen Zutaten in der gesamten Region verkaufen konnten. In Form von Street-Food besuchte Kermendi wöchentlich Plätze in den Bezirken Wels-Land, Eferding und Grieskirchen. Der zweite Lockdown im November 2020 ließ auch hier die Umsätze stark sinken. Was folgte, war die verstärkte Konzentration auf die Herstellung von Produkten. Mit seiner Ramenbar will Kermendi in Zukunft in ganz Österreich unterwegs sein, derzeit wird auch am Online-Shop der Produkte gearbeitet. Das vergangene Jahr war herausfordernd für die Familie. „Ich habe zum dritten Mal komplett neu angefangen“, erzählt Kermendi. „Aber ich will alle Steine sprengen, die mir in den Weg gelegt werden“, so der 32-Jährige. Gemeinsam mit den Nudeln wolle er auch asiatisches Lebensgefühl vermitteln. „Die Leute in Europa beschweren sich zu viel“, meint er. Er wolle Zufriedenheit und Dankbarkeit mit seinem Essen transportieren. Auch an eine Ausbreitung seiner Geschäftsidee denkt Kermendi. Im Sinne eines Franchise-Modells könne er sich vorstellen, in Nachbarländer zu expandieren, in denen ebenfalls ein regionales Netzwerk zur Herstellung der Gerichte entstehen soll. Sein Konzept limitiert sich dabei selbst: „Wenn jemand zu mir sagt, er braucht 18.000 Gläser eines Produktes, muss ich mir überlegen, ob das mit meinen Partnern überhaupt möglich ist.“ Durch den Aufbau von ähnlichen Unternehmen in anderen Ländern und Regionen soll ein größerer Markt entstehen.

Partner gesucht

Am wichtigsten für Kermendi ist der Aufbau eines lokalen Netzwerks. „Ich suche nach Partnern und Lieferanten, mit denen ich zusammenarbeiten kann.“ Transparenz sei ihm wichtiger als Gütesiegel, er wolle Authentizität zurück in die Lebensmittelbranche bringen.


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