Schulwartin Ernestine Finzinger: „Man muss für die Kinder da sein“
ST. MARIENKIRCHEN. Ernestine Finzinger ist den meisten Samareinern ein Begriff. Als Schulwartin betreute sie jahrelang die Volksschule des Ortes, heute ist sie vom Gemeinderat über den Pfarrgemeinderat bis hin zum Seniorenbund aktiv.

„Man muss für die Kinder da sein“, sagt Erni Finzinger über ihre Arbeit in St. Marienkirchen. Ab 1980 bis zu ihrer Pensionierung war die 77-Jährige als Schulwartin aktiv, putzte die gesamte Schule und erfuhr nebenbei allerhand von den Kindern. „Ich hab immer gewusst, wer heute früher gehen muss, oder einen Arzttermin hat“, erzählt Finzinger. Viele Kinder hätten sie in Geheimnisse eingeweiht, sie selbst habe immer versucht, ihnen zu helfen. „Wenn ein Kind beim Spielen hingefallen ist und dreckig wurde, haben wir es in Trainingsanzüge vom Sportverein angekleidet, die waren heiß begehrt“, erzählt Finzinger. Bei Verletzungen in der Schule war sie diejenige, die die Kinder zum Arzt brachte. „Ach, die Schulmutti ist da“, begrüßte sie dann die Sprechstundenhilfe.
Immer nur die Erni
Noch heute kommen ehemalige Schüler aus St. Marienkirchen auf „die Erni“ zu, wenn sie sie auf der Straße treffen. „Die Lehrer haben immer gesagt, ,Das ist Frau Finzinger‘, aber für die Kinder war ich immer nur die Erni“, erinnert sich Finzinger lachend. Sie hätte es auch nie anders gewollt. Sechs Klassen putzte sie lange Zeit alleine, beschwert hat sie sich nie. Nebenbei zog sie drei Kinder alleine groß, sie alle konnten in höhere Schulen gehen und sind in ihrer Nähe geblieben. Auch zu ihren eigenen Geschwistern hat Finzinger immer noch viel Kontakt. „Wenn man sich so nah ist, fühlt man natürlich immer mit“, erzählt die Pensionistin. Sieben Enkelkinder sind inzwischen dazugekommen, sie alle übernachten zu ihrer Freude regelmäßig bei ihrer Oma und weihen sie wieder in ihre Geheimnisse ein.
„Alle haben geweint“
Eine ganze Schachtel mit Briefen und Zeichnungen der Volksschulkinder verwahrt Erni Finzinger immer noch zuhause. Ihr schönstes und traurigstes Erlebnis war die Pensionierung 2001. „Da haben wir alle geweint“, erinnert sie die Pensionistin. Doch ruhig ist es im Ruhestand für Finzinger nicht. Der Kirchenbeirat, Seniorenbund, Chorsingen und die Arbeit im Gemeinderat halten sie auf Trab. Im Mittelpunkt steht sie dabei nie. „Man braucht Leute, die die Arbeit im Hintergrund machen“, erklärt Finzinger. Auch im Gemeinderat sei sie, um etwas für die Gemeinde zu verändern, und nicht, um sich vorne zu präsentieren.
Kontakt halten auch während der Pandemie
Mit Corona zog vorübergehend Ruhe in ihren Alltag ein, doch die ehrenamtliche Arbeit hörte nicht auf. „Ich hab mir das Telefonbuch geschnappt und alle Leute angerufen, von denen ich wusste, dass sie allein sind und vielleicht Hilfe brauchen“, erklärt die Seniorenbundobfrau. Die Unterhaltungen hätten vielen Menschen gefehlt, da habe sie zumindest telefonisch etwas zurückgeben wollen.
Traditionen fehlen
Ihr selbst fehlen vor allem die Feste und das Zusammenkommen im Ort. „Beim Marktfest am 15. August werden immer die Neubürger in der Gemeinde vorgestellt und in die Polsenz getrieben, ab dann sind sie echte Samareiner“, erklärt die Pensionistin. Die Veranstaltung fällt auch in diesem Jahr wieder aus, zwei Jahre konnten die frisch Zugezogenen noch nicht feierlich in den Ort aufgenommen werden. Die abgesagte Oldtimerrallye und die Jubelpaare, die ohne Musik und Feierlichkeiten ihre Ehejubiläen feiern müssen, bedauert die Pfarrgemeinderätin sehr. „Der gute Zusammenhalt, das macht Samarein aus“, so Finzinger. Viele Ehrenamtliche sorgen dafür, dass es in der Gemeinde gut läuft.
Positiv in die Zukunft blicken
Erni Finzinger ist optimistisch für die Zukunft. „Nach der Impfung wird es wieder leichter“, ist sie überzeugt. Das Fortfahren mit dem Seniorenbund müsse wohl noch eine Weile warten, aber Wanderungen und gemeinsame Radausfahrten sind für den Sommer wieder geplant. Sie blicke einstweilen auf schöne Erinnerungen aus den vergangenen Jahren zurück. „Ich bin heute sehr zufrieden, und wenn mir noch ein paar gesunde Jahre geschenkt werden, ist das schön“, meint die Pensionistin zum Abschluss.


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