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ST. MARIENKIRCHEN. Ein Plakat mit dem Inhalt „Pfarrhof ist eine Ruine“ und Vorwürfe in Richtung der Diözese sorgen für Aufsehen in der Gemeinde St. Marienkirchen. Tips hat bei Pfarrer Josef Etzlstorfer nachgefragt, wie es zu dieser Plakat-Aktion kam.

Die Pfarre St. Marienkirchen fordert Unterstützung für eine Renovierung des Pfarrhofs. (Foto: Lang)

„Bei der oberösterreichischen Ortsbildmesse im September war der ganze Ort sauber herausgeputzt, nur der Pfarrhof selbst stand da wie eine Ruine. Wir sahen uns genötigt, durch das Plakat den Leuten zu erklären, warum trotz allen Bemühens von unserer Seite seit sechs Jahren nichts geschehen und noch immer keine Aussicht auf einen Beginn der Renovierung zu erkennen ist“, begründet Pfarrer Josef Etzlstorfer das Plakat, das dort seither durchgehend hängt, gegenüber Tips.

Sanierung scheitert am Geld

Pläne seien längst vorhanden. Aber: „Es fehlt uns - trotz Unterstützung durch das Stift St. Florian, dem rechtlichen Eigentümer des Pfarrhofs, und eigenem Ersparten - an Geld, durch die Teuerungswelle erst recht“, so Etzlstorfer.

Die Pfarre möchte aber Pfarrhof und Heim erhalten und hat dabei auch an Veränderungen in der Zukunft, wie zum Beispiel Vermietung, gedacht. „Von der Diözese, die ja bei allen kirchlichen Gebäuden das letzte Wort hat, werden unsere Pläne einfach nicht akzeptiert und entsprechend unterstützt. Wir glauben aber, dass unsere Pfarre sehr wohl einen Anspruch auf spürbare finanzielle Unterstützung seitens der Diözese hat“, erklärt Etzlstorfer und ergänzt: „Unsere Pfarre zahlt ja nicht weniger an Kirchenbeiträgen als andere Pfarren, nur weil der Pfarrhof zum Stift gehört.

„Diözese bekam fast 200.000 Euro von unserer Pfarre“

Josef Etzlstorfer führt seinen Unmut weiter aus: „Von unserer Pfarre allein bekam die Diözese letztes Jahr fast 200.000 Euro an Kirchenbeiträgen und in jedem der vergangenen fünfzig Jahre nicht viel weniger.“ Es sei laut dem Pfarrer selbstverständlich, dass sich die Leute in der Pfarre Unterstützung erwarten. „Wozu zahlen wir so viel Kirchenbeitrag, wenn nichts in der Pfarre weitergeht und geschieht“, höre Etzlstorfer immer wieder die Leute enttäuscht und entrüstet fragen. „Ich verstehe das und kann ihnen nur Recht geben. Wenn sich hier in Finanzierungsfragen seitens der Diözese nichts ändert, werden bald auch gute Katholiken sich weigern, ihren Beitrag zu leisten, dessen bin ich sicher“, spricht der Pfarrer Klartext.

Muss die ständige Beteuerung der Diözesanfinanzkammer bei den Kirchenbeitragsvorschreibungen, für so viele Bauten zuständig zu sein und gerade dort möglichst schnell zu helfen, wo es besonders nötig ist, unseren Kirchenbeitragszahlern angesichts der denkmalgeschützten „Pfarrhof-Ruine“ nicht als blanker Hohn erscheinen?“, sagt der Marienkirchner Pfarrer.

Das Stift St. Florian habe man bezüglich finanzieller Unterstützung immer verteidigt. Daher komme es auch auf dem Plakat nicht vor, obwohl dieses der Eigentümer des Pfarrhofs ist. Aber es könne selber finanziell dazu nichts leisten, weil es ringen müsse, das Stiftsgebäude erhalten zu können, so Etzlstorfer.

Laut Diözese wurde kein Antrag eingebracht

Die Diözese verteidigt sich auf Tips-Anfrage und weist darauf hin, dass der Pfarrhof im Eigentum des Stiftes St. Florian steht: „Die Diözese Linz leistet fachliche Begleitung und finanzielle Unterstützung von Bauvorhaben in Pfarren aus Mitteln des Kirchenbeitrags. Entsprechend der Diözesanen Bauordnung müssen dafür Anträge gestellt werden. Das betrifft auch Bauprojekte in inkorporierten Pfarren wie St. Marienkirchen an der Polsenz. Bisher wurde dazu vom Stift kein Antrag eingebracht. Im Jahr 2020 hat das Stift St. Florian in Aussicht gestellt, gemeinsam mit der Pfarre ein Konzept zur Renovierung und Umgestaltung des Pfarrhofs auszuarbeiten. Das ist ebenfalls bisher nicht erfolgt.“

Diözese sichert finanzielle Unterstützung zu

Es stehe außer Frage, dass die Diözese Linz ein Bauvorhaben in St. Marienkirchen an der Polsenz finanziell unterstützt: „Die Gelder aus Mitteln des Kirchenbeitrags stehen bereit“, sagt Reinhold Prinz, Finanzdirektor der Diözese Linz, und ergänzt: „Aber das Stift hat bisher weder ein Konzept vorgelegt, noch einen Antrag gestellt.“ 

Stift St. Florian sieht Teilsanierung machbar

Wirtschaftsdirektor des Stiftes St. Florian, Martin Spiesberger, sagt auf Tips-Anfrage: „Bei der bisherigen Abstimmung des von der Pfarre angedachten Projektvolumens musste erkannt werden, dass eine erhebliche Finanzierungslücke besteht. Hinsichtlich der möglichen finanziellen Zuschüsse durch die Diözese ist der Pfarrhof in St. Marienkirchen nicht besser oder schlechter gestellt als andere Pfarrhöfe. Dieser Zuschuss beträgt derzeit im Regelfall 25 Prozent des angemessenen Instandhaltungs- und Erneuerungsbedarfs. Aus unserer Sicht gibt es nun eine finanzierbare Teilsanierung abzustimmen und diese Planung im erst einzuleitenden diözesanen Bauverfahren vorzulegen. Zweifelsohne ist es eine schwierige Situation, in welcher man sich auf das finanziell Machbare beschränken wird müssen.


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