Gemüsebauern starten in die Saison
EFERDING/OÖ. Seit Anfang Mai wird in Oberösterreich wieder taufrisches junges Gemüse, vorwiegend aus dem Eferdinger Becken und dem Mühlviertler Machland, angeboten. Späte Jahre sind in der Landwirtschaft gute Jahre! – Auf diese alte Bauernweisheit hofften die OÖ Gemüsebauern den ganzen heurigen März, weil auf Grund der unterdurchschnittlichen Temperaturen und viel Niederschlägen die Aussaaten und Auspflanzungen im Vergleich zu den Vorjahren erst sehr spät möglich waren.

Mit 3. April änderte sich die Witterung allerdings schlagartig und wir erlebten in Folge den wärmsten April seit dem Jahr 1800. Mit Hilfe von Folien, Vliesen und der extrem wichtigen Beregnung wuchs das Gemüse in den Folienhäusern und auf den Freilandflächen bislang unter optimalen Bedingungen, weshalb wir von einem nennenswerten Vegetations- und Erntevorsprung bei vielen Gemüsearten berichten können. Bis 10. Mai liegen die Niederschlagsmengen allerdings gebietsweise 40 bis 50 Prozent hinter den Durchschnittswerten, sodass die Bewässerungsanlagen heuer schon sehr früh im Jahr und intensiv eingesetzt werden müssen.
Über 70 Prozent der Gemüseanbaufläche in OÖ ist mittlerweile so ausgerüstet, dass sie im Bedarfsfall bewässert werden kann.“Herrlicher Geschmack, sortentypisches Aroma und natürliche, leuchtende Farben sind eindeutige Qualitätsmerkmale für erntefrisches Gemüse aus Oberösterreich und damit ein Zeichen für ein Maximum an wertvollen gesunden Inhaltsstoffen“, zeigen sich Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Reisecker und Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger begeistert von der Sortenvielfalt, die bei den heimischen Gemüsebauern ab sofort zur Verfügung steht.
Gemüseanbaufläche in Oberösterreich ist auf hohem Niveau
Der erwerbsmäßige landwirtschaftliche und gärtnerische Gemüseanbau wird in Oberösterreich von 170 Betrieben auf einer Gesamtanbaufläche von etwa 1.750 Hektar (inkl. Mehrfachnutzung) betrieben. Somit kann rückblickend auf die letzten zehn Jahre gesagt werden, dass trotz enormen internationalen Druckes die Gemüseanbaufläche auf hohem Niveau gehalten werden konnte. Auch die Anzahl der Gemüseanbaubetriebe hat sich in den letzten zehn Jahren stabilisiert, weil Betriebe welche aufgehört haben durch Neueinsteiger abgelöst wurden.
„Obst und Gemüse spielt in der Ernährung der Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher eine entscheidende Rolle. Die Trendthemen Vegetarismus und Veganismus zeigen deutlich, dass hier noch signifikante Steigerungen zu erwarten sind. Deswegen bin ich froh, dass wir in der Region einen innovativen Gemüsebau haben, der im Anbau laufend neue Sorten ausprobiert und nach strengen Richtlinien produziert. So wird das oberösterreichische Gemüse zu 22 Prozent in Bio-Qualität auf den Markt gebracht, das entspricht einer Anbaufläche von 390 Hektar“, erläutert Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger.
Regionale Stärke
In Oberösterreich liegt die Stärke in der großen Vielfalt der Gemüsearten zur regionalen Vermarktung und saisonalen Verarbeitung. Die Gemüseanbaufläche mit durchschnittlich zehn Hektar je Betrieb ist im Vergleich zu den Hauptgemüseländern in Europa (Holland, Spanien, Italien, etc.) sehr niedrig und ein Zeichen dafür, dass sehr viele dieser Betriebe den Gemüseanbau im optimalen Fruchtwechsel zu anderen Ackerbaukulturen ausüben.
OÖ Gemüsebauern sichern und bieten Arbeitsplätze
Die 170 OÖ Gemüsebaubetriebe sichern durch ihre Bewirtschaftung und Investitionstätigkeit ca. 500 familieneigene Arbeitsplätze in der Region und beschäftigen rund 800 Arbeitnehmer ganzjährig. Sie sichern in den nachgelagerten Bereichen der heimischen Wirtschaft sowie am Dienstleistungssektor weitere rund 1.500, vorwiegend oberösterreichische, Arbeitsplätze. „Weltweit ist der handarbeitsintensive Gemüseanbau auf ausländische Saisonarbeiter und Erntehelfer angewiesen. In Oberösterreich stammen diese hauptsächlich aus den Ländern Polen, Rumänien, aus dem Kosovo und der Ukraine. Der kollektivvertragliche Lohn für diese vollversicherten Landarbeiter in Österreich ist einer der höchsten in Europa und liegt derzeit bei 1.283 Euro brutto monatlich. Die Landwirtschaftskammer OÖ plädiert dringend dafür, die Rahmenbedingungen bezüglich der Beschäftigung von ausländischen Arbeitskräften so zu gestalten, dass der Gemüseanbau in Oberösterreich auch künftig erhalten bleibt. Regionalität und Saisonalität liegen bei den Konsumenten im Trend. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, die Nachfrage der Konsumenten nach heimischem Gemüse auch bedienen zu können“, erläutert Reisecker.
Bewährte Zusammenarbeit mit dem AusländerInnen-Fachzentrum des AMS OÖ
Seit bereits sieben Jahren führt die Landwirtschaftskammer OÖ in Zusammenarbeit mit dem AMS OÖ jährlich mehrere Jobbörsen zur Anwerbung von Erntehelfern und Saisonarbeitern durch. 2018 ist bereits das vierte Jahr, in dem versucht wird, unter anderen auch anerkannte Asylwerber sowie Asylberechtigte, welche sich in Oberösterreich aufhalten, zu vermitteln. Aus über 800 Bewerbungen beim AMS wurden ca. 300 Personen bei regionalen Jobbörsen den Arbeitgebern vorgestellt. In Summe kam es zu rund 160 Einstellungszusagen für die heurige Saison.
Neue Gemüsekulturen – OÖ Gemüsebauern sind innovativ
Die Palette der in OÖ produzierten und saisonal erhältlichen Gemüsearten wächst jährlich. So findet man bei den OÖ Gemüsebauern neuerdings folgende trendige Neuheiten:Jung-Knoblauch (grün, im Ganzen), Junger Bundzwiebel, Radieschen, Mangold, Fisolen (Buschbohnen), Stangensellerie, Mini Rote Rüben, Wassermelonen, Kren, Pak Choi, Chinakohl rot, Süßkartoffeln, Pilze (Shiitake, Kräuterseitlinge,…).
Der geschützte Gemüseanbau in Folientunnels und Glashäusern ist in Oberösterreich mit einer Gesamtfläche von etwa zwölf Hektar im Vergleich zu anderen Bundesländern eher untergeordnet. Hier werden, hauptsächlich von Direktvermarktern, Tomatenraritäten, Gurken, Paprika, Pfefferoni, verschiedene Melanzani und eine große Sortenanzahl an würzigen bis scharfen Chilis geerntet. Einige Betriebe produzieren in den Folienhäusern auch Jungpflanzen für den eigenen Freilandanbau bzw. für den Ab Hof-Verkauf. Nicht zu vergessen ist im Herbst die zunehmende Beliebtheit der Speise- und Zierkürbisse sowie der Ölkürbis.
Hauptgemüsearten
Die Anbauschwerpunkte in OÖ liegen allerdings bis dato deutlich bei den Kohlgemüsen, den Salaten, den Gurkengewächsen und den Wurzelgemüsearten. Innerhalb von Österreich sind die OÖ Gemüseproduzenten beim Anbau von z.B. Frisch- und Sauerkraut, Broccoli, Bierrettich, Kopf- und Eissalat, Feld-, Senf- und Einlegegurken, Roten Rüben, Sellerie, Spargel, Speisekürbis, Zucchini, Porree und Zuckermais marktführend bzw. marktbedeutend.
Bio Produktion und strenge externe Kontrollen
Die OÖ Gemüseproduzenten produzieren zu 100 Prozent nach den strengen AMAG.A.P.-Richtlinien bzw. den AMA-BIO Richtlinien. Der Anteil des Biogemüseanbaues beträgt mittlerweile über 22 Prozent der Anbaufläche, das sind ca. 390 Hektar und die Tendenz ist steigend. Regelmäßige Aufzeichnungen, Schulungen und Betriebsevaluierungen gehen einher mit mehreren Betriebskontrollen jährlich hinsichtlich Düngung, Pflanzenschutz, Bewässerung, Hygiene, Fremdarbeitskräftebeschäftigung und Warenfluss am Markt.
Angebot und Nachfrage – Konsument und Produzent im Schulterschluss
Zu Saisonbeginn sind die ersten Erntemengen traditionell gering. Deshalb findet man im Supermarkt oft noch Frischgemüse aus südlicheren Ländern, welches das heimische Angebot in der Startphase häufig bremst bzw. zurückhält. Der „aktive“ Konsument, welcher regionale österreichische Ware bevorzugt, kann durch Nachfragen eine schnellere Umstellung in den Regalen auf frische heimische Ware unterstützen.
Regionalität – Saisonalität – Marketing – Genuss Region Eferdinger Landl Gemüse
Der Verband der Obst- und Gemüseproduzenten ist in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer OÖ sowie mit den Partnern in der Verarbeitung, im Handel und der Vermarktung ständig bemüht, dem Konsumenten die Vorteile der heimischen Gemüseproduktion in Verbindung mit dem saisonalen Einkauf und Konsum aufzuzeigen. „Nur das Produkt der kurzen Wege, vom Feld bis zur Verarbeitung oder Vermarktung, garantiert bei Gemüse optimale Frische und Qualität zu einem fairen Preis“, betont Ewald Mayr, Obmann des Verbandes der Gemüsebauern OÖ.
Verstärkt werden diese Ziele durch vielseitige Öffentlichkeitsarbeit und verschiedenste Werbemaßnahmen wie mit der neu adaptierten Homepage www.gemueselust.at und dem facebook-Auftritt www.facebook.com/gemueselust.
Gemüse-WISSEN – www.gemueselust.at
Auf der Homepage www.gemueselust.at wurde eine Studie der Fachhochschule Wels (im Auftrag vom Verband der Obst- und Gemüseproduzenten und des Regionalentwicklungs- verbandes Eferding) eingearbeitet. Unter dem Button „Gemüse-Apotheke“ erhält man wichtige Informationen über sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, über Wirkung von Pflanzeninhaltsstoffen auf Krankheiten, über Krankheitsbilder und dergleichen mehr. Aber auch die vielen Erläuterungen zu den einzelnen Gemüsearten oder die Rezeptdatenbank sind auf interessierte Konsumenten abgestimmt.
Der Verband freut sich auch über die Meinungen der Konsumenten und tauscht sich gerne über das soziale Netzwerk Facebook aus: https://www.facebook.com/gemueselust/


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