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EFERDING/OÖ. Astrid Zehetmair zog vor etwas mehr als einem Jahr für die Volkspartei in den oberösterreichischen Landtag ein. Wie es ihr dort gefällt, was sie bisher umsetzen konnte und wie sie auf die Sorgen der jungen Leuten blickt, verrät die 29-Jährige im Tips-Interview.

Astrid Zehetmair ist seit einem Jahr Landtagsabgeordnete. (Foto: OÖVP)
Astrid Zehetmair ist seit einem Jahr Landtagsabgeordnete. (Foto: OÖVP)

Tips: Wie blicken Sie auf Ihr erstes Jahr als Landtagsabgeordnete zurück?

Astrid Zehetmair: Das erste Jahr als Abgeordnete im OÖ. Landtag ist für mich wie im Flug vergangen. Ich durfte in dieser Zeit viele Erfahrungen machen und Menschen kennenlernen. Ich blicke auf ein bewegtes Jahr zurück.

Tips: Sie haben bereits politische Arbeit auf kommunaler Ebene im Eferdinger Gemeinderat erlebt. Wo liegen die größten Unterschiede zur Landesebene?

Zehetmair: Der Unterschied spiegelt sich klar in den unterschiedlichen Ebenen und den damit verbundenen Entscheidungen wider. Das, was wir im Gemeinderat beschließen, hat meist unmittelbar spürbare Auswirkungen auf die Bürger. Im Landtag ist die Hintergrundarbeit in Ausschüssen und Arbeitsgruppen intensiver, die Auswirkungen von Beschlüssen, bei Gesetzen zum Beispiel, sind nicht immer für jeden sofort merkbar.

Tips: Welche Ideen konnten Sie bereits einbringen oder umsetzen und welcher Landtagsbeschluss hat Sie am meisten gefreut?

Zehetmair: Mir liegt der Jugendschutz sehr am Herzen, deswegen habe ich mich für die Kennzeichnung von retuschierten Bildern in sozialen Medien starkgemacht. Geschönte Bilder führen zu einer verzerrten und verminderten Selbstwahrnehmung besonders bei Kindern und Jugendlichen. Davor müssen wir sie schützen. Wir haben unsere Forderungen im Landtag in einem mehrheitlichen Beschluss an die Bundesregierung gesandt, weil es hierfür eine österreichweite Lösung braucht.

Tips: Fühlen Sie sich als junge Politikerin im Landtag manchmal zu wenig gehört oder ernst genommen?

Zehetmair: Nein. Der Austausch zu den Landtagskollegen sowie zu den Mitgliedern der Landesregierung ist sehr gut. Das ist keine Frage des Alters, sondern ob man seine Anliegen glaubhaft und gut vertritt.

Tips: Bereiten Ihnen die Milliardenpakete zum Ausgleich der Teuerung angesichts der hohen Neuverschuldung Sorgen für die kommenden Generationen?

Zehetmair: Ja, denn wir wollen unseren Kindern einen Rucksack voller Chancen und nicht voller Schulden hinterlassen. Auch wenn die weltweiten Ereignisse aktuell ein Abrücken vom Null-Schulden-Kurs notwendig machen, so müssen wir so schnell es geht wieder dazu zurückkehren.

Tips: Was raten Sie jungen Menschen, die von der Teuerung sehr stark betroffen sind?

Zehetmair: Ich möchte, dass junge Menschen selbst in der Lage sind, ihren finanziellen Lebensalltag zu bestreiten und nicht auf Ratschläge angewiesen sind, auch in Krisenzeiten. Der Umgang mit Geld findet in der Schule im Moment viel zu wenig Aufmerksamkeit, ich trete daher für verpflichtende Finanzbildung im Unterricht ein.

Tips: Immer mehr junge Menschen stellen die Fünf-Tage-Woche bzw. 40-Stunden-Arbeitswoche in Frage und wollen nur mehr Teilzeit arbeiten. Die 30-Stunden- bzw. Vier-Tage-Woche ist derzeit in aller Munde. Verstehen Sie das? Wo liegen Ihrer Einschätzung nach die Gründe dafür?

Zehetmair: Ich kann verstehen, dass viele Menschen viel Zeit für ihre Freizeit haben möchten. Wenn man einen Beruf findet, den man gerne macht und dafür brennt, stellt sich die Frage einer Vier-Tage-Woche erst gar nicht. Viele Arbeitgeber lassen sich sehr viel für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einfallen. Da gibt es betriebliche Fitnessstudios, Teambuildingmaßnahmen oder eine gesunde und regionale Küche in den Unternehmen. Vor wenigen Jahren hat das noch ganz anders ausgesehen. Das Berufsleben soll auch mit dem Familienleben vereinbar sein können. Gerade für junge Eltern ist eine gute Kinderbetreuung wichtig. Die aktuelle Kindertagesheimstatistik zeigt, dass das Land Oberösterreich und die Gemeinden gemeinsam am weiteren Ausbau der Kinderbildungs- und betreuungseinrichtungen arbeiten.

Tips: Menschen, die sich das Leben nicht mehr leisten können, fordern ein Ende der Sanktionen und Friedensinitiativen vonseiten der europäischen Politik bzw. ein Entgegenkommen in Richtung Putin seitens der Ukraine. Was ist Ihre Meinung dazu?

Zehetmair: Man muss ganz klar benennen, dass der Grund für die wirtschaftliche Krise nicht die Sanktionen sind, sondern es Putin ist, der wenige Hundert Kilometer von uns entfernt einen Angriffskrieg führt. Natürlich halte ich die Sanktionen gegen Russland für notwendig und angebracht. Putin hat mehrmals klargemacht, dass er kein Interesse am Ende der Eskalation hat, ich sehe daher auch keine Alternative zu den Sanktionen. Ob sie treffsicher sind, muss laufend überprüft werden. Die Arbeitsplatzsicherheit und der soziale Zusammenhalt in unserem Land dürfen aber nicht gefährdet werden.

Tips: Wollten Sie immer schon Politikerin werden?

Zehetmair: In der Volksschule habe ich in den Freundschaftsbüchern immer „Friseurin“ oder „Sängerin“ beim Berufswunsch ausgefüllt. Der Beruf „Politikerin“ war zwar nicht meine erste Wahl, aber ich habe mich schon immer gerne für andere Menschen eingesetzt.


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