"Seit ich mich erinnern kann, wollte ich Geschichten erzählen"
EICHGRABEN. Im April hat der Eichgrabner Pavel Kamil (Pseudonym) mit „Kulinarische Reiseodyseen und andere Schweinereien“ sein erstes Buch veröffentlicht. Tips bat zum Interview.

Tips: Herr Kamil, wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Pavel Kamil: Seit ich mich erinnern kann, wollte ich Geschichten erzählen und sie niederschreiben. Schon in meiner Schulzeit waren Aufsätze meine Lieblingsaufgaben. Vor allem als Jugendlicher verfasste ich politisch motivierte Gedichte und einige von ihnen wurden in diversen Lokalzeitungen sowohl in meiner Heimat als auch in Österreich in einer Zeitung der tschechischen Minderheit veröffentlicht. Nach meiner Emigration nach Österreich habe ich meine Erinnerungen an den „Prager Frühling“, meine Flucht und das Fußfassen in Österreich mehr oder weniger in Tagebuchform festgehalten. In meinem Berufsleben in Österreich war ich zuerst als Techniker in einem österreichischen Industrieunternehmen und dann in einem deutschen als Verkaufsleiter beschäftigt. Ich bereiste 30 Jahre lang anfangs die Sowjetunion, später Russland, alle postkommunistischen Länder und Österreich. Jeder Kundenbesuch musste schriftlich dokumentiert werden. Ich hatte genug zu schreiben. Meine Berichte waren immer lang und sehr ausführlich – zum Leidwesen meiner Vorgesetzten und Mitarbeiter. Empfehlungen, meine Berichte kurz und bündig abzufassen, negierte ich meistens, denn wenn ich schrieb, war ich nicht mehr zu stoppen. Meine Erlebnisse auf meinen Dienst- und Privatreisen, die teilweise lustig, komisch oder sogar skurril waren, habe ich über viele Jahre hinweg stichwortartig aufgezeichnet mit der Absicht, sie in meiner Pension ausführlich zu Papier zu bringen.
Ist „Kulinarische Reiseodysseen und andere Schweinereien“ Ihr erstes Buch?
Ja, es ist mein erstes Buch. Ich arbeite an weiteren Kurzgeschichten sowie an meiner Autobiografie.
Wie lange haben Sie daran geschrieben?
Wie bereits erwähnt habe ich Jahre lang meine Erlebnisse stichwortartig festgehalten. Die Ausformulierung zu Geschichten und die endgültige druckreife Fassung hat ungefähr zwei Jahre in Anspruch genommen. Die lange Reifungsdauer ist damit begründet, dass mich nicht immer die Muse küsst und andere Verpflichtungen auch erledigt werden müssen.
Was erwartet die Leser dieses Buches?
Lustige, komische, ja sogar skurrile Situationen, die mir in meinem ganz „normalen Alltag“ passiert sind oder die ich beobachtet habe. Regie führte meistens das „Absichtlichkeitsgesetz“ oder meine eigene Ungeschicklichkeit. Durch meine Erzählungen möchte ich jenen Menschen helfen, die ebenfalls durch das Leben tappen und öfter durch dieses unfaire Absichtlichkeitsgesetz geprüft werden, dass sie sich aus einer peinlichen Affäre mit folgender Aussage retten: „Das ist ja gar nichts, was mir da passierte . Habt ihr das Buch „Kulinarische Reiseodysseen und andere Schweinereien“ gelesen? Da erzählt einer über peinliche Situationen und deren Ausgang. Es ist unglaublich, was der angestellt und erlebt hat!“
Warum haben Sie sich für das Reisethema entschieden?
Nachdem ich über 30 Jahre als Verkaufsleiter dienstlich in Mittel- und Osteuropa einschließlich Russland unterwegs war, erlebte ich die im Buch erzählten Situationen vorwiegend auf meinen Dienstreisen.
Was haben Sie beruflich gemacht (das Buch handelt ja von Begebenheiten auf Ihren Dienstreisen)?
Ich bin HTL-Ingenieur und war – wie erwähnt – anfangs in einer Firma in Wien als Techniker beschäftigt. Später war ich 30 Jahre lang als Verkaufsleiter für zehn Länder in Mittel- und Osteuropa einschließlich Russland zuerst für dieses österreichische und dann für ein deutsches Unternehmen verantwortlich. Die Tätigkeit war sehr reiseintensiv. Doch nicht nur auf Dienstreisen, sondern auch auf meinen Privatreisen und im Alltag in meinem Wohnort erlebte und erlebe ich auch noch heute zahlreiche Situationen, die wie es scheint durch das „Absichtlichkeitsgesetz“ herbeigeführt werden.
Was führt Ihrer Meinung nach Regie im Leben: Schicksal oder „Absichtlichkeitsgesetz“?
Ich bin davon überzeugt, dass das Absichtlichkeitsgesetz die Regie in meinem Leben führt! Ich kann nicht glauben, dass das Schicksal für jede komische Situation und für jede peinliche Tat, die ich in meinem Leben erlebte oder besser gesagt, die mir passierte, die Finger im Spiel hatte. Das Schicksal soll, meiner Meinung nach, für gröbere und etwas unangenehmere, leider sehr oft auch tragischere Begebenheiten in unserem Leben den Kopf hinhalten.
Was verstehen Sie genau unter „Absichtlichkeitsgesetz“?
Das ist jenes Gesetz, das – wie es scheint – pausenlos im täglichen Leben zuschlägt, wenn man es am wenigstens erwartet. Ein einfaches Beispiel gefällig? Man sitzt stundenlang im Büro oder sonst wo und es passiert nichts. Gerade dann, wenn man auf die Toilette muss oder dort schon sitzt, kommt der Anruf des Chefs. Oder noch ein passenderes Beispiel: Man steigt am Abend im Regen aus dem Auto und direkt in die Hundescheiße. Was kann hier bitte das Schicksal dafür? Für mich ist es klar: Das Absichtlichkeitsgesetz trifft einen unerwartet und immer mitten ins Gesicht!
Könnten Sie eine skurrile bzw. peinliche Situation auf Ihren Dienstreisen beschreiben?
Ich habe durch das Zuschlagen der Absichtlichkeit mit meinem Kopf eine Glaskugel von einem Lüster zu Fall gebracht und diese fiel genau auf das Tablett, auf dem sich ein hundertjähriges Porzellanservice mit meinem Frühstück befand. Alle diese kostbaren und zarten Tellerchen und Schälchen die meinem Gastgeber – der gleichzeitig mein Kunde war – gehörten und auf die er unglaublich stolz war, waren zerbrochen. Ich musste meine ganze Überredenskunst unterstützt mit reichlicher Geldbuße – bei meiner Gastgeberin anwenden, um aus dieser heiklen Situation heil herauszukommen. Nachzulesen unter der Geschichte „Teures Frühstück oder wie man auf einmal alle „neun“ umlegt“.


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