Grenzenloses Miteinander
EISGARN/LITSCHAU. Der Verein „Together“ organisiert seit über 15 Jahren künstlerische Aktivitäten im Waldviertel und benachbarten Tschechien. Tips bat Vereinsgründerin und Obfrau Elisabeth Springer zum Gespräch.
von ERICH SCHACHERL

„Together“ heißt miteinander und genauso ist es auch gemeint“, erklärt Elisabeth Springer den Namen des Vereins, den sie im Jahr 2000 mit einigen Gleichgesinnten gründete und nach mehr als 15 Jahren mit Engagement und Freude immer noch leitet. „Es geht darum, miteinander etwas auf die Beine zu stellen, miteinander zu arbeiten, miteinander künstlerisch aktiv zu sein“, erläutert sie weiter. Jugendliche und Kunstschaffende in Österreich und Tschechien lernen einander außerhalb schulischer Strukturen kennen und entwickeln gemeinsam künstlerische Projekte. „Plattform für interkulturelle Jugendprojekte im Grenzraum“ heißt das dann offiziell auf der Website oder auf Facebook. Der Fall des Eisernen Vorhangs und die damit einhergehende Öffnung der Grenze zur Tschechischen Republik waren so etwas wie eine Initialzündung, erinnert sie sich: „Entstanden ist die Idee im Zuge der Grenzöffnung, dadurch sind die Möglichkeiten künstlerische Aktivitäten in der Region zu organisieren, gestiegen“.
Traumberuf Lehrerin
Schon von Kindesbeinen an interessiert sich die gebürtige Wienerin für Kunst und Kultur. Selbst Künstlerin zu werden, gehörte nicht zum Lebensplan, denn „Lehrerin, das war mein Traumberuf“, erzählt sie. 1979 folgte sie dem Ruf der Schulbehörden ins Waldviertel, die damals Personal suchten. Sie ist noch immer da – „ich verstehe mich inzwischen als Waldviertlerin“ - genießt ihr Leben in der Region und die viele Zeit, die nun nach der Pensionierung für Aktivitäten des Vereins bleibt.
Vielfalt
Und das sind ganz schön viele, wie ein Blick auf den Kalender zeigt. Einige Beispiele: Am 16. Jänner 2016 wurde die Ausstellung „Respekt“ im Eisgarner Stift eröffnet, am 10. Februar die Ausstellung „Bunte Welt“ im tschechischen Sezimovo Ústí. Am 5. März begann der internationale Workshop „Stein & Silberdraht“ im Gemeinschaftsraum der Marktgemeinde Eisgarn. Anfang Mai nahm Together beim Heidenreichsteiner Kunsthandwerksmarkt teil. Von Mai bis September war der Verein an der Aktion „Stolz auf unser Dorf – Integration von Zugezogenen und AsylwerberInnen“ vom Dorferneuerungs- und Verschönerungsverein Eisgarn beteiligt. Am 25. Juni lud Together die Harfenspielerin Monika Stadler in die Kapelle Reingers zum Konzert „Song for the earth“. Am Tag darauf wurde die Ausstellung „Die Kunst der Hände / Spitzen – kunstvolle Handarbeiten“ eröffnet. Und dann von 2. bis 9. Juli das fünfte internationale Art-Symposium „Via Lucis“ im Stift Eisgarn. „Via Lucis“ - übersetzt bedeutet das Weg des Lichts - hat sich in den vergangenen fünf Jahren zu einem großen Projekt entwickelt.
Via Lucis
„Die Idee ist, dass sich Künstler an einem Ort treffen, dort eine Zeit lang wohnen, sich kennenlernen, künstlerisch tätig sind und am Ende der Woche eine gemeinsame Präsentation der entstandenen Werke zeigen“, erklärt Elisabeth Springer, worum es geht. „Ein weiterer Schwerpunkt ist es, Menschen und Kunst aus Ländern in Ost- und Süd-Ost-Europa bekannt zu machen, von denen wir wenig Vorstellung haben“, ergänzt sie. Warum in Eisgarn? „Eisgarn hat sich ungemein angeboten. Der Pfarrer ist ein sehr offener Mensch, an vielem interessiert und die Räumlichkeiten im Stift sind auch vorhanden. Wir sind sehr freundlich aufgenommen worden“, erklärt Springer. Ein wichtiges Detail fügt sie noch dazu: „Wir legen Wert darauf, dass die Bevölkerung in das Projekt einbezogen wird. Wir sind sehr interessiert, dass die Leute kommen und sich zum Beispiel auch den künstlerischen Arbeitsprozess anschauen“.
Dass Elisabeth Springer und ihre Vereinskollegen mit ihren Aktivitäten gut unterwegs sind, zeigen auch die zahlreichen Preise, die sie schon erhalten haben. Bereits im ersten Vereinsjahr gab es das Europasiegel für innovative Sprachenprojekte. 2001 folgte der Jugendförderungspreis der Grünen Bezirksgruppe Gmünd, 2002 der Dr. Erwin Pröll Zukunftspreis. 2004 dann der Anerkennungspreis des Landes Niederösterreich in der Kategorie Kulturinitiativen, 2005 wurde Together für die grenzüberschreitende Kulturarbeit vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur ausgezeichnet. Und noch im gleichen Jahr ging der Innovationspreis Euregio an den Verein.
Zukunftspläne
Ideen und Pläne für die Zukunft gibt es nicht wirklich, weil es nicht die Art des Vereins ist, weit im Voraus zu planen. „Bei uns gibt es nicht so etwas wie ein Jahresprogramm. Wir sind sehr spontan und flexibel und versuchen auf aktuelle Gegebenheiten reagieren zu können“, schildert die Obfrau. Ein Beispiel: Im Herbst 2015 kamen die ersten Flüchtlinge nach Eisgarn, bereits im Jänner 2016 wurde die erste Ausstellung mit Arbeiten einiger künstlerisch tätiger Flüchtlinge eröffnet. „Irgendwie geht es sicher weiter“, sagt die engagierte Kulturvermittlerin.


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