20 Jahre Bürgermeister von Enns: keiner hielt sich länger
ENNS. Im Alter von 34 Jahren wurde Franz Stefan Karlinger (SPÖ) in der Gemeinderatssitzung vom 1. Juli 1997 zum Bürgermeister gewählt und angelobt. Seither sind 20 Jahre vergangen.

Donnerstag, 1. Juli 1997: ein besonderer Tag für Karlinger, der sich schon damals zum Ziel gesetzt hat, die Amtszeit seiner Kollegen zu übertreffen. Die erste Hürde wartete allerdings schon im Oktober des gleichen Jahres. Doch Karlinger war gewappnet.
Erste Direktwahl
Drei Monate nach Karlingers Amtsantritt wurde der Bürgermeister zum ersten Mal direkt von der Bevölkerung gewählt. Die erste Bewährungsprobe wartete in der Person von Gottfried Kneifel (ÖVP). „Hätte ich damals gegen Kneifel verloren, hätte ich mit drei Monaten die kürzeste Amtszeit zu verzeichnen und wäre gleichzeitig der jüngste Altbürgermeister gewesen“, erzählt Karlinger im Gespräch mit Tips. Dass es so weit nicht gekommen ist, zeigt die Geschichte. Insgesamt viermal trat Karlinger zur Bürgermeisterwahl an, viermal konnte er sie gewinnen.
Der Weg des Bürgermeisters
Karlinger, der sich selbst als erdigen Menschen bezeichnet, blickt auf einen klassischen Werdegang zurück: Ende der 80er-Jahre nahm er sich zum Ziel, Bürgermeister der Stadt Enns zu werden und verfolgte es eisern. 1988 wurde er Parteivorsitzender der SPÖ, von 1991 bis 1997 war er erster Vizebürgermeister und Mitglied in den Ausschüssen für Jugend-, Schul- und Sport- sowie für Wirtschaftsangelegenheiten.
Karlingers Motivation
Das Grundziel seines Schaffens definiert Karlinger wie folgt: „Es war mir immer wichtig, in meiner Heimatstadt gestalterisch tätig zu sein und Ideen einzubringen. Das war mein Ansporn vor 20 Jahren und das ist er heute noch.“ Politische Ziele auf Landesebene waren für Karlinger hingegen nie ein Thema. „Für mich musste meine Arbeit schon immer mit meiner Heimatstadt verbunden sein. Die Mitarbeiter der Gemeinde sowie der Gemeinderat, aber auch viele Ennser, die sich ehrenamtlich engagieren, sind mir über die Jahre direkt ans Herz gewachsen. Die Zusammenarbeit ist von Fairness und Kollegialität geprägt, wofür ich mich an dieser Stelle bei allen bedanken möchte. Ein besonderer Dank gilt meiner SP-Fraktion, die mich die ganzen Jahre immer sehr stark unterstützt hat“, so der Bürgermeister.
Die bittersten Stunden
Dass in einer 20 Jahre andauernden Karriere nicht alles nach Wunsch verläuft, musste auch Karlinger am eigenen Leib erfahren. „Spontan fallen mir da zwei Situationen ein, die mir extrem nahegegangen sind: zum einen, die Schließung des Ennser Krankenhauses und zum anderen als ich gespürt habe, dass es mir nicht möglich ist, alle Hausbesitzer in Enghagen (Absiedelung) zufriedenstellen zu können.“
Freudige Momente
Ob die Errichtung des Ennser Gesundheitszentrums, die Cittàslow- Positionierung, das Angebot der Kinderbetreuung, der Bau des Gymnasiums oder die Entwicklung des Schloss Ennsegg: „Ich kann auf viele glückliche Momente in meiner Amtszeit zurückblicken, das macht mich stolz.“
Ein Blick in die Zukunft
Ob Karlinger auch im Jahr 2021 zur Bürgermeisterwahl antritt, steht noch in den Sternen. „Auf jeden Fall werde ich diese Amtsperiode beenden, dann sehen wir weiter. Die Arbeit muss mir Spaß machen, der Rückhalt in der Familie da sein und die Gesundheit mitspielen. Und sollte ich auch 2021 noch immer das Gefühl haben, den Rückhalt der Mehrheit in der Bevölkerung zu genießen, dann kann man nie wissen“, lässt der Bürgermeister Raum für Spekulationen.
Erfolgsgeheimnis
„Gemeinsam mehr erreichen!“ – drei Worte, von denen Karlinger überzeugt ist. „Ich habe immer versucht, alle Parteien einzubinden und konsensorientiert zu arbeiten. Außerdem ist es mir wichtig, nicht die Parteiorientierung in den Vordergrund zu stellen, sondern für alle gleichermaßen zu arbeiten. Und ich denke, ich bin ganz gut damit gefahren.“
Die Familie als Anker
„Ohne meine Familie wäre es mir nicht möglich gewesen, diesen Beruf so lange auszuüben. Meine Frau Doris trägt meinen Berufswunsch mittlerweile seit 20 Jahren mit und hat immer Verständnis dafür gezeigt. Auf der anderen Seite hatte es mein Sohn Tobias als Sohn des Bürgermeisters nicht immer leicht. Bei beiden möchte ich mich auf diesem Weg von Herzen bedanken. Es ist sehr wichtig, nicht zu vergessen, woher man kommt und jeden Tag ruhigen Gewissens in den Spiegel blicken zu können“, sagt Karlinger abschließend.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden