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Prozess "Moverz" gibt Kindern und Jugendlichen der Wohngruppe SMILE Enns mehr Mitspracherechte

Thomas Lettner, 16.06.2020 17:00

ENNS. Die sozialpädagogische Wohngruppe SMILE Enns beteiligt sich seit sechs Jahren am Prozess „Moverz“, der von der Kinder- und Jugendhilfe Oberösterreich und dem Verein Sozialpädagogik Oberösterreich ins Leben gerufen wurde.

  1 / 2   (v.l.) Bewohnerin Pia, Bereichsleiterin Alexandra Hertl und Laura, die als Moverz-Buddy in der Wohngruppe tätig ist. Fotos: Thomas Lettner

Die Wohngruppe Enns wurde 2010 eröffnet. Trägerverein ist STI, ein Verein zur Förderung sozialpädagogischer und therapeutischer Initiative. Das schon fast im Grünen gelegene Haus bietet Einzelzimmer für neun Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 16 Jahren. Derzeit sind drei Mädchen und sechs Burschen darin untergebracht. „Die Kinder und Jugendlichen kommen aus unterschiedlichen Gründen zu uns. Die Eltern sind aufgrund von Suchtproblemen, Arbeitslosigkeit oder Gewalt in der Familie mit der Erziehung überfordert und können sich nicht ausreichend um die Kinder kümmern“, sagt Alexandra Hertl, die Bereichsleiterin der Wohngruppe.

Eltern bleiben im Boot

Wenn in einer Familie Probleme auftauchen, arbeiten Sozialarbeiter zuerst mit den Eltern. Sehen sie das Kindeswohl als gefährdet an, können die Sozialarbeiter den Eltern empfehlen, ihr Kind in die Wohngruppe zu geben. Die Eltern entscheiden selbst, ob sie diesen Schritt unternehmen. „Nicht nur den Kindern, auch den Eltern soll es besser gehen. Deshalb bleiben sie, selbst wenn ihr Kind in der Wohngruppe untergebracht ist, weiterhin im Boot. Die Kinder und Jugendlichen können auch jederzeit wieder zurück, sofern sich die Lage zuhause gebessert hat“, erklärt Hertl.

Wie in einer Familie

In der Wohngruppe SMILE kümmern sich sechs Pädagogen um die Kinder und Jugendlichen. Der Tagesablauf und der Aufenthalt in der WG werden so familienähnlich wie möglich gestaltet. Nach dem Frühstück gehen die Kinder und Jugendlichen in den Kindergarten oder in die Schule. Mit der 16-jährigen Bewohnerin Pia, die die Berufsschule in Ried im Innkreis besucht, gibt es auch einen Lehrling im Haus. Am Nachmittag stehen die Hausübungen und Lernen mit Unterstützung der Pädagogen am Programm. In der Freizeit und am Wochenende wird gemeinsam gespielt. Es werden auch Ausflüge und Radtouren unternommen, Freunde besucht oder Filme angesehen.

Starker Zusammenhalt

Die Kinder und Jugendlichen erhalten im Rahmen von Moverz regelmäßig Besuch von Buddys, ehemaligen oder aktuellen Bewohnern anderer WGs. „Die Grundidee von Moverz ist, dass die Kinder und Jugendlichen mehr Mitspracherecht und Informationen erhalten. Es soll nicht über ihre Köpfe hinweg entschieden werden“, sagt Hertl. Tauchen Probleme auf, tauschen sich die Buddys mit den Pädagogen vor Ort oder in größeren Moverz-Treffen darüber aus. Das Motto von Moverz lautet „Stay strong!“. Der Slogan und das Moverz-Logo stammen von Laura, die als Buddy in der Ennser WG tätig ist. „An Moverz gefällt mir der Zusammenhalt. Es wird keiner zurückgelassen. Alle sind für einen da, selbst wenn man gar nicht mehr in der WG wohnt“, sagt sie.


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