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ENNS. Als die Ennserin Helga Frohn 1996 für ein einjähriges Praktikum im Boston Marriott-Hotel in die USA ging, waren die Vereinigten Staaten noch ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Seitdem hat sich einiges verändert.

Helga Frohn mit ihrem Mann Jerry, der früher bei IBM arbeitete. Foto: Frohn
Helga Frohn mit ihrem Mann Jerry, der früher bei IBM arbeitete. Foto: Frohn

„Die Armut hat in den vergangenen zwanzig Jahren in den USA sehr zugenommen. Es gibt so gut wie keine Mittelschicht mehr“, berichtet Frohn. Gemeinsam mit ihrem Mann Jerry, der früher als Software Engineer bei IBM arbeitete, verdiente sie 240.000 Dollar im Jahr. „Das reichte uns gerade einmal, um einen Lebensstandard vergleichbar mit dem in Österreich zu haben“, sagt sie. Sehr teuer sind in den USA beispielsweise Handytarife und Strom, billig sind dagegen Autos und Sprit.

Gute Ausbildung ist teuer

Auch für Bildung muss man tief in die Tasche greifen. „An Volksschulen (elementary schools) wird keine Handschrift und kein Einmaleins gelehrt. Alles wird interaktiv aufbereitet und vorgelesen“, sagt Frohn. Will man seinem Kind eine bessere Ausbildung ermöglichen, bleibt nur eine teure Privatschule. Die Ausbildung ihres Sohnes William kostete sie pro Jahr 10.000 bis 20.000 Dollar. 2017 ist Frohn mit ihrer Familie nach Enns zurückgekehrt, wo William nun die NMS 1 besucht.

Abkehr von Trump

Aufgrund seines charismatischen Auftretens waren Helga Frohn und ihr Gatte bei der Wahl 2016 für den republikanischen Kandidaten Donald Trump. Die Begeisterung verflog allerdings schnell. Das von Donald Trump unterzeichnete Steuergesetz (Tax Cuts and Jobs Act) habe den Großfirmen, aber nicht den Bürgern geholfen. Obwohl das Wirtschaftswachstum unter Trump nicht schlecht verlief, habe er sich außenpolitisch mit China und Europa überworfen und innenpolitisch eine nie dagewesene Polarisierung der Bevölkerung verursacht. „Aus den Vereinigten Staaten von Amerika sind die geteilten Staaten von Amerika geworden“, beklagt Frohn.

Trotzreaktion befürchtet

Heuer trat sie für den demokratischen Kandidaten und jetzigen President-elect (gewählten, aber noch nicht amtierenden Präsidenten) Joe Biden ein. „Ich bin äußerst glücklich, dass Biden gewonnen hat. Mit Trump wären vier Jahre Horror-Show auf uns zugekommen. Jetzt können wir uns auf hoffentlich friedvollere Zeiten einrichten“, sagt Frohn. Trumps Äußerungen, die Demokraten hätten die Briefwahlen manipuliert, kann sie nicht nachvollziehen. Das Briefwahlsystem in den Staaten sei dazu viel zu komplex. Dass es aufgrund der Wahlniederlage zu einer Trotzreaktion von Trump kommen könnte, sei nicht auszuschließen. „Ich rechne damit, dass er China oder Süd-Korea auf wirtschaftlicher Ebene provozieren wird“, befürchtet Frohn.


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