„Es gibt positive Signale für einen weiteren Test-Standort im Raum Enns“
LINZ-LAND. Die Notwendigkeit, bei Inanspruchnahme einer körpernahen Tätigkeit wie eines Friseurbesuchs, einen nicht älter als zwei Tage negativen Corona-Test vorzuweisen, ließ die Wogen im Bezirk hochgehen. Viele Gemeinden, darunter federführend Enns, Traun und Ansfelden forderten neben Leonding und Neuhofen einen weiteren permanenten Teststandort in Linz-Land.

„Eintrittstests für körpernahe Dienstleister – für mich absolut nicht nachvollziehbar und eine nicht durchdachte Maßnahme, deren Sinnhaftigkeit ich massiv infrage stelle. Hat sich jemand Gedanken darüber gemacht, wie zum Beispiel ältere Menschen, die nicht mehr so mobil sind, dies bewältigen sollen? Oder ob es überhaupt ausreichend Testmöglichkeiten in der unmittelbaren Umgebung gibt?“, forderte Trauns Bürgermeister Rudolf Scharinger (SPÖ) das Land auf, zusätzliche Teststandorte zu schaffen. Auch die anderen Fraktionen der fünftgrößten Stadt in OÖ unterstützen diese Forderung.
Zahlreiche Anfragen
Die Bezirkshauptmannschaft Linz-Land wurde in den letzten Tagen mit Wünschen bestürmt. „Es gab viele Bürgermeister, die an mich herangetreten sind und einen Standort für Testungen in zumindest näherer Umgebung gefordert haben“, erklärt Bezirkshauptmann Manfred Hageneder, der Verständnis dafür aufbrachte. „Aufgrund der Größe des Bezirkes wäre es uns ein Anliegen, dass wir zumindest einen dritten Standort im Bezirk bekommen“.
„Die Dauerteststraßen müssen zu den Menschen kommen und nicht umgekehrt. Zurzeit müssen die Ansfeldnerinnen und Ansfeldner im Bezirk Linz-Land viele Kilometer zurücklegen, um zu einem kostenlosen Covid-Schnelltest zu kommen. Das ist völlig unattraktiv und kommt einer Schikane gleich – vor allem für die vielen Seniorinnen und Senioren, aber auch für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Und vom Umweltschutz möchte ich gar nicht reden, wenn die Menschen zwar vor Ort zum Friseur oder zur Massage möchten, vorher aber 20 bis 40 Kilometer oder mehr mit dem Auto zurücklegen müssen, um einen Test zu bekommen“, übt auch Ansfeldens Bürgermeister Manfred Baumberger (SPÖ) heftige Kritik.
Auch die FPÖ will sich mit der Situation nicht abfinden. „Ich selbst habe mich im Forum Neuhofen testen lassen, um am Montag meinen Friseur aufzusuchen, aber besonders um mir von der Situation selbst ein Bild zu machen. Mein Zeitaufwand mit der insgesamt 24 Kilometer langen Fahrt von Ansfelden nach Neuhofen und retour war etwa eine Stunde“, so Vizebürgermeister Christian Partoll, der betont, dass das für ihn machbar sei, die „Prozedur“ für ältere oder weniger mobile Menschen jedoch oft nicht möglich sei.
SPÖ bietet Mithilfe an
SPÖ-Bezirksparteivorsitzender Tobias Höglinger hat aufgrund der aufgeheizten Stimmung reagiert und zu einer SP-Bürgermeister-Runde eingeladen, in der ein Angebot an Gesundheits-Landesrätin Christine Haberlander (ÖVP) formuliert wurde, bei der Organisation lokaler Teststraßen mitzuwirken.
„Wir könnten sofort in mehreren Städten und größeren Gemeinden die Räumlichkeiten und die Infrastruktur zur Verfügung stellen, so wie wir das auch bei den Massentestungen erfolgreich bewiesen haben. Vor allem im Raum Enns gibt es aus unserer Sicht einen großen Bedarf an zusätzlichen Testmöglichkeiten. Und sollte es an freiwilligen Helfern scheitern, werden wir auch hier gemeinsam Lösungen finden“, so die roten Ortschefs unisono.
Enns fordert vehement eigenen Teststandort
„Der Krisenstab des Landes Oberösterreich sollte dafür Sorge tragen, dass ein flächendeckendes Netz an Dauerteststraßen ausgebreitet wird. Ich ersuche das Land Oberösterreich, den derzeitigen Status zu überdenken und der Stadt Enns, aber auch weiteren Gemeinden die Möglichkeit zu geben, in ihrem Gemeindegebiet Schnelltestungen durchführen zu können,“ forderte Bürgermeister Franz Stefan Karlinger (SPÖ). Die Stadt wäre zudem dazu bereit, die Stadthalle an mehreren Tagen pro Woche kostenlos zur Verfügung zu stellen und auch das notwendige Verwaltungspersonal bereitzustellen.
Weiterer Standort greifbar
Die Stadtgemeinde Enns ist in dieser Sache schon seit einigen Tagen mit der Bezirkshauptmannschaft Linz-Land in Verhandlung und es wurde auch deren Unterstützung signalisiert. „Die Notwenigkeit nach einer weiteren Teststraße wird auch vom Landesstab so gesehen“, gibt Bezirkshauptmann Hageneder am Montag zu Protokoll. „Die höchste Priorität hätte in der ersten Phase sicherlich Enns. Es gibt diesbezüglich auch positive Signale; ich hoffe, dass sich das in den nächsten Tagen entscheiden wird“.
Apotheken sollen für Erleichterung sorgen
Neben der Entscheidung, dass auch betriebliche Tests, die von medizinischem Personal abgenommen wurden sowie Tests in Alten- und Pflegeheimen bei körpernahen Dienstleistern akzeptiert werden, bieten auch einige Apotheken im Bezirk seit Montag kostenlose Antigen-Tests an. „Der Apothekenbereich bietet eine breite Streuung und wird sicher zu einer besseren Abdeckung führen“, so Bezirkshauptmann Manfred Hageneder. Eine Übersicht der beteiligten Apotheken findet man unter: www.apothekerkammer.at/gratis-schnelltests


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden