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Waldlabor erforscht Auswirkungen des Klimawandels auf Baumarten

Thomas Lettner, 11.04.2022 12:01

KRONSTORF. Auf einem 4.500 Quadratmeter großen Grundstück in Winkling entsteht eines der ersten OÖ Waldlabore des OÖ Landesforstdienstes. 45 in- und ausländische Baumarten wurden gepflanzt, um zu erforschen, ob sie den Auswirkungen des Klimawandels standhalten können.

Landesrätin Michaela Langer-Weninger und Projektleiter Christoph Jasser (Foto: Schaffner Lisa)
  1 / 2   Landesrätin Michaela Langer-Weninger und Projektleiter Christoph Jasser (Foto: Schaffner Lisa)

„Der Klimawandel ist Fakt und erfordert Handlungsmaßnahmen. Wie weitreichend seine Auswirkungen auf die heimischen Wälder sind, haben die Borkenkäferjahre 2018 bis 2020, aber auch das erste Quartal des heurigen Jahres gezeigt. Bereits 86 Waldbrände gab es heuer in Österreich aufgrund der lang anhaltenden Trockenheit. Um aber die Erwärmung der Erde zu stoppen und CO2 langfristig zu speichern, braucht es intakte, klimafitte Wälder. Welche Baumarten sich für den Wald der Zukunft am besten eignen, daran wird in den Waldlaboren des OÖ Landesforstdienstes geforscht“, erklärte Forst- und Agrar-Landesrätin Michaela Langer-Weninger (ÖVP).

18 Millionen Festmeter Fichten vernichtet

Beinahe die Hälfte der oberösterreichischen Landesfläche, genauer gesagt 45 Prozent, ist von Wäldern bedeckt. Dominierende Baumart ist nach wie vor die Fichte. Über viele Jahrzehnte galt der Nadelbaum wegen seiner vielseitigen Verwendungsmöglichkeit und seines guten Wachstums als der Brotbaum der Forstwirtschaft. Doch mit den immer länger werdenden Trockenperioden kam auch die Fichte an ihre Grenzen. Geschwächt durch fehlende Niederschläge und abgeknickt durch diverse Stürme wurde der Fichtenbestand zum leichten Fressen für den Borkenkäfer. In den vergangenen fünf Jahren sind so mehr als 18 Millionen Festmeter in Österreich vernichtet worden.

Waldwirtschaft braucht neue Baumarten

Bei der Standortwahl für das Waldlabor in Winkling wurde ganz gezielt ein ziemlich trockenes Fleckchen Erde gewählt, da künftig aufgrund der erhöhten Temperaturen und der jahreszeitlichen Verschiebung der Niederschläge mit häufigeren und längeren Trockenheitsphasen – vor allem im Sommer – zu rechnen ist. Weitere Waldlabore entstehen im Mühlviertel. „Der Klimawandel stellt die Waldwirtschaft vor sehr große Herausforderungen. Besonders in niederschlagsarmen Regionen und wärmeren Tieflagen wird sich die Anzahl geeigneter heimischer Baumarten für die Waldbewirtschaftung deutlich reduzieren. Hier ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Waldwirtschaft neue Baum­arten brauchen wird, um auch in Zukunft hochwertiges Holz zu produzieren“, erläutert Projektleiter Christoph Jasser vom OÖ Landesforstdienst.

Forschungsergebnisse erst in einigen Jahrzehnten

Insgesamt 44 Baumarten bzw. Herkünfte werden im Waldlabor in Winkling gepflanzt. „Darunter finden sich auch solche Baumarten, die bisher kaum im heimischen Wald verwendet worden sind, wie die Gelbkiefer aus den USA, Zedern aus Nordafrika und der Türkei, Tulpenbaum, Amberbaum, Baumhasel und Zelkove“, erklärt Jasser. Verglichen werden die „Neuankömmlinge“ mit wärmeliebenden Baumarten aus Oberösterreich wie Stieleiche, Winterlinde und Elsbeere, aber auch mit im Osten Österreichs natürlich vorkommenden Baum­arten wie Flaumeiche, Zerr­eiche, Speierling und Hopfenbuche. Darüber hinaus werden im Waldlabor Herkünfte von österreichischen Baumarten wie der Schwarzkiefer und mit Herkünften aus südlicheren Gebieten wie beispielsweise aus Kalabrien oder Korsika verglichen. Von jeder Baumart wurden zwölf Bäumchen gesetzt. Nach fünf Jahren wird eine erste Zwischenbilanz gezogen. Aussagekräftige Forschungsergebnisse wird man aber erst in einigen Jahrzehnten haben.


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