„Team Ukraine“ bringt tonnenweise Hilfsgüter aus Kronstorf ins kriegsgebeutelte Land
KRONSTORF/BEHEROVE. Ein kleiner Konvoi aus drei Bussen machte sich am Freitag auf in die Westukraine, um gespendete Waren für Kriegsflüchtlinge an Partner vor Ort zu übergeben. Tips-Redakteur Thomas Lettner war beim Hilfstransport dabei.

Um sechs Uhr morgens holt mich Anton Auinger aus Kronstorf am vereinbarten Treffpunkt in Amstetten ab. Noch etwas schlaftrunken setze ich mich in den mit bis zu einer Tonne Lebensmitteln, Waschutensilien, Decken, Windeln und Hygieneartikeln randvoll gefüllten Bus, der uns von der Firma Gebol zur Verfügung gestellt wurde. Den ersten Halt machen wir in St. Pölten. Im zweiten Bus, der uns dankenswerterweise von der Firma Johann Weinberger Metallverarbeitung geliehen wird, sitzen Wilhelm Bühringer und Eva Auinger. An der Raststation Göttlesbrunn kurz vor der ungarischen Grenze treffen wir auf Franz Roth und Karl Grabner aus dem dritten Bus, und unser „Team Ukraine“ ist komplett.
Langes Warten an der Grenze
Nach stundenlanger Fahrt quer durch die savannenartige, ewig flache und von Trockenheit gezeichnete Landschaft Ungarns erreichen wir um 16 Uhr den ungarisch-ukrainischen Grenzübergang in Beregsurány. Eine halbe Stunde später sind alle Formalitäten erledigt und wir dürfen weiterfahren. Auf ukrainischer Seite geht es leider nicht so glatt. Fast drei Stunden lassen uns die Grenzbeamten warten. Erst als unsere Dolmetscherin Maria sichtlich gereizt mit dem Auto ankommt und interveniert, werden unsere Busse kontrolliert, und wir dürfen passieren. Auf schlechten Straßen geht es in der Dunkelheit weiter in das Städtchen Beherove, wo wir in einem Lokal zu Abend essen. Rund 70 Prozent der Einheimischen hier haben Ungarisch als Muttersprache, der Rest Ukrainisch. Im Fernsehen berichtet der ukrainische Sender ICTV über die politischen Ereignisse und den Krieg. Beim Essen erfahren wir, wo wir die nächsten zwei Nächte verbringen. Ich beziehe mit Willy ein Zimmer in einem Priesterseminar der griechisch-katholischen Kirche, in dem auch Flüchtlinge aus dem Osten untergebracht sind. Bei einer Zigarette unterhalte ich mich per Google-Translator kurz mit einem jungen Mann aus Charkiw, der das Glück hatte, als mehrfacher Familienvater nicht zur Armee eingezogen zu werden.
Besuch bei Soldaten
Das Wetter am Samstag zeigt sich von seiner schlechten Seite. Es ist regnerisch und windig. Mit Unterstützung von Maria und ihren Helfern beginnen wir mit dem Ausladen eines Busses. Danach geht es weiter nach Wynohradiw, wo wir einem Waisenhaus einen Besuch abstatten, das zu einem griechisch-katholischen Kloster gehört. Die Waren werden in einen Bus umgeladen, der weiter nach Mariupol fährt. Das Programm an diesem Tag lässt nicht viel Zeit zum Verschnaufen. Zurück in Beherove fahren wir zu einer Schule, in der Flüchtlingskinder betreut werden. Danach geht es weiter in ein Krankenhaus, in dem leichtverletzte Soldaten ein kleines Geschenk von uns bekommen. Zwischendurch gibt es einen Kaffee im Restaurant „Parisel“, das vom Krieg völlig unberührt zu sein scheint.
Wechselbad der Gefühle
Am Nachmittag ist das Kistenschleppen endlich erledigt. Maria lädt uns zu einer befreundeten Winzerin ein, in deren Weinkeller wir verschiedene Weiß- und Rotweinsorten verkosten. Das Abendessen im Lokal schmeckt wieder einmal köstlich. Maria befindet sich nun, da der Abschied naht, in einem Wechselbad der Gefühle. Stolz und gleichzeitig schwermütig berichtet sie vom heroischen Abwehrkampf der ukrainischen Armee und bedankt sich für unsere Hilfe, die ihr in dieser schweren Zeit, in der täglich so viele Menschen sterben müssen, eine große Freude bereitet. Den restlichen Abend diskutieren wir über den Sinn und Unsinn des Krieges, wobei die Meinungen auseinandergehen, wir aber einen Konsens finden: Der Krieg wird von uns allen vehement verurteilt.
Nächster Transport wartet
Zeitig in der Früh stehen wir am nächsten Morgen auf. Maria macht uns Frühstück und packt uns ein Lunchpaket. Wir verabschieden uns von ihrem Mann Viktor, der als Priester zur Messe muss. Maria begleitet uns noch bis zur Grenze, wo es dieses Mal trotz einer Drogenkontrolle zügiger vorangeht. Auf einer Raststätte in Ungarn verabschieden wir uns von Franz und Karl, die noch etwas Sightseeing machen wollen. Der Rest kehrt müde zurück nach Österreich. Das Team Ukraine legt aber keine Pause ein. Haltbare Lebensmittel, Decken sowie Wasch- und Hygieneartikel können an der Sammelstelle in der Hochratherhalle (alter Billa-Standort) in Kronstorf abgegeben werden. Nähere Informationen gibt es nach Ostern auf der Homepage der Marktgemeinde Kronstorf.


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