Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

ENNSDORF/ENNS. Der neu gegründete Verein Mauthausenkomitee Enns gedachte gestern am 20. April der Opfer der Todesmärsche vom April 1945.

  1 / 4   Gabriele Käferböck, die Vereinsobfrau des Mauthausenkomitee Enns, hielt beim Stiegenaufgang der Basilika Enns-St. Laurenz eine kurze Ansprache. (Foto: Thomas Lettner)

An die 22.000 Menschen - vorwiegend jüdische Frauen, Männer und Kinder - wurden im April 1945 vom KZ Mauthausen/Gusen über Enns ins Außenlager Gunskirchen (Bezirk Wels-Land) getrieben. Die Gedenkveranstaltung begann beim Bildstock in Ennsdorf, wo 33 Opfer des Todesmarsches in einem Massengrab bestattet wurden. „Der 20. April hatte im Dritten Reich eine ganz besondere Bedeutung. Wenn wir heute ein Stück der ehemaligen Todesmarschstrecke der ungarischen Juden nachgehen, setzen wir ein Zeichen dafür, dass so etwas nie wieder passiert“, sagte der Ennser Bürgermeister Christian Deleja-Hotko (SPÖ).

Zeitzeuge berichtet

Der Gedenkweg führte über die Ennsbrücke weiter zur Basilika Enns-St. Laurenz. Einen ersten Zwischenstopp gab es an der Ecke Wiener Straße/Österreichische Romantikstraße, wo im Herbst ein Denkmal errichtet wird. Das Denkmal wird eine Figur beinhalten, die an die Rettung des Häftlings David Hersch erinnert, dem an dieser Stelle zum ersten Mal die Flucht aus dem Todesmarsch gelang. Eine große Tafel mit einem Relief erläutert die damaligen Ereignisse und dokumentiert anhand kleiner Gedenksteine die Opferzahlen in den Gemeinden des Bezirks Linz-Land, die entlang der Todesmarsch-Route liegen (in Enns starben 87 Häftlinge). Der zweite Zwischenstopp wurde bei der Bäckerei Winkler eingelegt. An dieser Stelle berichtete Zeitzeuge Fritz Loibl (92 Jahre) aus Enns davon, wie er als Jugendlicher Erdäpfel auf die Straße rollte, um sie den Häftlingen zu geben. Ein SS-Mann vertrieb ihn damals mit den Worten „Verschwind, sunst gehst mit!“

Steine mit Häftlingsnamen

Beim Stiegenaufgang der Basilika Enns-St. Laurenz hielt Gabriele Käferböck, die Vereinsobfrau des Mauthausenkomitee Enns, im Glockengeläut der Kirche eine kurze Ansprache. Danach wurde der Opfer gedacht wurde, indem Steine mit aufgemalten Häftlingsnummern und Namen niedergelegt wurden. Ein Vortrag mit Musik zum Thema „Musikalische Gewalt in den NS-Konzentrationslagern – Kultivierte Barbarei“ mit Paul Schuberth (Akkordeon) und Elisa Lapan (Saxophon) im Pfarrsaal schloss die Gedenkveranstaltung ab. Am Freitag, 6. Mai, 17 Uhr, findet in Herzograd am Anna Strasser-Platz eine Gedenkfeier anlässlich des 77. Befreiungstags des KZ-Außenlagers statt. Bundespräsident a.D. Heinz Fischer, Historikerin Brigitte Bailer-Galanda und Kaplan Franz Sieder referieren zum Thema „Politischer Widerstand“.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden