"Kinder von Portugal" - Zeitzeugin über lebenslanges Heimweh und tiefe Dankbarkeit
ENNS. Anneliese Ziegler erinnert sich: Als Siebenjährige wurde sie mit 1.000 anderen Kindern nach Lissabon geschickt, um sich von der Not der Nachkriegsjahre zu erholen. Im Erzählcafé des Mauthausenkomitee Enns sprach sie über die Eindrücke dieser einschneidenden Erfahrung.

Schlecht ernährt, untergewichtig, kränklich, dazu noch Halbwaise: Anneliese Ziegler erfüllte alle Voraussetzungen, um im Juni 1949 per Zug und Schiff nach Portugal verschickt zu werden. Nur mit Koffer und Erkennungskarte, zum Zweck der Erholung – so wie Tausende andere österreichische Kinder in den Nachkriegsjahren.
Elf Monate verbrachte die siebenjährige Ziegler als Spielgefährtin bei einer vermögenden und strenggläubigen Familie in Lissabon. Das Portugiesische war schnell erlernt, jedoch stellte sich eine andere Sprachlosigkeit ein: „Ich konnte bald nicht mehr Deutsch, nur ein paar Worte“, berichtete sie im Erzählcafé.
Nach einem knappen Jahr musste das Mädchen im April 1950 Widerwillen zurück nach Österreich: Die leibliche Mutter war ihr fremd geworden, der Schulalltag gestaltete sich anfangs schwierig, das Heimweh nach Portugal wollte nicht aufhören.
Mit 37 Jahren reiste Ziegler auf der Suche nach ihrer Ziehmutter erneut in den Westen Europas - und fand sie sogar. Immer wieder gab es Besuche, mit der ältesten Tochter hatte Ziegler bis ins Jahr 2018 Kontakt. „Geblieben ist eine unendliche Dankbarkeit für das schönste Jahr meiner Kindheit“, so die Zeitzeugin.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden