Zwischenstopp für Hilfstransport
ENNs. Der französische Journalist und Fotograf Hervé Champollion fährt seit Kriegsbeginn regelmäßig in die Ukraine. Sein Ziel war es aber nicht, aus der Ukraine zu berichten, sondern die Bevölkerung mit Hilfsgütern zu versorgen. Von Frankreich aus ging die Reise mehrmals über Enns, wo die erste Zwischenrast eingelegt wurde.

Im März 2022 kurz nach Kriegsbeginn in der Ukraine erhielt Tips- Redakteur Simlinger einen Anruf eines Kollegen. „Weißt du eine Übernachtungsmöglichkeit in Enns, ich bin auf dem Weg in die Ukraine?“ Hervé Champollion war aber nicht in seiner Funktion als Journalist auf dem Weg.
Als spät in der Nacht ein Fiat Ducato vorfährt und Hervé sichtlich müde nach mehr als 1.000 Kilometern Fahrt aussteigt, erklärt er, dass der Zweck der Fahrt ein anderer sei. „Bitte keine Tür öffnen, sonst fällt etwas raus“, warnte Hervé, als das Gepäck ausgeladen wurde. Der Kastenwagen war bis oben gefüllt mit Medikamenten, medizinischen Geräten und Kleidung. Der erste Transport wurde nach einem Treffen mit Ukrainern aus Paris spontan organisiert und Hervé, der mehrere Sprachen spricht und die Ukraine mehrmals bereist hatte, erklärte sich bereit, den Hilfstransport durchzuführen.
Abenteuerliche Anfahrt
Dass die Sache nicht ganz einfach werden würde, war ihm von Anfang an klar. Die Lage in der Ukraine war zu diesem Zeitpunkt schwer abzuschätzen und es war ungewiss, ob und wo er die Grenze in die Ukraine passieren konnte. Nach dem Start am frühen Morgen ging es durch das tief verschneite Rumänien bis an die ukrainische Grenze. Als Ziel war zunächst Odessa geplant, da in dessen Krankenhäusern viele Verwundete aufgenommen wurden. Am 9. März 2022 erreichte Hervé schließlich die Ukraine. Auf der Fahrt war beim schwer beladenen Transporter ein Reifen geplatzt. Zudem gab es in der Ukraine zahlreiche Kontrollpunkte, bei denen der Transport immer wieder aufgehalten wurde. Am darauffolgenden Tag wurde schließlich ein Termin mit einem ukrainischen LKW-Fahrer vereinbart und die Fracht umgeladen.
Sechs Hilfstransporte 2022
Im Laufe des letzten Jahres wurden insgesamt sechs Transporte abgewickelt. Mehrmals ging die Route über Enns, wo Hervé jedes Mal einen nächtlichen Zwischenstopp einlegte. Aufgrund der sich ändernden Situation führte die Route manchmal auch über Polen. 14,5 Tonnen Hilfsgüter wurden auf diese Art ins Kriegsgebiet transportiert. Die Hälfte davon waren Medikamente, ein Viertel Lebensmittel und ein Viertel Kleidung und Hygieneartikel. Auch zwei Kastenwagen wurden in die Ukraine gespendet und Hervé trat die Rückreise mit der Bahn oder dem Bus an.
Krankenwagen überstellt
Ende April 2023 meldete sich Hervé erneut: „Wir kommen diesmal mit einem Rettungswagen, der im Auftrag des Vereins Ambulanciers Sans Frontières von der Stadt Tours nach Saporischschja in die Ukraine überstellt wird.“ Es war fast Mitternacht, als Hervé mit seinem 78-jährigen Beifahrer Jean Marc den Rettungswagen, der mit 80 Paketen medizinischer Ausrüstung beladen war, auf dem Parkplatz vor der Ennser Feuerwehr einparkte. „Wir wurden immer wieder wegen des Blaulichts aufgehalten“, erklärte er. Der alte Rettungswagen hatte die Aufmerksamkeit der Polizei erregt und wurde auf dem Weg von Frankreich nach Enns insgesamt viermal kontrolliert. Der Versuch, das Blaulicht abzumontieren, scheiterte, also wurde kurzerhand das Drehlicht mit Klebeband abgedeckt. Am Freitag, den 5. Mai erreichten Hervé und Jean Marc wohlbehalten ihr Ziel und konnten den Krankenwagen übergeben.


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