Neuer Koordinator im Museum
ENNS. Der Donaulimes bildete einst die Grenze des Römischen Reichs und wurde im Jahr 2021 von der UNESCO zum Welterbe ernannt. Der Archäologe Christian Hemmers ist Koordinator des im Vorjahr gegründeten Vereins Forum Donaulimes.

Das Heidentor in Petronell-Carnuntum ist das wahrscheinlich bekannteste Bauwerk am österreichischen Donaulimes. Der mächtige Triumphbogen ist von Weitem sichtbar und hat die lange Zeit besser als die meisten anderen Bauwerke aus der Römerzeit überdauert. Von den meisten Bauwerken sind nur Grundmauern erhalten, die teilweise einige Meter unter der Erdoberfläche liegen. Es ist die Arbeit der Archäologen, diese Gebäudereste freizulegen und zu erforschen. Christian Hemmers besuchte als Zehnjähriger das Amphitheater im kroatischen Pula. Neben dem Kolosseum und der Arena in Verona zählt das mächtige Bauwerk zu den am besten erhaltenen Gebäuden aus der Römerzeit. Das Gebäude hinterließ einen bleibenden Eindruck bei Christian und nach der Matura am BRG-Landwiedstraße schloss er in Salzburg das Studium der Klassischen Archäologie mit dem Doktorat ab. Aktuell ist Hemmers Geschäftsführer des im Oktober 2022 gegründeten Vereins Forum Donaulimes. Von seinem Büro im Ennser Museum Lauriacum koordiniert er die Zusammenarbeit der 22 Orte entlang des österreichischen Donaulimes und bildet die Schnittstelle zum Bundesdenkmalamt. In Zukunft wird Hemmers auch noch von zwei Site-Managern in Nieder- und Oberösterreich unterstützt werden.
Grenze des Imperiums
Der Donaulimes bildete mehrere Jahrhunderte die Grenze des Römischen Reiches. Die Donau in Österreich bildet auf 357,5 Kilometern die historische Flussgrenze. An zahlreichen Orten entlang der Donau sind insgesamt 40 sichtbare Denkmäler erhalten, 15 Museen widmen sich dem UNESCO-Welterbe Donaulimes. Die materiellen Hinterlassenschaften bilden seit vielen Jahren einen archäologischen Forschungsschwerpunkt in Österreich. Nur wenige Befunde aus der Römerzeit sind oberflächlich erhalten, der Großteil der Fragmente liegt unter der Erdoberfläche. Aufgabe der Archäologen ist es, die Artefakte freizulegen und dem historischen Kontext zuzuordnen. Daneben erfolgt ein Monitoring der Fundstellen. Bei regelmäßigen Kontrollen wird unter anderem der Einfluss von Witterung und Klimawandel dokumentiert.
Bedeutende Funde in Enns
Lauriacum war als Legionsstützpunkt eine beutende Stadt am sogenannten Limes Noricus. Im Ennser Ortsteil Lorch findet man zahlreiche unterirdische Gebäudefragmente, die bei Bauarbeiten ans Tageslicht kommen. Trifft man bei Bauarbeiten auf einen historischen Gebäudeteil oder werden Fundstücke freigelegt, ist man verpflichtet, den Fund an das Bundesdenkmalamt zu melden.
Die weitere Vorgangsweise liegt im Ermessen des Amtes. „Wir wollen die Leute nicht sekkieren, bei privaten Bauvorhaben wollen wir gemeinsam mit den Bauherren eine Lösung finden“, erklärt Hemmers im Interview, der in Zukunft seine Funktion auch als Schnittstelle zum Bundesdenkmalamt sieht. „Bauverzögerung gibt es meistens dort, wo man unvermittelt auf archäologische Funde stößt. Wenn das Bundesdenkmalamt jedoch rechtzeitig von Baumaßnahmen auf archäologisch bekannten Flächen erfährt, kann mit entsprechender Vorlaufzeit geplant werden.“
Kalkbrennöfen als Museum
Viele Fundstellen werden nach eingehender Erforschung und Dokumentation wieder abgedeckt. In einigen Fällen sind die Funde aber derart bedeutsam, dass sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. In Enns wurden im nördlichen Bereich des Lagers Lauriacum römische Kalkbrennöfen freigelegt. Über einen der vier Meter hohen Bauwerke wurde ein Schutzbau errichtet. Der Brennofen kann kostenlos besichtigt werden, eine Multimediapräsentation im Gebäude gibt Einblick in die Ausgrabungen und die Technik der Kalkbrennerei.
Sondengänger unterwegs
Historische Stätten wie Carnuntum und Lauriacum sind Anziehungspunkt für Hobbyarchäologen. Die Metallsuche auf einem Grundstück mit unter Denkmalschutz gestellten Bodendenkmalen ist nur mit Genehmigung des Bundesdenkmalamtes erlaubt. Für Suchgänge mit dem Metalldetektor ist allerdings die Zustimmung des Grundbesitzers nötig, Grabungsarbeiten dürfen nicht durchgeführt werden. Zudem müssen Funde an das Bundesdenkmalamt gemeldet werden. „Es gibt Hobbyarchäologen, mit denen wir gut zusammenarbeiten, es gibt aber auch schwarze Schafe, die ihre eigene Suppe kochen, die Funde nicht melden und versuchen, das Material gewinnbringend zu verkaufen“, erklärt Hemmers. Ohne so manchen Sondengänger wären aber gewisse Entdeckungen nie gemacht worden, daher kann eine Zusammenarbeit mit Sondengängern gelegentlich sinnvoll sein.


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