Erlebbare Stadtgeschichte im neuen Museum 1212 Enns
ENNS. Erstaunliche Einblicke in die Stadtgeschichte bietet das neue Museum 1212 Enns.

von Norbert Mottas
Im Schloss Ennsegg befindet sich das neue Museum 1212 Enns. Für die Gestaltung der Ausstellung konnte der Künstler Peter Hans Felzmann und für das inhaltliche Konzept der Historiker Roman Sandgruber gewonnen werden. Der wissenschaftliche Leiter des Museums, der Historiker Reinhardt Harreither, und der Obmann des Museumsvereins Lauriacum, Gottfried Kneifel, waren ebenfalls maßgeblich an der Einrichtung des neuen Museums beteiligt. Auf Wunsch führen sie durch das Museum. „Da können wir auf die speziellen Interessen der Besucher eingehen, zu den Exponaten erstaunliche Details erzählen. Das Museum ist aber so ausgerichtet, dass sich auch ohne Führung Interessierte auf eine Entdeckungsreise machen können.“
Idealerweise besucht man dieses Museum mehrmals, um die Fülle der ausgestellten Stücke und der Zusatzinformationen aufnehmen zu können.
Acht Themenbereiche
Aufgeteilt in acht Räume werden Themenbereiche der Stadtgeschichte aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet.
Im Raum 1 sind Stadtansichten aus unterschiedlichen Epochen zu sehen. Diese zeigen die Entwicklung der Stadt. So wie die Bürgerhäuser am Hauptplatz rund um den Stadtturm platziert sind, so sind auch die Vitrinen rund um ein Modell des Stadtturms gruppiert.
Virtueller Rundflug
Highlight des Raums ist ein virtueller Rundflug rund um die Stadtmauer von Enns. Bei wichtigen Gebäuden werden die alten Ansichten den gegenwärtigen gegenübergestellt. Wenn man diese Installation beobachtet hat, wird man beim Spaziergang durch die Stadt die historischen Gebäude mit ganz anderen Augen sehen.
Raum 2 und Raum 3 sind den bedeutendsten Dokumenten der Stadt gewidmet, der Georgenberger Handfeste und der Ennser Stadtrechtsurkunde.
Georgenberger Handfeste
Mit der Georgenberger Handfeste wurde die friedliche Vereinigung der selbstständigen Herzogtümer Steiermark und Österreich besiegelt. Sie wurde am Ennser Georgenberg unterzeichnet.
Um die geschichtlichen Hintergründe der Handfeste zu vermitteln, kann man ein Video abspielen, das einer Tagesschau aus dem Jahr 1186 nachempfunden wird. Der Reporter fragt Otakar IV. – beide dargestellt von Schauspielern – nach seinen Beweggründen, seine Herrschaftsrechte an Herzog Leopold V. und dessen Sohn Friedrich – ebenfalls von Schauspielern dargestellt – zu übertragen.
Wie das damals ausgesehen haben mag, kann man in einem großen Zinnfigurendiorama betrachten.
Stadtrechtsurkunde
Die bedeutendste Urkunde für Enns ist die Stadtrechtsurkunde aus dem Jahr 1212. Sie ist keine Stadtgründungs- oder Stadterhebungsurkunde, sondern enthält rechtliche Bestimmungen, wie strafrechtliche Bestimmungen, Erbrechte und bürgerliche Rechte, die Prozessordnung und Regeln der Stadtverwaltung. Auch hier wird Geschichte zum Leben erweckt: Eingeblendet in eine alte Stadtansicht erscheint auf Knopfdruck ein Urkundenschreiber aus dem Jahr 1212, der Gesetze aus der Stadtrechtsurkunde vorliest. Etwa was mit einem Mann geschehen soll, der einen anderen verletzt hat.
Darauf erscheint die Einblendung eines Juristen aus der Gegenwart, der die damaligen Gesetze den heutigen gegenüberstellt.
In diesem Raum finden sich auch das älteste Siegel der Stadt Enns, um 1240, und weitere historische Siegel.
Weitere Exponate des Raums 3 sind das Stadtrichterschwert, Stadttorschlüssel der Stadt Enns, eine Tischglocke aus dem 17. Jahrhundert, ein Gemälde des Ehepaars Barbara und Matthias Pumb, die Stadtkasse und Waffen zur Verteidigung der Stadt.
Städtische Einrichtungen
Raum 4 widmet sich den städtischen Einrichtungen, wie der Polizei, der Ennser Schützengesellschaft, der Feuerwehr, dem Bürgerspital und medizinischen Einrichtungen.
Eine Anekdote gibt es über den Arztkoffer des damaligen Stabsarztes Herbert Kneifel (1908– 2010) zu berichten. Sein Arztkoffer war in den Kriegswirren verloren gegangen. Durch Zufall entdeckte Kneifels Sohn Gottfried Kneifel den Koffer in einer Auslage in Wien und konnte ihn kaufen und dem Museum zur Verfügung zu stellen.
Religionen
Raum 5 widmet sich den Religionen in Enns. So reicht das Christentum in Enns zurück bis in die römische Zeit, als der spätere heilige Florian im Jahr 304 hingerichtet wurde. Im 16. Jahrhundert bekannten sich fast alle Ennser zum evangelischen Glauben. Doch 1624 mussten alle, die sich nicht umtaufen ließen, die Stadt verlassen. Noch schlimmer erging es den Juden in Enns. Tragische Einzelschicksale aus der Kriegs- und Nachkriegszeit werden im Raum 8 geschildert.
Es würde den Rahmen des Artikels sprengen, alle weiteren Besonderheiten des Museums 1212 Enns zu beschreiben. Die Empfehlung, dieses zu besuchen, kann nur unterstrichen werden.


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