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LINZ-LAND/OÖ. Laut Erhebungen des Bundesforschungszentrums für Wald (BFW) wurde 2019 erstmals die Marke von vier Millionen Hektar Waldfläche überschritten, was einem Anteil von etwa 48 Prozent an der Staatsfläche entspricht. Die Wälder beherbergen 3,4 Milliarden Bäume und 65 verschiedene Baumarten. Doch es vollziehen sich bedeutsame Veränderungen.

Der Klimawandel wirkt sich auch auf die Wälder aus (Foto: Turner-stock.adobe.com)
  1 / 2   Der Klimawandel wirkt sich auch auf die Wälder aus (Foto: Turner-stock.adobe.com)

Die Veränderungen sind offensichtlich: Der Klimawandel beeinflusst die Lebensbedingungen für Flora und Fauna in den Wäldern. Vor allem die Fichte, ein Eckpfeiler der heimischen Forstwirtschaft, leidet unter längeren Trockenperioden. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wird die Notwendigkeit des Übergangs von Monokulturen zu Mischwäldern immer deutlicher. Eine Herausforderung dabei ist die Tatsache, dass Jungtriebe, wie die der Tanne und anderer Laubbäume, für manche Wildtiere eine attraktive Nahrungsquelle darstellen und sie somit in Konkurrenz zum Menschen stehen.

„Hüter der Biodiversität“

Die Verantwortung der Jäger gewinnt in diesem Kontext an Bedeutung. Der Oberösterreichische Landesjagdverband und seine über 20.200 Mitglieder sind sich der Lage seit Langem bewusst, doch die aktuellen Veränderungen in Flora und Fauna stellen sie vor enorme Herausforderungen. Landesjägermeister Herbert Sieghartsleitner betont die zentrale Rolle der Jäger als Hüter der Biodiversität: „Die Dramatik hat sich bereits vor geraumer Zeit abgezeichnet und wir haben uns als Landesjagdverband natürlich entsprechend darauf vorbereitet. Aber jetzt sind wir mitten im Waldumbau, was uns Jäger vor enorme Herausforderungen stellt.“

Dialog statt Anschuldigungen

Die Debatte über die Zukunft der Wälder neigt in Österreich dazu, die Situation auf ein vermeintliches „Wald-Wild-Problem“ zu reduzieren. In Wirklichkeit handelt es sich jedoch vielmehr um ein Forst-Jagd-Thema. Mischwälder sind eine geeignete Antwort auf den Klimawandel, erfordern aber auch eine Anpassung der jagdlichen Situation. Man sei hier geneigt, den Jägern den „schwarzen Peter“ zuzuschieben und bringe gerne den Vorwurf, dass es den Jägern nicht gelänge, etwa die Zahl des Reh- und Rotwildes auf ein waldverträgliches Maß zu reduzieren, kritisiert Sieghartsleitner. Der seit zehn Jahren stattfindende Forst & Jagd-Dialog versucht, beide Seiten zusammenzubringen und Lösungen zu erarbeiten, was jedoch oft eine Herausforderung darstellt.

Abschusspläne erfüllt

Die Statistik beweist, dass Oberösterreichs Jäger die vorgegebenen Abschusspläne für Rotwild und Rehwild im Jahr 2021/22 erfüllt haben. Landesjägermeister Sieghartsleitner unterstreicht jedoch, dass das Erfüllen der Abschusspläne eine Kernaufgabe der Jagd ist, die von allen Jägern verstanden werden sollte.

Die aktuelle Situation der Wälder ist das Ergebnis vielfältiger Faktoren. Neben den Auswirkungen des Klimawandels spielen auch Veränderungen im Freizeitverhalten der Menschen eine Rolle. Die verstärkte Präsenz von Menschen in der Natur drängt Wildtiere weiter in die Wälder zurück und verändert ihre Verhaltensmuster. Eine angepasste Bejagung wird dadurch schwieriger. Daher wird vonseiten der Jägerschaft auch die Schaffung von Ruhezonen gefordert, um eine Entlastung für andere Lebensräume gewährleisten zu können.

Gemeinsamer Kraftakt

Landesjagdverband-Geschäftsführer Christopher Böck betont, dass es wichtig ist, die Gesamtsituation zu berücksichtigen und lösungsorientiert zu handeln. Die Jagd spielt eine wichtige Rolle im Naturschutz und ist ein entscheidender Regulator in der Kulturlandschaft. Um das ökologische Gleichgewicht zu erhalten oder wiederherzustellen, bedarf es einer gemeinsamen Anstrengung von Jagd, Forstwirtschaft und Landwirtschaft. Die Erhaltung der biologischen Vielfalt und die Leistungen der Ökosysteme sind essenziell für das Überleben der Menschen. Um diese herausfordernde Situation zu meistern, müssen sich alle Beteiligten die Hände reichen und zusammenarbeiten.

Infokampagne ruft auf zu gegenseitigem Verständnis

Die Jägerschaft fordert eine bewusstere Wahrnehmung ihrer Aufgaben in der Gesellschaft. Sie setzt sich aktiv für den Naturschutz ein, indem sie unter anderem Hecken und Wildäcker anlegt. Eine Info-Kampagne mit dem Titel „Das ist Jagd“ soll das Verständnis für die vielfältigen Aufgaben der Jagd stärken. Die Zukunft der österreichischen Wälder hängt von einem kooperativen Ansatz ab, der die Zusammenarbeit aller Beteiligten fördert. Nur so können die Wälder an die Herausforderungen des Klimawandels angepasst und langfristig geschützt werden, damit sie auch künftigen Generationen erhalten bleiben.


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