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Die richtigen Worte bei Freud oder Leid: Freie Rednerin lebt ihre Gabe

Leserartikel Gerlinde Riegler-Aspelmayr, 12.12.2023 12:30

ENNS. Ob schöner oder trauriger Anlass: Eine einfühlsame Rede kann eine Feier zu einem Ereignis werden lassen, von dem man noch lange spricht. Die Ennserin Lydia Ruckensteiner schreibt und trägt als Freie Rednerin solche Ansprachen vor. Sie selbst kam über Umwege zu diesem Beruf, der für sie ein sehr beglückender ist.

  1 / 2   Lydia Ruckensteiner fällt es leicht, passende und einfühlsame Worte zu finden. (Foto: Birgit Gantze)

Manchmal führt einen das Leben auf Wege, von denen man nie gedacht hätte, dass man sie betreten wird. So war es auch bei Lydia Ruckensteiner. „Hätte mir vor zehn Jahren jemand gesagt, dass ich einmal Freie Rednerin sein werde, hätte ich vermutlich geantwortet: Wie kommst du denn auf so etwas?“ Und doch fühlt sich für die Ennserin nun alles absolut stimmig und richtig an, wenn sie bei Trauerfeiern den Hinterbliebenen Trost und Beistand spendet oder bei Willkommensfesten die richtigen Worte zum Start ins Leben findet.

Worte – mit ihnen hatte alles begonnen. Vor vielen Jahren hatte Ruckensteiner eine persönliche Krise zum Schreiben geführt. Nach einer Überschwemmung ihres Zuhauses war sie mit ihrer Familie vor der Entscheidung gestanden: absiedeln oder bleiben? „Ich war innerlich zerrissen. In meinem Kopf herrschte nur Chaos“, erzählt sie. Irgendwann habe sie sich hingesetzt und begonnen, ihre Gefühle niederzuschreiben. „Plötzlich war es, als ob eine innere Mauer einbrach“, erinnert sich die Ennserin. Über 1.000 Gedichte und Texte entstanden. Ein Gedichtband und Lesungen folgten.

Anfragen für Reden und Texte häuften sich

Immer mehr sprach sich Lydia Ruckensteiners Gabe zum Verfassen von einfühlsamen Texten herum. Vermehrt wurde an sie vor Festlichkeiten (sowohl traurigen als auch erfreulichen) der Wunsch herangetragen: Kannst du uns nicht ein Gedicht oder eine kleine Rede schreiben?

Tod der Großmutter gab Anstoß für Rednerausbildung

Den entscheidenden Ausschlag, es nicht nur beim Schreiben zu belassen, sondern auch eine Ausbildung zur Freien Rednerin zu machen, gab der Tod ihrer Großmutter vor zwei Jahren. „Ich schrieb damals einen Teil der Trauerrede und bekam darauf sehr viel positive Resonanz . Von da an wusste ich: Ich möchte die Reden nicht nur verfassen, sondern sie auch persönlich vortragen.“ Trauerfeiern und Willkommensfeiern – auf deren Begleitung sich die 51-Jährige als mittlerweile zertifizierte Freie Rednerin spezialisiert hat – hätten eines gemeinsam: Es handle sich um Übergänge. „Beim Tod geht jemand in eine andere Welt und bei der Geburt kommt jemand aus dieser anderen Welt. Alles ist Teil eines größeren Ganzen. Die richtigen Worte und gut begleitete Rituale bei diesen Übergängen haben uns Menschen, unabhängig von Konfessionen, immer schon Halt gegeben. Sie verstärken und vertiefen bei schönen Anlässen unsere Freude und trösten und nähren uns in Leid und Trauer“, so Ruckensteiner.

Auch Hochzeiten seien solche Ereignisse, die das Leben in ein davor und ein danach einteilen. Ab 2024 möchte die Ennserin auch Paaren die Möglichkeit geben, sich von ihr begleiten zu lassen. Sei es in Form einer gefühlvollen Hochzeitsrede oder bei der Gestaltung des feierlichen Rahmens während der Trauung.

Nähere Informationen findet man unter www.rednerherz.com

Workshops über heilsame Kraft des Schreibens

Weil das Schreiben aus ihrem Leben mittlerweile überhaupt nicht mehr wegzudenken ist, bietet Lydia Ruckensteiner auch Kurse und Workshops an, um anderen den Weg zu zeigen, wie man schreibend zu sich selbst finden kann. „Ich fand erst durch eine Krise zur heilsamen Kraft der Worte. Diesen steinigen Weg kann man sich ersparen, wenn man bereits früher für sich entdeckt, wie erleichternd und beglückend es ist, Gedanken niederzuschreiben.“ Näheres unter: www.wort-geist-seele.at


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