Verkehrslärm ärgert die Bewohner
ENNS/ENNSDORF. Der Lärm entlang von Autobahnen und Durchzugstraßen stört viele Bewohner – und Abhilfe kann dort mit der Errichtung von Lärmschutzwänden geschaffen werden. Aber auch in verkehrsberuhigten Wohngebieten kommt es immer wieder zu Beschwerden über laute und zu schnell fahrende Verkehrsteilnehmer.

Im Jahr 2007 wurde Enns als erster Stadt ein Österreich der Titel „Cittaslow“ verliehen. Das in Italien entstandene Netzwerk umfasst mittlerweile 301 Städte weltweit, neben Enns auch die beiden österreichischen Städte Hartberg und Horn. Die Charta der Cittaslow-Bewegung enthält neben touristischen und kulinarischen Aspekten auch die Themen Umweltpolitik und Infrastruktur. Von einer Reduktion der Emission ist dort die Rede, die durch Förderung alternativer Mobilität geschehen soll. Verkehrsberuhigte Zonen, öffentlicher Nahverkehr, Radwege und Fußgängerzonen sollen die Lebensqualität im innerstädtischen Bereich erhöhen. Die Ennser Innenstadt unterscheidet sich allerdings kaum von anderen Städten, die nicht Teil der Cittaslow-Bewegung sind.
Verkehrsreiche Altstadt
Betritt man die Begegnungszone am Hauptplatz, begegnet man in erster Linie vielen Autos. Ungefähr 70 bis 80 Parkplätze stehen je nach Saison den Autos zur Verfügung, wenn nicht gleich der gewünschte Platz gefunden wurde, wird auch auf Flächen geparkt, die nicht als Parkplatz ausgewiesen sind. Auch die vorgeschriebene Geschwindigkeit von 20 km/h wird oft deutlich überschritten und die geltende Rechtsregel scheint den meisten gar nicht bekannt zu sein. Dass die Lebensqualität am Hauptplatz leidet, spürte man an den heißen Sommertagen: Beton und Blech sorgten für unerträgliche Hitze. Dieser Zustand ist vielen Bürgern ein Dorn im Auge. Daher wurde zusammen mit Architekten in einem Bürgerbeteiligungsprozess ein Konzept für die Innenstadtgestaltung erarbeitet.
Lärmgeplagte Wohngebiete
Aber auch außerhalb der Altstadt sind die Leute mit der Verkehrssituation unzufrieden. In den meisten Wohngebieten wurde mittlerweile eine 30er-Zone eingeführt und es gilt die Rechtsregel. An die Verkehrsregeln halten sich nur wenige und es kommt immer wieder zu deutlichen Überschreitungen der Geschwindigkeit. In der 30er- Zone beim Gesundheitszentrum ereignete sich vor zwei Jahren ein schwerer Unfall und auch auf der Stadlgasse kommt es immer wieder zu gefährlichen Situation, weil Autofahrer nicht vor den Schutzwegen anhalten, sie zu schnell fahren oder durch das Handy abgelenkt sind.
Bürgeranwalt eingeschaltet
Die Ennser Mühlenstraße war Anfang September sogar Thema in der Fernsehsendung „Bürgeranwalt“. Die Bewohner der Siedlung beklagen sich seit Jahren über Autofahrer, die zu den nahe gelegenen Firmen durch die Wohnsiedlung zufahren und sich weder an die Rechtsregel, noch an die Maximalgeschwindigkeit von 30 km/h halten. Aktuell ist dort bei einer Baustelle ein Geschwindigkeitsmessgerät aufgestellt, das den Autofahrern mit einem Smiley signalisiert, ob sich sich an die Geschwindigkeit halten. Beim Lokalaugenschein erschien bei fast allen Autos ein Smiley mit nach unten gezogenen Mundwinkeln, nicht wenige bretterten stark überhöhter Geschwindigkeit und ohne Rücksicht auf Fußgänger durch die Siedlung.Markus Haunschmid wohnt seit zwölf Jahren in der Mühlenstraße und fühlt sich vor allem durch den Lärm und die rücksichtslose Fahrweise der Pendler gestört.„Obwohl es eine andere Möglichkeit gibt, zu den Firmen zu fahren, nehmen viele Autofahrer den Weg durch die Wohnsiedlung, was zu einer Lärmbelästigung von den frühen Morgenstunden bis spät in dieNacht führt“, erklärt Haunschmid.2018 sammelte er rund 90 Unterschriften für die Forderung nach verkehrsberuhigenden Maßnahmen und wandte sich schließlich an den Bürgeranwalt. Seitens der Gemeinde seien bereits Maßnahmen gesetzt worden, erklärt Bürgermeister Christian Deleja-Hotko von der SPÖ. „Seit 2015 ist die durchschnittliche gemessene Geschwindigkeit um 12 km/h gesunken, auch die Anzahl der Fahrzeuge hat sich deutlich reduziert“, erklärt er. Für Haunschmid ist es dennoch unerklärlich, dass so viele Pendler durch die Wohnsiedlung fahren, denn es gibt eine andere Zufahrtsmöglichkeit aus westlicher Richtung. Zudem liegen die Firmen nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt und könnten auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden. Er wünscht sich ein „Fahrverbot, ausgenommen Anrainer“ in der Mühlenstraße.
Verkehrslärm in Ennsdorf
Auch in der niederösterreichischen Nachbargemeinde ärgert man sich über den Verkehrslärm. Bereits im Mai veranstaltete die SPÖ Ennsdorf eine Blockade der Westbahnstraße, um auf die belastende Verkehrssituation aufmerksam zu machen. Aktuell rufen Bürgermeister Daniel Lachmayr, Gemeinderätin Birgit Wallner und der Abgeordnete zum Nationalrat Alois Schroll von der SPÖ zur Unterstützung einer Petition an die ASFINAG auf. Die Petition fordert die Erhöhung und Neuerrichtung von Lärmschutzwänden entlang der Autobahn A1 im Ortsgebiet von Ennsdorf in Fahrtrichtung Salzburg. „Wir haben zahlreiche Beschwerden von Anrainern erhalten, deren Lebensqualität durch den permanenten Verkehrslärm erheblich gestört wird“, erklärt Lachmayr, der die bestehenden Lärmschutzmaßnahmen für nicht mehr ausreichend hält.


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