Hotelier Wolfgang Brunner: "Der Tourismus, die Hotellerie und die Restaurants sind das Blutgefäß einer Stadt"
ENNS. Die Corona-Krise hat große Auswirkungen auf den Tourismus und davon abhängige Betriebe. Tips sprach mit Wolfgang Brunner, dem Obmann des Tourismusverbands Enns.

Tips:Wie geht ein Tourismusverband mit einer Situation um, in der keine Touristen kommen bzw. was bedeutet das für ihn?
Brunner: Zunächst bedeutet es natürlich weniger Geld für den Tourismusverband, da jeder Hotelgast für die Übernachtungen eine Ortstaxe von zwei Euro bezahlt. Und von diesen zwei Euro gehen 40 Prozent wieder an den Tourismusverband retour. Enns zählt im Jahr etwa 70.000 Übernachtungen. Was das an Einbußen für den Tourismusverband und in weiterer Folge auch für Enns bedeutet, kann man sich ausrechnen.
Tips:Wie genau machen sich die Einbußen für Enns bemerkbar?
Brunner: Dazu muss man wissen, wofür das Geld des Tourismusverbandes herangezogen wird. Stichwort Veranstaltungen oder Radfähre: Gerade im Sommer organisiert die Stadt unzählige Freiluftveranstaltungen am Hauptplatz, die von unzähligen Menschen besucht werden und die wiederum ihren Konzertabend mit einem Besuch in der Gastronomie verbinden oder mit einem Einkaufsbummel. Fehlt dazu das Geld, kommen weniger Menschen in die Stadt, in die Gastronomie und in den Handel. Ohne Veranstaltungen, keine belebte Innenstadt. Ohne Gastronomie kein Handel und umgekehrt. Alles gehört zusammen. Es funktioniert nur alles gemeinsam.
Tips:Sie glauben also nicht, dass die aktuelle Öffnung des Handels gut funktionieren wird?
Brunner: Was ich sage ist, dass der Tourismus, die Hotellerie und die Restaurants das „Blutgefäß einer Stadt“ sind. Stellen Sie sich eine Stadt ohne Gastronomie vor. Die Menschen würden nicht extra in eine Stadt fahren, um dort einzukaufen, wenn man zwischendurch nicht irgendwo einen Kaffee trinken oder Mittagessen gehen kann. So lange die Gastronomie nicht aufsperren darf, solange wird das auch der Handel spüren. Und umgekehrt verhält es sich natürlich genauso.
Tips:Was erwarten Sie von der Öffnung der Gastronomie? Denken Sie, dass es lange dauern wird, bis der Normalbetrieb wiederhergestellt ist?
Brunner: Das kommt auf die Rahmenbedingungen an. Die Frage ist, ob das Leben dann gleich von null auf hundert hochgefahren wird und die Menschen dann gleich wieder zum Wirt essen gehen. Ich glaube das nicht. Ich hoffe, dass uns gewisse Maßnahmen erspart bleiben. Denn wenn man zum Beispiel für einen Gast drei Quadratmeter Platz freihalten muss oder nur jeder zweite Tisch verwendet werden darf, dann wäre das katastrophal. Grundsätzlich rechne ich aber damit, dass mit 1. Juni dieses Horrorszenario für die Gastronomie endlich ein Ende hat.
Tips:Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger hat aufgerufen, Urlaub in der Heimat zu machen. Wird das den lokalen Betrieben helfen?
Brunner: Bei Urlaub in Österreich denkt man zuerst an das Ausseerland, an den Wörthersee oder an einen anderen See. Die wenigsten werden in ihrem Heimatort Urlaub machen. Was man dabei nicht vergessen ist, dass der Tourismus in Enns in erster Linie von Business-Touristen lebt. Da hilft es uns im Speziellen wenig, wenn die Leute dann in Österreich Urlaub machen, was ja grundsätzlich wünschenswert wäre. Und noch wünschenswerter wäre es, wenn man dazu nicht erst eine Pandemie braucht.
Tips:Man hat schon vor der Krise viel vom Wirtesterben gehört. Ist das jetzt der Todesstoß?
Brunner: Das Wirtesterben wird kommen. In den nächsten drei Jahren werden 15 bis 20 Prozent der Gastronomiestätten zusperren müssen, weil sie es finanziell nicht mehr schaffen.
Tips:Ist die finanzielle Hilfe des Bundes und des Landes ausreichend?
Brunner: Von dem 38 Milliarden-Paket habe ich derzeit einen nicht nennenswerten Betrag bekommen. Das spüre ich nicht einmal. Jetzt ist die zweite Phase gestartet. Mal schauen, was die bringt. Was wir brauchen, sind Erleichterungen von der Gebietskrankenkasse. Stundungen helfen da nicht.
Tips:Wie sieht es mit der Radfähre aus?
Brunner: Wir haben die Öffnung der Radfähre mit 1. Mai fixiert, wobei die Radfähre nur an Feiertagen und an den Wochenenden fahren wird, sofern wir die Freigabe bekommen. Der Normalbetrieb sollte dann im Juni starten. Und natürlich müssen Sicherheitsvorkehrungen eingehalten werden. Beispielsweise dürfen statt zwölf nur sieben Personen die Radfähre nutzen und es müssen Schutzmasken getragen werden.


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27.04.2020 17:05
Essen in Enns
Ich freu mich schon wieder auf einen Besuch bei Euch am Stadtplatz!