Kronstorfer Politiker spielten wichtige Rolle bei der österreichischen Bundesverfassung
KRONSTORF. Die Bundesverfassung der Republik Österreich feierte am 1. Oktober ihr hundertjähriges Bestehen. Kaum einer weiß, dass zwei historische Persönlichkeiten aus Kronstorf dazu ihre Wegmarken hinterließen: Florian Födermayr in der 1. Republik und Rudolf Kirchschläger in der 2. Republik.

Meist wird mit der Verfassung der Staatsrechtler Hans Kelsen in Zusammenhang gebracht, der das Gesetz als „Konstrukteur“ zu Papier brachte. Nachdem mitten in den Wirren des Zusammenbruchs der Monarchie am 30. Oktober 1918 der Staatsgründungsbeschluss erfolgte, machte sich erst die konstituierende Nationalversammlung - die erste Sitzung gab es am 4. März 1919 - darüber Gedanken, ob der neue Freistaat auf zentralistischer oder föderalistischer Grundlage aufzubauen sei. Damals wurde für das Traunviertel der Kronstorfer Florian Födermayr nach Wien entsandt. Die Antragsteller hatten die Bundesverfassung der schweizerischen Eidgenossenschaft und der Vereinigten Staaten von Amerika zum Vorbild genommen, um die Bundesländer zu stärken.
Neue Spielregeln nach 1945
Am 14. Mai 1919 brachten Födermayr und sechs weitere Abgeordnete einen Antrag betreffend „Grundzüge der deutschösterreichischen Verfassung“ in die Nationalversammlung ein, wie der Kronstorfer Heimatforscher Gerhard Riedl in seinem Buch „Das Paradox des „Seid einig“ – Die Zerrüttung der 1. Republik“ erwähnt. Diese wurde 1934 vor Ausrufung des Ständestaates abgeändert und nach dem Anschluss an Nazi-Deutschland 1938 ganz aufgehoben. Erst nach dem Sieg über das Nazi-Regime wurde im Mai 1945 wieder auf die Verfassung des Jahres 1920 zurückgegriffen. Kurz danach konnte wieder ein Kronstorfer bei der Überlegung „neuer Spielregeln“ für eine moderne Demokratie eingreifen, nämlich der ehemalige Außenminister und Bundespräsident Rudolf Kirchschläger.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden