Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

HARGELSBERG. Seit ungefähr 300 Tagen ist der 38-jährige Christoph Lichtenauer als Bürgermeister von Hargelsberg in Amt und Würden. Zeit, sich einmal mit ihm zu unterhalten.

Christoph Lichtenauer arbeitet als Software Entwickler bei der CompuGroup Medical AG in Steyr und war zuvor in der Buchhaltung und Lohnverrechnung am Gemeindeamt tätig. (Foto: Gemeinde Hargelsberg)

Tips: Sie sind Software Entwickler bei der CompuGroup Medical AG. Wie können Sie Ihre beruflichen Erfahrungen in das Bürgermeisteramt einbringen?

Lichtenauer: Ich bin seit zehn Jahren bei der CompuGroup und habe vorher in der Buchhaltung und Lohnverrechnung am Gemeindeamt gearbeitet. Diese Erfahrungen kann ich jetzt enorm einbringen. Ich habe auch einige Prüfungen abgelegt wie zur Gemeindeordnung oder zum Allgemeinen Verwaltungsverfahrensgesetz (AVG) – also die ganzen gesetzlichen Grundlagen. Bezüglich der beruflichen Erfahrungen in der CompuGroup nehme ich mir das Miteinander in meine jetzige Tätigkeit mit. In der Softwareentwicklung durchläuft man ähnliche Zyklen wie hier am Gemeindeamt. Da gibt es auch Gremien und viele Rücksprachen mit den Kunden.

Tips: Profitiert die Gemeinde auch in punkto Digitalisierung durch Ihren Job?

Lichtenauer: Wir werden demnächst sehr stark digitalisieren. Es geht in Richtung papierloses Büro. Wir wollen den Posteingang als auch den Postausgang digitalisieren. Das System nennt sich „Easy“. Ich werde es gemeinsam mit meinem Amtsleiter Markus Stadlbauer umsetzen. Die Bürger wünschen sich schon seit langem, dass ihre Rechnungen elektronisch abgelegt werden und dass sie bequem erreichbar sind. Kronstorf hat auch vor, das System zu integrieren.

Tips: Wie haben Sie die ersten 300 Tagen Ihres Bürgermeisteramts in Bezug zur Corona-Krise erlebt?

Lichtenauer: Wesentlich anders als ich erwartet habe. Adventmärkte, Weihnachtsfeiern und Gratulationen hat es nicht gegeben, dafür hat man sich auf andere Dinge konzentrieren können. Für die Baustelle des neuen Musikheims war viel Zeit erforderlich, weil viele Entscheidungen zu treffen sind. Es ist erfreulich, wie man sich in so einer Zeit verändert. Das hätte ich nicht geglaubt.

Tips: Sie sind also gewachsen in der Zeit?

Lichtenauer: Ja, sei es in der Ruhe, in der Argumentation oder um Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen. Das ist ziemlich schnell gegangen.

Tips: Die Corona-Zeit hatte also auch ihre Vorteile?

Lichtenauer: Ja. Man war mit ganz neuen Dingen konfrontiert, in denen alle keine Erfahrung hatten. Wir haben Konzepte ausgearbeitet mit einer Ärztin, die dann Tests und Impfungen anbieten konnte. Auch die Vereine haben angefragt, wann sie wieder Veranstaltungen machen dürfen. Man hat ganz neue Probleme lösen müssen. Jetzt fahren wir wieder alles hoch.

Tips: Ist Hargelsberg eher Zuzugs- oder Abzugsgemeinde? Wie entwickeln sich die Wohn- und Mietpreise?

Lichtenauer:Wir sind definitiv eine Zuzugsgemeinde. Wir haben jetzt vor kurzem unseren 1.500. Einwohner bekommen. Die Wohn- und Mietpreise entwickeln sich rapide nach oben, wahrscheinlich durch die Stadtflucht. In der Corona-Zeit sind noch mehr Grundstücke und Wohnungen am Land angefragt worden. Das Gemeinderatsteam und ich sind gefordert, wieder leistbares Wohnen zu schaffen.

Tips: Wie kann man das schaffen?

Lichtenauer: Es gibt Konzepte in anderen Gemeinden wie in Altenberg oder Hofkirchen, wo Einwohner geförderte Kaufpreise bekommen. Hargelsberger könnten das Grundstück zu einem niedrigeren Preis erwerben. Bei engerer Verbauung wie bei Doppelhaushälften sind die Preise auch niedriger. Wir hatten das Problem, dass viele in Vereinen groß werden, diese dann aber verlassen. Irgendwann kommt es zur Familiengründung oder zum Hausbauen, aber wenn nichts Leistbares da ist, verliert man die Leute.

Tips: Gab es bei den Unwettern der vergangenen Wochen große Schäden in Hargelsberg?

Lichtenauer: Gott sei Dank nicht. Wir befinden uns in einer Wetterschneise, sodass wir komplett verschont geblieben sind. Wir haben brav unsere Autos reingestellt, und dann hat es nicht einmal geregnet.

Tips: Wie wird die ÖVP-Ideenbox von der Bevölkerung angenommen?

Lichtenauer: Sie wurde voriges Jahr schon als Kasten, in den man die Briefe reinwerfen konnte, sehr gut angenommen. Auch jetzt, wo es sie nur mehr elektronisch gibt, wird sie sehr gut genutzt – und das nicht nur für ÖVP-Themen, sondern für sämtliche Gemeindethemen. Als Kommunikationsmittel wird sie stark angenommen, wenn zum Beispiel die Straßenbeleuchtung ausgefallen ist oder wenn wir irgendwo einen neuen Mistkübel brauchen oder Öffnungszeiten verlängern sollten. Es gibt auch größere Themen, die wir uns noch anschauen müssen. Wir haben am Fußballplatz neue mobile Fußballtore angekauft, weil die großen Tore für die Kinder relativ uninteressant sind.

Tips: Hargelsberg ist mit Eggendorf die einzige Gemeinde im Bezirk Linz-Land, die keinen Fußballverein hat. Gibt es Pläne, das zu ändern?

Lichtenauer: Einen Fußballverein werden wir nicht so schnell bekommen. Unsere Kinder sind in Kronstorf und Hofkirchen sehr gut versorgt. Für einen eigenen Verein reicht es nicht. Die, die spielen wollen, spielen lieber bei einem Verein mit bestehender Infrastruktur.

Tips: Hattet ihr einmal einen Fußballverein?

Lichtenauer:Ja, als ich noch klein war. Der ist dann in einen Hobbyverein übergegangen, der dann auch aufgelöst wurde. Mittlerweile sind die Fußballer von damals Tennis- und Beachvolleyballspieler oder Läufer. Für die Kinder haben wir einen Rugbyverein. Die, die etwas härter trainieren wollen, sind dort gut aufgehoben.

Tips: Welche Projekte stehen als nächstes in Hargelsberg an?

Lichtenauer: Nächstes Jahr im Frühling werden wir die Kulturtage nachholen. Da werden wir das neue Musikheim/Feuerwehrhaus und Gemeindeamt feierlich eröffnen. Weil wir eine Zuzugsgemeinde sind, bauen wir demnächst eine Hochbehälterhalle für die Wasserversorgung. Unser bestehender Wasserturm wird zu klein. Im Herbst werden wir mit dem Bau beginnen. Jetzt sind wir auch mit der Ausfinanzierung unseres neuen Feuerwehrfahrzeugs beschäftigt.

Tips: Reiterin Lea Siegl ist bei den Olympischen Spielen in Tokio 15. im Vielseitigkeitsbewerb geworden. Gibt es eine Ehrung für sie?

Lichtenauer: Bei der Segnung des neuen Feuerwehrfahrzeugs am 5. September würde sich das anbieten. Das ist aber noch nicht fix. Es ist echt beeindruckend, was sie alles leistet.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden