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Nicole Zehetner-Grasl: „Ein 11,2 Prozent-Frauenanteil ist ein Anfang, jedoch noch sehr ausbaufähig“

Thomas Lettner, 25.08.2021 12:09

REGION. Seit 1999 hat sich der Anteil der Bürgermeisterinnen in Oberösterreich versechsfacht. Die Zahl der Ortschefinnen ist von 8 auf 49 angewachsen. Mit einem Anteil von 11,2 Prozent rangiert Oberösterreich knapp hinter Niederösterreich heuer an der vordersten Spitze im Bundesländervergleich. Im Bezirk Linz-Land gibt es derzeit zwei Bürgermeisterinnen.

Themen, die Mütter bewegen, würden laut NEOS-Bürgermeisterkandidatin Helga Frohn mehr Gehör bekommen, wenn es mehr Frauen in der Politik gebe. (Foto: Erwin Wodicka)

2.095 Bürgermeister gibt es in Österreich derzeit. Davon sind 198 Frauen. Die meisten weiblichen Bürgermeister gibt es in Niederösterreich (74; 12,9 Prozent), gefolgt von Oberösterreich (49; 11,2 Prozent), der Steiermark (22; 7,7 Prozent) und Tirol (17; 6,1 Prozent). Im Burgenland gibt es aktuell 12 (7 Prozent), in Kärnten 10 (7,5 Prozent), in Salzburg 8 (6,7 Prozent) und in Vorarlberg 6 (6,3 Prozent) Bürgermeisterinnen. Der Anteil der Bürgermeisterinnen in Österreich beträgt 9,5 Prozent.

Altersrekord wackelt

Erste weibliche Bürgermeisterin Oberösterreichs war Johanna Preinstorfer (ÖVP), die im Jahr 1982 Bürgermeisterin von Ohlsdorf (Bezirk Gmunden) wurde. Die derzeit jüngste Bürgermeisterin ist die 31-jährige Nicole Leitenmüller aus Lembach im Mühlkreis (Bezirk Rohrbach). Leitenmüller wurde im Mai 2020 mit 30 Jahren vom Gemeinderat zur neuen Bürgermeisterin gewählt. Dieser Rekord könnte schon bald von der 25-jährigen Bürgermeisterkandidatin Nicole Zehetner-Grasl (ÖVP) aus Hofkirchen geknackt werden.

Zwei Bürgermeisterinnen gerade im Amt

Im Bezirk Linz-Land hat es bisher fünf Bürgermeisterinnen gegeben: Eva Reisinger (ÖVP; 1995 bis 2000) aus St. Florian, Erika Weinlechner (SPÖ; 1997 bis 2002) aus Kirchberg-Thening, Ulrike Tauber (SPÖ; 2003 bis 2013) aus Oftering, Gisela Peutlberger-Naderer (SPÖ; 2003 bis 2005) aus Kematen an der Krems und Ernestine Haginger (SPÖ; 2003 bis 2015) aus Niederneukirchen. Seit 2019 sitzen Sabine Naderer-Jelinek (SPÖ) in Leonding und Jutta Enzinger (ÖVP) in Allhaming im Bürgermeistersessel.

Alte Denkmuster aufbrechen

„Für mich ist die repräsentative Demokratie sehr wichtig, sprich ich habe auch bei meinem Team für die Gemeinderatswahl versucht, alle Altersgruppen sowie beide Geschlechter abzudecken“, sagt die Hofkirchner Bürgermeisterkandidatin Nicole Zehetner-Grasl. „Ein 11,2 Prozent-Frauenanteil ist für mich ein Anfang, jedoch noch sehr ausbaufähig. In der Rekrutierung meiner Gemeinderatskandidatinnen habe ich gemerkt, dass es für viele Frauen oft auch sehr schwierig ist, ihr politisches Engagement mit ihrer Familie und ihrem Beruf zu vereinen. Oftmals konnte ich Frauen für die Politik nicht gewinnen, da sie befürchteten, zukünftig nicht alles unter einen Hut zu bekommen. Ich sehe auch, dass es einen Wandel im Denken der Bevölkerung bedarf – oft werde ich selbst gefragt, ob meine Kandidatur denn nicht die Familienplanung ausschließt bzw. ob das überhaupt vereinbar ist. Ich frage mich darauf oft, ob einem männlichen Kandidaten dieselbe Frage auch gestellt werden würde? Wahrscheinlich nicht. Daher bin ich der Überzeugung: Durch eine bessere Vereinbarkeit von Beruf, Familie und politischem Engagement und einem Aufbrechen alter Denkmuster (was Familienplanung etc. betrifft) schaffen wir einen höheren Frauenanteil in der Politik“, meint sie.

Mütter-Themen bekommen mehr Gehör

Helga Frohn, NEOS-Bürgermeisterkandidatin in Enns, hält es mit einem Zitat der ehemaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher: „Wenn Sie in der Politik etwas gesagt haben wollen, fragen Sie einen Mann. Wenn Sie etwas getan haben wollen, fragen Sie eine Frau.“ Auch sie würde sich in der Politik mehr Frauen wünschen. „Themen wie Lehre und Bildung, Kinderbetreuung und Umweltschutz würden mehr Gehör bekommen, weil das Themen sind, die Mütter bewegen“, so Frohn. Dass Frauen in der Politik etwas besser können als ihre männlichen Kollegen, glaubt sie aber nicht. „Ich glaube, es geht hier nicht um besser oder effizienter, es geht in der Politik um Vielfalt und Horizonterweiterung, um Harmonie und Zusammenspiel sowie darum, die Stärken von Mann und Frau als auch Stadtregierung und Opposition zu vereinen und im besten Interesse unserer Bürger – Senioren, Eltern, Jugendlichen und Kindern – zu handeln, um eine hellere, nachhaltigere und sichere Zukunft zu gestalten.“


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