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VALENTIN. Die Stadtgemeinde St. Valentin hat sich 2018 zum Ziel gesetzt, eine einwegplastikfreie Stadt zu werden. Tips sprach mit Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr (SPÖ), was sich seit Beginn der Initiative getan hat.

Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr vor dem Logo der plastikfreien Gemeinde und mit einem „Sugo Amore“-Glas der Biokräutergärtnerin Julia Kammerhuber (Foto: Thomas Lettner)

Tips: St. Valentin ist seit 2018 einwegplastikfreie Gemeinde. Welche Maßnahmen wurden bisher umgesetzt?

Suchan-Mayr: 2018 war die Umstellung von der Gelben Tonne auf den Gelben Sack. Damals gab es die Diskussion, wo die Haushalte die ganzen Säcke hingeben sollen. Wir fragten uns, ob wir vonseiten der Gemeinde einen eigenen Platz zur Verfügung stellen sollten. Ich habe gesagt, dass wir schauen müssen, wie wir den Müll reduzieren und wenn möglich überhaupt vermeiden könnten. So kamen wir auf die Idee der Resolution „Vermeidung von Einwegplastik“. In einigen Bereichen wurde Einwegplastik mittlerweile verboten wie z.B. Strohhalme, Einweggeschirr oder Wattestäbchen. Im ersten Jahr haben wir darauf geschaut, dass bei Veranstaltungen Mehrwegbecher verwendet werden oder sich die Vereine eigene Häferl machen lassen. Der Elternverein hat sich für ein Fest Becher bei uns ausgeborgt, die wir über Transjob waschen ließen. Wir haben uns also Gedanken über die Logistik dahinter gemacht. Es gab auch eine Arbeitsgruppe, die aufgrund der Pandemie etwas eingeschlafen ist. Für Kindergartenkinder, die sich nassmachen, gibt es wiederverwendbare „Wetbags“, in die sie ihre nasse Kleidung reingeben können. Am Bauhof kommen beim Automaten keine Plastikbecher mehr runter. In den ersten Monaten konnten wir so tausende Becher reduzieren.

Tips: Wie kommuniziert die Stadt die Idee nach außen?

Suchan-Mayr: Am Anfang, nachdem wir die Resolution verabschiedet haben, haben wir alle Unternehmen angeschrieben, um sie einzuladen, den Weg mit uns zu gehen und damit sie überlegen, welche Maßnahmen sie selbst umsetzen können. Ein paar Betriebe haben rückgemeldet, was sie anbieten. Der Eurospar in der Westbahnstraße hat in der Mitte ein eigenes Regal mit unverpacktem Obst und Gemüse. Das gibt es nicht in allen Märkten. Man kann bei uns auch mit dem eigenen Geschirr ins Geschäft gehen und sich Wurst oder Käse holen. Für die Bürger haben wir im ersten Jahr den Plastikfrei-Kalender aufgelegt. Auch in der Gemeindezeitung haben wir zur Bewusstseinsbildung auf die Maßnahmen hingewiesen.

Tips: Wie viel Einwegplastik ist in den drei Jahren schon eingespart worden?

Suchan-Mayr: Das können wir nicht sagen. Für die Müllsammlung ist der Gemeinde Dienstleistungsverband (GDA) zuständig. Die können das nicht so genau auf die Gemeinden herunterbrechen, auch wenn es schön zu wissen wäre. Durch die vielen Corona-Testungen in den vergangenen beiden Jahren habe ich aber keine große Hoffnung, dass wir recht viel reduziert haben.

Tips: Ist es auch bei Ihnen persönlich zu einer Veränderung gekommen?

Suchan-Mayr: Bei den Getränken fällt bei mir nicht viel Müll an. Die Milch holen wir direkt vom Bauern in der Glasflasche. Wir trinken viel Sirup, den ich im Sommer selber mache. Regionale Säfte bekommt man sowieso in der Pfandflasche. Schwierig ist es bei Süßigkeiten. Da gibt es nicht viel, das plastikfrei ist. Dasselbe ist bei Wasch- und Pflegeutensilien der Fall. Ich habe auf eine Holzzahnbürste gewechselt und auf eine andere Seife als die aus dem Spender. Es gibt also schon Möglichkeiten.

Tips: Werden auch Unternehmen aus der Stadt eingebunden wie die Firma Schorm, die Mehrwegplastik produziert?

Suchan-Mayr: Wir haben von ihnen für Stadtfeste ein großes Sortiment an Bechern. Ein großes Ziel ist, ein Take away-System für die Wirte aufzubauen. Diesbezüglich waren wir auch mit der Firma Schorm in Kontakt, um Boxen zu produzieren, die in der Kreislaufwirtschaft bleiben. Aufgrund anderer Themen ist das leider etwas eingeschlafen. In Wien gibt es schon gute Konzepte, wobei das in größeren Städten einfacher umzusetzen ist. Ein Café in St. Valentin hat offenen, unverpackten Tee angeboten und bei Strohhalmen gute Alternativen gefunden. Papier Hajek hat einen Ständer, auf dem die Grußkarten nicht mehr in Plastik verpackt sind. Jeder versucht, seinen Teil beizutragen. Was wir auch angedacht haben, ist, Betriebe auszuzeichnen, die sich besonders im Bereich „Plastikfrei“ engagieren.

Tips: Seid ihr im Gespräch mit anderen Gemeinden, die ebenfalls einwegplastikfrei werden wollen?

Suchan-Mayr: In der NÖ.Regional thematisieren wir das immer wieder. Auch im Westwinkel ist es ein Thema. Für die europaweite Kampagne „#WeChooseReuse“ haben wir einen Brief unterschrieben, dass wir uns als Gemeinden daran beteiligen wollen, weniger Müll zu produzieren. Ich hatte vor kurzem ein Onlinemeeting, bei dem auch EU-Spitzenpolitiker dabei waren. Alle haben ihre Konzepte vorgestellt. Ich gab mit St. Valentin das Beispiel einer kleineren Stadt in Europa.


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