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ENNS. „Zwei Radfahrer kann ich noch mitnehmen, dann bin ich voll„ erklärt der Fährmann den niederländischen Radtouristen. Zwölf Fahrgäste kann die Donaufähre Ennsegg bei jeder Fahrt über die Donau mitnehmen. Bei optimalem Fahrradwetter kann es schon mal sein, dass es am Fähranleger zu Wartezeiten kommt. Denn das Radfahren boomt und der Donauradweg hat sich zu einem Wirtschaftsfaktor in der Region entwickelt.

Hochbetrieb an der Radfähre Ennsegg (Foto: Wolfgang Simlinger)
  1 / 3   Hochbetrieb an der Radfähre Ennsegg (Foto: Wolfgang Simlinger)

Insgesamt 25.000 Fahrgäste hat die kleine Fähre im letzten Jahr über die Donau befördert. Vom Ennser Stadtzentrum sind es sechs Kilometer bis zur Donaufähre, mit der man nach Mauthausen oder Pyburg übersetzen kann. „Nach einer pandemiebedingten Flaute pendelt sich der Radtourismus wieder auf des Niveau des Jahres 2019 ein“, erklärt Wolfgang Brunner, Hotelbesitzer und Tourismusobmann. Von Juni bis September ist Hauptsaison am Donauradweg, 40 Prozent seiner Übernachtungsgäste kommen in dieser Zeit mit dem Fahrrad.

Internationale Klientel

Die Radtouristen kommen aus unterschiedlichen Ländern Europas: Deutschland, Belgien, Niederlande, Frankreich, Belgien. Aber auch Riesende aus den USA und Asien nehmen gerne den Donauradweg unter die Pedale. Einige sind auf eigene Faust unterwegs, andere lassen sich die Tour von einem Reiseveranstalter organisieren. Auch Kreuzfahrtschiffe bieten Radtouren an. Radbegeisterte können sich an Bord Fahrräder ausleihen, geführte Touren unternehmen oder einen Teil der Strecke mit dem Rad zurücklegen. Seit 2010 führt die ARGE Donau Österreich regelmäßig eine Radverkehrszählung von Passau bis Wien durch. Im Jahr 2022 waren insgesamt 745.000 Radfahrer am Donauradweg unterwegs, das entspricht einer Zunahme von 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Davon waren 193.000 Gäste mehrtägige Urlauber, 274.000 Gäste waren als Tagestouristen unterwegs und 305.000 Personen nutzen den Donauradweg für Alltagsfahrten. Der Radweg führt weitgehend steigungsfrei entlang der Donau und hat sich im Laufe der Jahre zur beliebtesten Flussradtour in Europa entwickelt.

Elektrofahrräder im Trend

„Immer mehr Radfahrer besitzen ein E-Bike. Es ermöglicht ihnen, Steigungen leichter zu bewältigen und somit auch Ziele abseits des Donauradwegs zu besuchen“, erklärt Tourismus-Obmann Gottfried Kraft aus Mauthausen. Entlang der Donau haben sich viele Betriebe auf den Radtourismus eingestellt, bieten Zimmer, Campingmöglichkeiten und Verpflegung an. Einige dieser Betriebe haben nur während der Radsaison geöffnet.

Die Pandemie führte zu einem Aufschwung im Fahrradsektor. Anstatt zu verreisen, investierten die Leute Geld ins Eigenheim, aber auch in Fahrräder. Es folgte ein wahrer E-Bike-Boom, der aber nicht ohne Folgen blieb Die gestiegene Nachfrage führte zeitweise sogar zu Lieferengpässen. Aber auch die Unfallzahlen stiegen an. Vor allem ungeübte Fahrer hatten ihre Probleme mit den schweren E-Bikes mit denen man ohne Training hohe Geschwindigkeiten erreichen kann.

Rennrad-Revival

Franz Schwödiauer setzt hingegen auf Muskelkraft. Sein Fahrradgeschäft in Ernsthofen hat sich spezialisiert auf hochwertige Renn- und Sporträder aus Spanien. „Wir können jeden Kundenwunsch erfüllen. Die Leute sind bereit, für ein gutes Fahrrad Geld auszugeben und wir können sie dabei unterstützen. Hochwertige Fahrräder sind gefragt, viele Kunden wollen maßgeschneiderte Räder mit individuellen Ausstattungen.“ Egal ob mit ohne ohne Elektroantrieb: ein gutes Fahrrad kostet richtig Geld. Sowohl E-Bikes, als auch hochwertige ausgestattete Rennräder und Mountain-Bikes mit Carbonrahmen findet man in Preisklassen bis über 10.000 Euro.

Vintage ist im Trend

Was in der urbanen Hipster Szene begann, ist nun auch auf ganz Österreich übergeschwappt: klassische Rennräder mit Stahlrahmen sind in. Sozusagen als Gegenpol zur modernen Carbon-Technik überzeugen sie mit robuster und einfacher Technik, klassischen Lackierungen und viel Chromglanz. Aber auch hier ist die Zeit der billigen Schnäppchen vorbei. Für gebrauchte klassische Rennräder aus Italien, Österreich oder den Niederlanden werden gut und gerne vierstellige Summen bezahlt und einige Fahrradwerkstätten haben sich darauf spezialisiert, Vintage-Rennräder zu restaurieren und in neuwertigem Zustand anzubieten.

Wichtiger Wirtschaftsfaktor

„Radfahrer zahlen ja keine Steuern“ liest man manchmal in sozialen Medien. Dieser Satz wird entkräftet, sobald man ein wenig in die Statistik blickt: Österreich ist gut motorisiert und der überwiegende Teil der Radfahrer besitzt auch ein Auto und zahlt somit KFZ-Steuer. In Österreich wird das Fahrrad hauptsächlich als Sportgerät genutzt, aber seit dem Siegeszug der E-Bikes nutzen immer mehr Menschen das Fahrrad für Alltagswege. Fahrten zur Arbeit oder zum Einkauf sind durch die neue Technik bequem möglich. Ein Blick über den Tellerrand in Länder wie Dänemark oder die Niederlande zeigt, dass in Österreich die Radinfrastruktur noch großen Aufholbedarf hat, um ein sicheres und bequemes Radfahren zu ermöglichen.


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