Ernsthofen zeigt sich bestürzt über ausschließlich negative Asylbescheide
ERNSTHOFEN. Die niederösterreichische 2.300-Einwohnergemeinde an der Enns fordert Mitspracherecht bezüglich Abschiebungen von in Ernsthofen lebenden Flüchtlingen. Bürgermeister Karl Huber (ÖVP) zeigt sich ob der negativen Asylbescheide fassungslos.

Bei ÖVP-Bürgermeister Karl Huber hätten zu Beginn der „Flüchtlingswelle“ im Jahr 2015 die gleichen Ängste, Befürchtungen und Unsicherheiten überwogen, wie bei sehr vielen anderen Einheimischen. Allerdings hat er sich nicht kopflos der breiten Mainstream-Meinung hingegeben, ohne sich näher mit der Thematik zu beschäftigen, sondern das getan, was man eben normalerweise tut, wenn man sich mit neuen Situationen konfrontiert sieht: Er hat sich informiert.
Angst in Mut verwandelt
„Ich nutzte die Gelegenheit, um zum Forum Alpbach zu reisen, als dort Workshops für Bürgermeister im Umgang mit der neuen Situation angeboten wurden. Durch die Workshops wandelten sich meine Ängste in Motivation, ja sogar Mut um“, so Huber. Erfahren im Umgang mit herausfordernden Projekten aus der Vergangenheit, wurden alle Einwohner, Vertreter aller Parteien und Institutionen mit an Bord geholt.
Gut vorbereitet
Im Rahmen eines mehrstufigen Informationsplanes hat man die Ernsthofner im November 2015 auf das bevorstehende Eintreffen der Flüchtlinge vorbereitet, woraufhin sich rund 60 Personen zur Unterstützung bei der Integration gefunden hätten. Insgesamt seien 49 Flüchtlinge aus dem Irak und aus Afghanistan in die kleine Westwinkel-Gemeinde gekommen. Sechs leerstehende Wohnungen des ehemaligen Personalhauses der Ennskraftwerke wurden großteils mit gespendeten Möbeln, Haushaltsgeräten und Grundnahrungsmitteln von Freiwilligen ausgestattet. Es wurde also an einem Strang gezogen.
Unterricht
Etwa 15 Ernsthofner unterrichteten ehrenamtlich, unter der Leitung von Manuela Weiss, Deutsch. Während der Lernstunden kümmerten sich weitere Freiwillige um die Kleinkinder. Mit Spendengeldern wurden darüber hinaus die erforderlichen Bücher finanziert. Der geregelte Deutschkurs im Wohnhaus könne mittlerweile durch gezielte Förderung einzelner Personen in ihren Wohnungen ersetzt werden und umfasst fast alle Bereiche, von Mathematik über Englisch bis Naturkunde und Technik sowie Geschichte.
Mitspracherecht für Gemeinden
„Asylwerber arbeiten mit am Bauhof der Gemeinde, in der Schule und im Kindergarten werden die Fenster von ihnen geputzt; Blumenbeete jäten, Rasen mähen und Sträucher schneiden machen sie auch gerne. Um den Pfarrhofgarten kümmerten sie sich besonders liebevoll und auch beim Ausrichten von Veranstaltungen waren und sind sie gerne gesehen“, so der Ernsthofner Flüchtlingskoordinator Josef Mühlberger.
Erlogen und konstruiert
Für den Bürgermeister sei es richtig und wichtig, dass es eine rechtsstaatliche Behörde gibt, die sich um „Flüchtlingsbelange“ kümmert, damit die Zuständigkeit klar geregelt ist. „Allerdings sollte den Gemeinden eine Gewichtung in Form eines Mitspracherechts eingeräumt werden“, fordert Huber. Beinahe drei Jahre waren die Familien in Ernsthofen, bis in den letzten Wochen und Monaten die Termine für die Interviews eingelangt sind; die einige Wochen später eingetroffenen Bescheide machen oftmals sprachlos: alle Fluchtgründe seien erlogen und konstruiert, niemand könne Deutsch, keine Integrationsmaßnahmen seien erfolgt.
Mangelnde Fachkräfte
Besonders fassungslos mache der negative Asylbescheid der 18-jährigen Rafal A., die an der Fachschule für Sozialberufe in Erla eine Vorzeigeschülerin sei, bei allen beliebt, immer fröhlich, höflich und bescheiden. „Es kann doch nicht sein, dass Asylwerber die gerade einen Mangelberuf erlernen, abgeschoben werden, während wir gleichzeitig genau für diese Berufe ausländische Fachkräfte suchen“, zeigt sich SPÖ-Ortsvorsitzender Johann Schaurhofer irritiert.
Alle Asylbescheide sind negativ
Für das betreute Wohnen und andere neue Betreuungsformen für ältere Personen würden schon jetzt händeringend die Fachkräfte der Zukunft gesucht werden, „da sollte die Berücksichtigung derartiger Ausbildungen doch eine Selbstverständlichkeit sein“, so der bestürzte Ernsthofner Bürgermeister. 17 asylsuchende Menschen leben in Ernsthofen – seit mehreren Jahren und gut integriert. Sieben Erwachsene und zehn Kinder, alle mit einem negativen Asylbescheid.


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