„Wir lächelten in derselben Sprache“ - Freinbergerin erlebt mit Ora neue Welt
ANDORF/FREINBERG. Von der Euphorie ihrer Mutter angesteckt, beschloss Michaela Meindl ihren Sommerurlaub heuer als freiwillige Helferin in Südindien zu verbringen. Vier Wochen lang unterstütze sie im dortigen Ora-Projekt einen katholischen Frauenorden, der sich um Menschen in Not kümmert. Mit leuchtenden Augen erzählt die 21-jährige Freinbergerin von ihren Erfahrungen am Rande der Stadt Salem im südlichen Bundesstaat Tamil Nadu.

Tips: Sie waren die erste Volontärin, die für Ora nach Salem gereist ist. Warum haben Sie sich für diesen vierwöchigen Auslandseinsatz in Indien entschieden?
Michaela Meindl: Da ich ein sehr weltoffener Mensch bin und über einen längeren Zeitraum in Amerika, einem Land des unbeschreiblichen Überflusses, lebte, sehnte ich mich danach, in ein sogenanntes Entwicklungsland zu gehen. Da meine Mama mit Herz und Seele das Ora-Projekt in Albanien unterstützt, steckte sie mich mit ihrer Euphorie an. So beschloss ich meine Sommerferien zu nutzen, um Kinder einer anderen Kultur kennenzulernen, Menschen zu helfen und um einfach in eine ganz neue Welt einzutauchen.
Tips: Sie sind eine ausgebildete Kindergartenpädagogin. Wie sah Ihr Tag als Volontärin aus?
Meindl: In der ersten Woche machte ich mit Schwester Ephrem viele Hausbesuche und bekam so einen sehr guten Einblick in das Leben indischer Familien. Als dann Steffi (eine Kindergartenpädagogin aus Melk) dazu kam, arbeiteten wir direkt beim Projekt mit. Vormittags waren wir im Kindergarten und lehrten den Kindern englische Spiele, Lieder, Farben und Zahlen. Außerdem malten wir. Zettel und Stifte sind hier nichts Alltägliches. Nachmittags waren wir dann in der Schule für Kinder mit verschiedenen Beeinträchtigungen, was unglaublich berührend war.
Tips: Was hat Sie dort am meisten beeindruckt?
Meindl: Es war beeindruckend zu sehen, wie viel Energie die Schwestern trotz weniger Ressourcen in die Arbeit mit ausgegrenzten Menschen stecken. Besonders schön fand ich, dass hier Kinder mit Behinderungen eine Chance bekommen. Die Kinder haben das Gefühl, gebraucht zu werden. Jeder hilft jedem und so werden sie zu Helden. Zuhause wird diesen Kindern leider oft nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt. Am meisten jedoch hat mich die Herzlichkeit, die Zufriedenheit und der starke Zusammenhalt der Menschen beeindruckt.
Tips: Was vermissen Sie an Indien nach Ihrer Rückkehr?
Meindl: Ich vermisse die offenen Menschen und vor allem die Kinder. Für mich war es das größte Geschenk, täglich in ihre leuchtenden Augen zu sehen. Obwohl wir uns nicht richtig verständigen konnten – die Amtssprache ist Tamil – lächelten wir in derselben Sprache. Ein Lächeln, das vom Herzen kam. Die Kinder nannten mich Auntie was so viel heißt wie Tantchen. Ich vermisse diese Momente, in denen die Kinder mich berührten, Auntie sagten und mir etwas mit Händen und Füßen erklärten ganz besonders. Natürlich fehlt mir auch das scharfe Essen. Reis mit Curry in allen möglichen Variationen ist schon lecker.
Tips: Möchten Sie diese Erfahrungen wiederholen?
Meindl: Ja, es war für mich eine wahnsinnig schöne, emotionale Zeit und ich wurde zum Nachdenken angeregt. Es war einfach unglaublich beeindruckend ein Teil dieser großen Gemeinschaft zu sein. Ich habe mich dort sofort zuhause gefühlt und ich freue mich schon darauf, alle meine Freunde wiederzusehen.
Tips: Wem würden Sie einen solchen Einsatz ans Herz legen?
Meindl: Ich würde einen solchen Auslandsaufenthalt jungen Menschen ans Herz legen, die offen für Neues sind und ein Herz für Kinder haben. Natürlich ist es nicht immer einfach, doch die Beziehungen, die man mit den Menschen dort aufbaut, sind ganz besonders.
Tips: Werden Sie das Projekt in Indien auch in Zukunft unterstützen?
Meindl: Während meines Aufenthaltes lernte ich eine arme, warmherzige Familie mit zwei Töchtern kennen. Durch Ora kann ich mit einer Patenschaft eines der beiden Mädchen unterstützen und ihm Schulbildung und hoffentlich ein besseres Leben ermöglichen. Das macht mich sehr, sehr glücklich. Für mich ist es eine geringe, sinnvolle Investition, mit der ich die Welt meiner kleinen Navina schöner machen kann. Mein Lieblingszitat ist: „What goes around, comes around“, was so viel heißt wie: Was du anderen Gutes tust, kommt irgendwann zu dir zurück.
Bilder-Vortrag
Michaela Meindl ist die erste Volontärin, die für Ora nach Südindien gereist ist. Die Andorfer Hilfsorganisation unterstützt dort seit 2015 die Sozialarbeit eines katholischen Frauenordens unter der Leitung von Schwester Ephrem, die sich aus ganzem Herzen und mit vollem Einsatz um ausgeschlossene Menschen in Not kümmert. Am Montag, 25. September, um 19.30 Uhr, wird die 21-jährige Freinbergerin im Pfarrsaal ihres Heimatortes mit vielen Fotos über ihre Zeit in Indien und die Arbeit der Cluny-Ordensschwestern berichten. Alle Freunde und Interessierten sind herzlich zum Bilder-Vortrag eingeladen.


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