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FREINBERG. „Karriere mit Lehre“ ist heutzutage in aller Munde. Dass man es vom Lehrling bis zum Besitzer eines Porsche-Rennteams schaffen kann, das zeigt die Geschichte des 35-jährigen, gebürtigen Freinberger Christoph Huber. 

Christoph Huber mit dem aktuellen Formel 1-Weltmeister Lewis Hamilton.
  1 / 6   Christoph Huber mit dem aktuellen Formel 1-Weltmeister Lewis Hamilton.

Der Motorsport hat den Innviertler Christoph Huber schon immer fasziniert. Bereits als kleiner Junge sammelte der heute 35-Jährige Autogrammkarten von Rennfahrern. „Das war einfach nur meine Leidenschaft. Ich hätte damals nie gedacht, dass ich eines Tages mein eigenes Rennteam besitzen werde“, so Christoph Huber, der nach seiner Lehre bei der Firma Weyland in St. Florian am Inn nach Passau in den Betrieb von Rennfahrer Herbert Drexler wechselte. Dies war sozusagen seine Eintrittskarte in die große Motorsportwelt. Dank Drexler lernte der Innviertler die österreichische Motorsportlegende Walter Lechner kennen, der ihm einen Job in seinem Rennteam verschaffte. In den darauffolgenden Jahren hatte der „Motorsport-Freak“, wie sich Huber selbst gerne nennt, sogar die Organisation der Porsche Middle East Rennserie im Nahen Osten inne.

Ein Traum wurde wahr

„Das war eine ziemlich aufregende Zeit. Ich habe viele wichtige Persönlichkeiten kennengelernt. Unter ihnen waren Mitglieder der Königsfamilie von Bahrain sowie ein Bruder des weltweit bekannten Terroristen Osama Bin Laden. Dieser ist Rennfahrer. Kontakt zu seinem bekannten Bruder hatte er aber keinen“, berichtet Huber.

Nachdem Walter Lechner beruflich kürzertreten wollte, ergriff Huber vor drei Jahren die Chance und gründete sein eigenes Rennteam, mit Sitz in Neuburg am Inn. Zunächst unter dem Namen Lechner Huber Racing, später unter Huber Racing. „Es war schon immer mein Traum, ein eigenes Rennteam zu besitzen“, informiert Huber, welcher damals mit 32 Jahren der jüngste Teamchef aller Zeiten im Porsche Carrera Cup Deutschland war.

Tips: Herr Huber, hinter Ihnen liegt die dritte Saison als Teamchef in der Rennserie Porsche Carrera Cup. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Huber: Durchwachsen. Obwohl wir Vierter in der Teamwertung wurden und einer meiner Fahrer bis zum Schluss um die Rookie-Wertung (Nachwuchswertung) gekämpft hatte. Am Ende hat es leider nicht ganz gereicht. Ich muss jedoch dazusagen, dass 2018 für mich ein Übergangsjahr war.

Tips: Wie meinen Sie das?

Huber: Die Saison davor stellte ich mit insgesamt sechs Fahrern das größte Team der Rennserie. Heuer waren wir wieder mit vier Fahrern am Start. Dieser Schritt war gut überlegt. Es wurde mir alles zu viel. Zudem wollte ich ein finanzielles Polster schaffen, um in den nächsten Jahren wieder einen Profifahrer zu engagieren, welcher dann den Titel für mein Team holen soll.

Tips: Die Jungs, welche heuer für Ihr Rennteam am Start waren, sind also Amateure?

Huber: Nein, keine Amateure. Unter Profifahrern meine ich jene, welche um Siege mitfahren können. Diese beziehen ein ganz normales Gehalt von mir. Die vier Fahrer, welche heuer meine Autos lenkten, sind allesamt talentierte Nachwuchsfahrer, die entweder aus gut betuchtem Hause kommen oder über große Sponsorenverträge verfügen. Sie zahlen dafür, um bei mir fahren zu dürfen.

Tips: Was kostet ein Profifahrer pro Jahr?

Huber: Zwischen 200.000 und 250.000 Euro. Hierbei sind jedoch nur Kosten miteingerechnet, welche das Auto betreffen. Also Reifen, Benzin und so weiter. Wenn wir viel testen, dann können diese schon an die 400.000 Euro steigen. Dazu kommt dann noch das Gehalt.

Tips: Ist der Motorsport also der Sport der Reichen?

Huber: Wenn man Profi-Rennfahrer werden will, dann schadet es nicht, wenn man reiche Eltern hat. Sonst wird es schwer. Man muss sich Folgendes vorstellen. Ein Talent, das in der Kart-Serie, also der sogenannten Einsteigerserie, teilnimmt, muss schon ein Budget von rund 150.000 Euro aufbringen. Daran scheitern leider viele Talente. Im Rennsport spielt der finanzielle Aspekt leider eine große Rolle.

Tips: Zurück zur vergangenen Saison. Ihr Team hat heuer zum ersten Mal an zwei Langstreckenrennen teilgenommen.

Huber: Ja. Wir waren beim 24-Stunden-Rennen in Dubai und beim Zwölf-Stunden-Rennen in Imola am Start.

Tips: Bereuen Sie diese Entscheidung?

Huber: Nein. Es war auf alle Fälle ein besonderes Erlebnis, denn solch ein Rennwochenende ist ganz anders als eines im Zuge des Porsche Carrera Cups. Ich habe sehr viel dazugelernt. Du musst das ganze Rennen exakt planen. Wann sollen die Fahrerwechsel erfolgen, wann ist der richtige Zeitpunkt für die Boxenstopps, um nicht zu viel Zeit zu verlieren. Auch für mich persönlich war es eine gewaltige Herausforderung. Ich saß 24 Stunden vor dem Monitor und habe das Rennen verfolgt. Das geht schon gewaltig an die Substanz.

Tips: Waren Sie mit den Ergebnissen zufrieden?

Huber: Zum Teil. In Dubai hat uns ein Getriebeschaden den Sieg gekostet und in Imola hatten wir durch einen Schaden an der Antriebswelle viel Zeit verloren. Nach dem Rennen in Dubai habe ich sogar einige Tränen vergossen. Ohne den Defekt hätten wir gewonnen. Das tat schon weh. Ich bin mir jedoch sicher, dass wir bei den nächsten Langstreckenrennen noch viel stärker sein und sicher um den Sieg mitfahren werden. Zudem habe ich die wichtige Erfahrung gemacht, dass bei solch einem langen Rennen nicht der Schnellste, sondern der Konstanteste gewinnt (lacht).

Tips: Worin liegen die Unterschiede zwischen dem Carrera Cup und der Königsklasse, der Formel 1?

Huber: In der Formel 1 spielt das Auto eine entscheidende Rolle. Je schneller der Bolide, umso besser die Platzierung. Im Porsche Carrera Cup sind alle Autos gleich. Es kommt viel mehr auf das Set-up sowie das fahrerische Können an.

Tips: Werden wir Sie eines Tages in der Formel 1 sehen?

Huber: Als Teambesitzer sicher nicht. Dafür fehlt mir das Geld. Ich habe in meiner bisherigen Karriere jedoch viele Kontakte mit Personen aus der Formel 1-Szene geknüpft, sodass ich es nicht ausschließen kann, eines Tages dort zu landen.


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