Standing Ovations für "Der verlorene Sohn"
FREISTADT. Mit Standing Ovations feierte die theaterzeit Freistadt am 20. Juli die Premiere der Uraufführung des Stückes „Der verlorene Sohn“ von Ulf Dückelmann. Das Stück ist noch am 27., 28. und 29. Juli in der Messehalle zu sehen.

Ein durch die Bank großartiges Ensemble führte durch den Theaterabend: Der Mühlviertler Ulf Dückelmann verknüpft in seinem Stück gekonnt brandaktuelle Themen wie die Unzufriedenheit der Gesellschaft und die Sehnsucht nach einem großen Umbruch mit Korruption in Politik und Wirtschaft, der Kapitalismuskrise und mit großen zwischenmenschlichen Themen. Dabei hat Dückelmann das ursprüngliche Brüderpaar von Schillers Räubern in ein Geschwisterpaar umgeschrieben und damit ein beeindruckend psychologisches Familienbild gezeichnet.
Bei der biblischen Parabel des verlorenen Sohnes, die für das Stück neben Schillers „Die Räuber“ eine weitere Inspiration war, endet die Geschichte mit dem Groll des Bruders, der seinem Vater stets treu gedient hat, während der andere Sohn, der sein vorausbezahltes Erbe in der Welt verprasst hat und der Familie den Rücken gekehrt hat, als mittelloser Versager zum Vater zurückkommt und von diesem trotzdem liebevoll wiederaufgenommen wird. Der Freistädter „Verlorene Sohn“ beginnt in der Stückhandlung dort, wo die biblische Parabel endet: Ulf Dückelmann hat mit dem Geschwisterpaar Franziska und Karl (hervorragend gespielt: Susanna Bihari und Till Bauer) diesen Kampf um die Liebe und Gunst des Vaters sehr treffsicher und emotional packend dargestellt. Neben dem Familienkonflikt (streng und zerbrechlich zugleich: Wolfgang Hundegger) zieht sich mit der tragischen Liebesgeschichte Karls und seiner Amalia (gespielt von einer engelsgleichen Susanna Winkelhofer) ein weiterer Faden durch den Abend, mit dem man emotional mitgenommen wird.
Die in Nebel getauchte weitläufige Bühne führt nicht zuletzt in eine dunkle Räuberwelt voll politischer und verschwörerischer Machenschaften (herrlich hasszerfressen: David Zimmering als Spiegelberg als einer der Räuber). Der zur Radikalisierung neigende Karl Moor dient einer Gruppe von gewaltbereiten Umstürzlern als Marionette für ihre düsteren Pläne, das gesellschaftliche System vollends umzuwälzen und die Macht, in Zeiten der Unsicherheit und vielseitigen Krisen an sich zu reißen. Das atmosphärische Bühnenbild (wunderschönes Licht von Hubert Wolschlager) ist ein Erlebnis für sich: in Hügellandschaften, die an eine endzeitlich verbrannte Erde erinnern steht ein letzter Rest an Zivilisation in Form des Wohnzimmers der Unternehmerfamilie Moor auf der Bühne und hält die Stellung in einer sukzessive in sich selbst zerbrechenden Welt. Die Theaterinszenierungen in Freistadt sind immer auch eine Art Kinoerlebnis - so sind die Filmsequenzen und die Musik, die die Handlung zwischen den Bühnenszenen begleiten, für die spannende Gesamtatmosphäre mit ausschlaggebend. Weitere Informationen und Karten: www.theaterzeit.at


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