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FREISTADT. Orient trifft Okzident: Zur Begegnung bei einer Tasse Tee lädt das „O2 Tee Haus“ in der Alten Schmiede in der Heiligengeistgasse jeden Dienstagnachmittag Asylwerber und Einheimische ein.

Hermine Moser mit Saida und deren Mutter Fereshta. Alle Fotos: Überegger
  1 / 5   Hermine Moser mit Saida und deren Mutter Fereshta. Alle Fotos: Überegger

„Kräutertee oder Schwarzer Tee?“ fragt „Teemeister“ Nowruz, der Mann mit dem karierten Geschirrtuch über der Schulter und der Baskenmütze auf dem Kopf, und schenkt in hohem Bogen ein. Im Gewölbe der Alten Schmiede, neben der Esse mit den vielen Schmiede-Werkzeugen, serviert er jeden Dienstagnachmittag Tee. Es stehen zwar nur zwei Sorten zur Auswahl, aber um größtmögliche Teevielfalt geht es hier auch nicht. Der Tee ist quasi das Mittel zum Zweck, der da heißt: gemeinsam plaudern, Kontakte knüpfen, lachen, diskutieren und – für die Kinder – spielen.

Bedürfnis nach mehr Kontakt

„Das Tee Haus gibt es genau seit einem Jahr und ist seitdem ununterbrochen in Betrieb“, berichtet Hermine Moser, die gemeinsam mit ihrem Mann Johann Moser die Idee dazu hatte. Das Ehepaar ist im Netzwerk „Asyl in Freistadt“ und im Rahmen der FLIP (Freistädter Leit Ideen Plattform) aktiv und hatte bemerkt, dass unter den Asylwerbern das Bedürfnis nach mehr Kontakt besteht – sowohl zu Einheimischen als auch zu anderen Flüchtlingen, die im Bezirk untergebracht sind. Die Einrichtung des Teehauses in den Räumen der alten Schmiede, zur Verfügung gestellt von der Familie Lang, war von Anfang an ein voller Erfolg.

Beim „Tips“-Besuch sind alle Tische bunt gemischt besetzt, Nowruz eilt mit den Teekannen hin und her, füllt Kuchenteller auf, wäscht zwischendurch Geschirr ab. „Nowruz ist aus Afghanistan geflohen, als die Taliban seine Frau ermordet haben. Den damals 14-jährigen Sohn glaubte er tot“, weiß Hermine Moser um das Schicksal eine fast jeden einzelnen Asylwerbers, der ins Tee Haus kommt.

Hamideh (26) etwa gehört der afghanischen Ethnie der Hazara an, ist aber im Iran aufgewachsen. Seit einem Jahr lebt sie mit ihrem Mann und dem vierjährigen Sohn in Kefermarkt und spricht schon ganz passabel Deutsch. „Die Hazara werden in Afghanistan verfolgt, sodass meine Eltern schon vor vielen Jahren in den Iran geflohen sind“, erklärt die ehemalige Teppichknüpferin. „Doch im Iran werden die Hazara als Bürger dritter Klasse behandelt, sie haben keine Rechte, erhalten weder Schulbildung noch Papiere. Zudem stellt die iranische Regierung die Hazara vor die Wahl, entweder zurück nach Afghanistan zu gehen oder in Syrien für das Assad-Regime zu kämpfen“, ergänzt Moser.

Verständnis füreinander schaffen, Berührungsängste abbauen, gute Gespräche führen – das Tee Haus leistet seinen kleinen, aber feinen Beitrag.


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